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Die Geheimnisse beim Bau von Schloss Neuschwanstein | BR24

© BR/Rupert Waldmüller

BR-Reporter Rupert Waldmüller hat Markus Richter getroffen bei einer Wanderung auf den Spuren dieser wohl einzigartigen und sagenumwobenen Baustelle.

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Die Geheimnisse beim Bau von Schloss Neuschwanstein

Am 5. September 1869 wurde der Grundstein gelegt für den Bau des weltberühmten Märchenschlosses. Der frühere Schlossführer und Kastellan, Markus Richter, hat seinen zweiten Neuschwanstein-Roman herausgebracht – mit zum Teil kaum bekannten Details.

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Es ist eines der bekanntesten Gebäude in Deutschland: Schloss Neuschwanstein. Vor 150 Jahren wurde der Grundstein gelegt. Der frühere Schlossführer und Kastellan Markus Richter hat lange im Schloss gearbeitet und sogar einige Jahre dort gewohnt.

Jetzt hat er mit dem Neuschwanstein-Thriller "Ohne Herz" seinen zweiten Roman herausgebracht, der auf der prominenten Baustelle spielt. Für seine Bücher hat Markus Richter viel in Archiven geforscht und zum Teil kaum bekannte Details und nie veröffentlichte Bilder entdeckt.

Reste der alten Burg bis heute sichtbar

Auf dem Weg hinauf zum Schloss kann Markus Richter viel erzählen. "Wir gehen jetzt durch die Pöllatschlucht und sehen hier einen großen Steingeröllhaufen vom Schlossberg herunterkommen – Riesen-Felsbrocken, die bis zum Fußweg hier liegen – und die sind während der Sprengung der alten Burgruinen hier heruntergerollt. Die hat man hier liegen lassen", sagt Richter. Die Reste der alten Burg, die weichen musste für Ludwigs neues Märchenschloss.

Teil des Schlosses beim Bau womöglich abgestürzt

In der Chronik des Schwangauer Dorflehrers Alois Left stieß er auf alte Fotos und auf ein entscheidendes, wenig bekanntes Detail: dass ein Teil des Schlosses beim Bau abgestürzt ist in die Schlucht darunter. Schaut man von der Seite der Pöllatschlucht herüber, sieht man unter anderem den Torbau. Und hier, so erzählt es Richter, seitlich vom Torbau an der Felskante, hätte ein Gebäude gestanden. Auf alten Fotos sei das deutlich zu erkennen - doch auf Fotos ab 1886 sei es dann verschwunden.

Sabotage? Verschwörung?

Neben den Fotos in der Chronik steht nur die kleine Notiz, dass das Gebäude bei einem Felssturz verschwunden sei. Dass darüber fast nichts bekannt ist, hat den Schriftsteller, im Hauptberuf Verwaltungsbeamter, dann doch stutzig gemacht: "Wenn ein Teil von Schloss Neuschwanstein abstürzt zu Lebzeiten von Ludwig. Dann müsste man das eigentlich irgendwo genauer beschreiben. Es müsste irgendwo in der Zeitung gestanden haben und mehr Aufmerksamkeit generiert haben. Aber dem ist nicht so. Und das finde ich doch relativ seltsam."

Wurde da was verschwiegen? War das am Ende Sabotage und Teil einer Verschwörung? Eine Steilvorlage für Markus Richters neuen Neuschwanstein-Thriller, der auf der Schlossbaustelle spielt.

Baustelle auf steilem Fels

Das Schloss und seine Entstehung haben den Füssener schon immer fasziniert. Neueste Technik kam auf der Baustelle zum Einsatz – dampfbetriebene Lokomobile für den Materialtransport am Berg, Elektrizität, Eisenträger und ein Dampfkran. Überhaupt war die Baustelle auf dem steilen Fels eine echte Herausforderung:

"Das Material da rauf bringen. An der Schlucht, an der Kante, die Gerüste zu bauen ... Und wenn man mal oben war und auf dem Hauptturm gestanden ist, der da 80 Meter hoch in die Höhe ragt und man blickt von oben auf die steilen Dächer und auf das Mauerwerk und stellt sich dann vor: Da haben die Menschen gearbeitet, ihr täglich Brot verdient – Das hat mich schon immer fasziniert."

Tote, Gerüchte und Intrigen

Neuschwanstein hat auch seine Schattenseiten: Fünf Menschen haben ihr Leben in der Zeit des Schlossbaus gelassen – und auch danach gab es immer wieder Tote, Gerüchte und Intrigen. "Und nicht zu vergessen: Der Bauherr an sich, den man in Neuschwanstein verhaftet hat und für geisteskrank erklärt hat. Und so ein bisschen meine Theorie: Es liegt so eine Art Fluch auf dem Gebäude", sagt Richter.

Faszination Neuschwanstein - damals wie heute

Ein Skandal – der um die schwarzen Kassen 2012 – war der Grund, weshalb Markus Richter das Schloss für immer verlassen hat. Trotzdem bleibt das Märchenschloss Ludwigs II., das so majestätisch über der Schlucht vor den Bergen thront, auch für ihn ein ganz besonderer Bau an einem ganz besonderen Ort. "Wenn man mal in Neuschwanstein oben auf dem Söller gestanden hat und dann den Blick zum Alpsee runter, zum Schloss und ins Gebirge rüber, die Tannheimer Kette, dann weiß man, warum er das da gebaut hat", schwärmt Richter.