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Die Gams hat sich an den schroffen Lebensraum im Hochgebirge angepasst.

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    Die Gams: Symboltier der Alpen

    Die Gams kann zwei Meter hoch und sechs Meter weit springen. Wenn es sein muss, galoppiert sie mit bis zu 50 Kilometer pro Stunde den Hang hinunter. Doch das ist noch längst nicht alles, was dieses seltene Tier so besonders macht.

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    Von
    • Theresa Krinninger

    Die Gämse (Lat. Rupicapra rupicapra) ist eine wilde Bergziege, die in Deutschland vor allem in den Alpen vorkommt. Weitere Vorkommen gibt es in den Pyrenäen, dem Apennin und den Gebirgen Rumäniens, Jugoslawiens und Griechenlands. In Bayern wird sie auch Gams und von Jägern gerne Gamswild genannt. Gämse leben in Rudeln von bis zu 30 Tieren und sind typische Gebirgsbewohner. Im Sommer leben sie hierzulande in Höhenlagen bis 2.500 Höhenmeter.

    Die Kletterkünstlerin

    Die wilde Bergziege ist eine regelrechte Kletterkünstlerin. Schon wenige Stunden nach der Geburt kann das Gams-Kitz seiner Mutter in schwierigem Gelände folgen. Eine gesunde Gams kann bis zu 20 Jahre alt werden und wiegt zwischen 25 und 40 Kilogramm. Ältere Böcke leben meist einzelgängerisch, während Geißen, Kitze und Jährlinge Herden bilden.

    Im Sommer ist das Fell der Gämsen gelbbraun. Am Rückgrat teilt ein schwarzer Streifen, der sogenannte Aalstrich, den kompakten Körper. Im Winter ist das Fell dunkelbraun bis schwarz. Dann kommt auch die markante Gesichtsmaske, ein dunkler Längsstrich von den Ohren über die Augen bis zur Nase deutlich zum Vorschein.

    Gämsen sind zwar Meisterinnen im Verstecken, können aber auch laut sein. Während der Brunftzeit im Herbst "blädern" die Böcke, wenn sie sich einer Geiß nähern. Droht Gefahr, hört man die Gämsen laut pfeifen, um sich gegenseitig zu warnen; und bei Stress oder Angst, meckern sie wie Ziegen.

    Die Seltene

    Im Vergleich zu anderen Huftieren sind Gämsen unbestritten selten. Außerdem: Niemand weiß genau, wie viele Gämsen es in Bayern eigentlich gibt. Wissenschaftler schätzen anhand von komplizierten Modellrechnungen den Bestand in Bayern auf 16.000 bis 20.000 Gämsen. Wildtierbiologen sagen aber ganz klar: Die Gesamtpopulation einer wilden und noch dazu seltenen Tierart zu zählen, ist praktisch unmöglich.

    Aber es gibt Hinweise, etwa die jährlichen Abschusszahlen, die sogenannte Gamsstrecke und die Daten aus vereinzelten Forschungsprojekten. Die Abschusszahlen liegen seit zehn Jahren relativ konstant bei rund 4.000 Individuen. Das ist für Forscher und Jagdbehörden ein guter Hinweis, dass auch die Gesamtpopulation stabil bleibt.

    Die Gejagte

    Die Gams ist eine seltene Tierart, die hauptsächlich in den europäischen Alpen und in Teilen des Balkans vorkommt. Sie ist nach EU-Recht geschützt unterliegt aber auch dem Jagdrecht. Jäger und Förster müssen also dafür sorgen, dass ihr Bestand reguliert wird. Weil 80 Prozent des Gamslebensraums im Staatsforst liegt, sind vorwiegend die Forstbetriebe von Berchtesgaden bis nach Sonthofen im Allgäu für die Gamsregulierung zuständig.

    Die Forstbetriebe müssen einerseits für den Erhalt der Schutzwälder sorgen und bepflanzen dafür Berghänge oder lassen die Wälder natürlich verjüngen. So sollen intakte Mischwälder entstehen, die Straßen, Brücken und Siedlungen vor Lawinen und Steinschlag schützen. In diesen Zonen gilt die Devise: Wald vor Wild. Dort jagen Berufsjäger Schalenwild und auch die Gams intensiv. Häufig sind in diesen sogenannten Sanierungsflächen per Verordnung die Schonzeiten aufgehoben. Die Jäger dürfen das Wild also das ganze Jahr über erlegen.

    Jedes Jahr erlegen Jäger eine vorgegebene Anzahl von Gämsen. Wie viele, legen die Jagdbehörden anhand von Experten-Gutachten jedes Jahr fest. Die Gesamt-Abschusszahl heißt Gamsstrecke. Im Abschussplan ist vorgegeben, wie viele Böcke, Geißen und Kitze geschossen werden sollen, um eine möglichst natürliche Altersstruktur zu erhalten. Es muss also eine Mischung aus jungen, alten, männlichen und weiblichen Tieren erlegt werden.

    Die Gefährdete?

    Seit Jahren gibt es heftige Auseinandersetzungen zwischen Tierschützern, Förstern und Naturfreunden über zu hohe oder zu niedrige Abschusszahlen. Der Bayerische Jagdverband und der Tierschutzverein "Wildes Bayern" schätzen den Gesamtbestand deutlich kleiner ein als Förster und haben Sorge, dass die Gams stellenweise ausgerottet werden könnte.

    Seitdem das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Oktober 2020 eine aktuelle Fassung der Roten Liste gefährdeter Wirbeltierarten herausgegeben hat, ist die Diskussion noch einmal aufgeflammt. In der aktuellen Fassung des BfN steht die Gams nun auf der Vorwarnstufe.

    Tierschützer in Bayern interpretieren die Vorwarnliste des BfN als Zeichen dafür, dass die Gams zu stark bejagt wird. Allerdings erklären die Autoren am BfN, dass die Gams auf der Vorwarnstufe nicht automatisch ein Beweis dafür sei, dass die Gamspopulation schrumpfe. Kurz- und langfristige Trends über 25 und 150 Jahre gäben keinen Anlass zur Sorge.

    Die Verdrängte

    Aber es gibt auch Risiken für die Tierart. Der Klimawandel und der Tourismus im Hochgebirge schränken den Lebensraum der Gams zunehmend ein. So erklären die Autoren der Roten Liste am BfN die Einstufung der Tierart auf die Vorwarnliste. Zu den sogenannten indirekten Risiken kommt ein direktes Risiko hinzu: In bestimmten Regionen, wo die Sanierung von Bergwäldern im Vordergrund steht, werden Gämsen teils ganzjährig stärker bejagt. Diese Risiken spielen zusammen und ergeben automatisch die Vorwarnstufe. Auf der aktuellen Roten Liste des Bayerischen Landesamts für Umwelt steht die Gams allerdings nicht.

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