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Die Feuerwehr wirbt um Verstärkung | BR24

© pa/dpa/Sven Hoppe

Feuerwehr sucht Unterstützung

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Die Feuerwehr wirbt um Verstärkung

Etwa alle zwei Minuten rückt in Bayern die Feuerwehr aus. Ihre Herausforderungen nehmen zu: Umweltschutz, Naturkatastrophen, Sicherung von Veranstaltungen. Doch so wird das Personal immer stärker belastet - und neue Freiwillige sind schwer zu finden.

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Die Feuerwehr hat eine eigene Werbeseite eingerichtet: "Ich-will-zur-Feuerwehr.de". Verschiedene Infomaterialien sind dort hochgeladen; darüber, wann die Feuerwehr ausrückt, was ihre Aufgaben sind und wie man dort einsteigen kann. Die Hürde soll gering sein.

Engagement bei Feuerwehr nicht mehr selbstverständlich

Denn: Personal ist dringend nötig. 6.000 aktive Helfer sind der Feuerwehr in Bayern in den vergangenen zehn Jahren verloren gegangen. Einerseits wurden Ortsverbände zusammengeschlossen und nicht jeder hat die Umstrukturierung mitgemacht. Andererseits macht sich der demographische Wandel bemerkbar. Dieser könnte dazu führen, dass bis 2031 knapp 15 Prozent weniger Ehrenamtliche die Feuerwehr unterstützen als noch 2011.

Alfons Weinzierl, langjähriger Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Bayern, sieht noch einen anderen Grund. Es gebe immer mehr Angebote, seine Freizeit zu gestalten – und dadurch Konkurrenz. "Vor 30 bis 40 Jahren hat jeder Fußball gespielt oder ist zur Feuerwehr gegangen. Heute ist das Freizeitangebot ein anderes."

Erweiterung möglicher Mitglieder

Die Feuerwehr hat deswegen schon vor wenigen Jahren begonnen, eine Kampagnenoffensive zu starten und auch gezielt um jene zu werben, für die es lange nicht selbstverständlich war, zur Feuerwehr zu gehen: Frauen, Geflüchtete, Behinderte. Für jeden gebe es einen Bereich, in dem er unterstützen könne, so Weinzierl.

Er begrüßt außerdem, dass die Politik vor drei Jahren das Höchstalter für Feuerwehrleute angepasst hat. Statt bis 63 können sich ältere Menschen nun bis 65 Jahre engagieren. Und eine "Kinderfeuerwehr" wurde eingerichtet, um auch die Jungen schon früh an die Feuerwehr und ihre Aufgaben heranzuführen.

Wertschätzung der Freiwilligen Feuerwehr gering

Doch trotz dieser Bestrebungen, so Weinzierl, habe er beobachtet, dass die Wertschätzung gegenüber freiwilligen Feuerwehrhelfern gesunken sei. Immer wieder würden Einsatzkräfte vor Ort beschimpft, bespuckt oder bedroht. Darauf hat auch die bayerische Polizeigewerkschaft im vergangenen Jahr aufmerksam gemacht – mit ihrer Kampagne "Respekt, ja bitte!".

Weinzierl fordert an dieser Stelle auch die Politik auf, zu handeln. Sie könne das "sicherheitsrelevante Ehrenamt" anerkennen, "nicht nur mit Reden und leeren Worten bei Veranstaltungen." Stattdessen schlägt Weinzierl Vergünstigungen vor, etwa für die öffentlichen Verkehrsmittel oder den Eintritt ins Schwimmbad.

Politik will Feuerwehr fördern

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann betont, es sei ihm wichtig, dass die Feuerwehr weiterhin einsatzfähig bliebe. Er setze dafür auf drei Säulen.

Erstens: Er wolle die Jugend stärker an die Feuerwehr heranführen. Dem Landesfeuerwehrverband gebe der Freistaat deswegen in jedem Jahr 275.000 Euro für große Imagekampagnen. Zweitens setzt der Minister darauf, mehr Frauen für die Feuerwehr zu gewinnen. Und drittens betont er, die Staatsregierung zeichne jene Betriebe aus, die besonders "Ehrenamts-freundlich" seien – also Mitarbeitern ermöglichen, auch neben dem Job tätig zu sein, etwa für die Feuerwehr.

Die Forderung des Feuerwehrverbands nach mehr Wertschätzung durch die Politik weist Herrmann zurück. In den vergangenen Jahren sei die Ehrenamtskarte ausgeweitet worden, die Vergünstigungen ermögliche. Mittlerweile nähmen daran 4.000 Unternehmen, Händler und Organisationen teil.

Verantwortung des Einzelnen

Worin sich aber alle einig sind: Eine große Verantwortung liegt auch bei jedem Einzelnen. Immer mehr Menschen rufen heutzutage schon wegen Kleinigkeiten die Feuerwehr, etwa, wenn die Waschmaschine einen Schaden hat oder die Pfanne zu stark raucht. Ohne diese Einsätze jedoch, so Weinzierl und Herrmann, habe die Feuerwehr mehr Kapazitäten, wenn es wirklich brennt.

Video: Wann ist die Feuerwehr tatsächlich zuständig ?

Wenn es brennt, ruft man die Feuerwehr. Auch in einigen anderen Fällen. Angesichts einer steigenden Zahl von Fehlalarmen stellt sich aber die Frage: was ist mit Grenzfällen, etwa einem Tier in Not?

© BR

Feuerwehrleute im Einsatzstress: Die Zahl der Fehlalarme ist in den vergangenen zehn Jahren stark nach oben gegangen. Auch weil die Feuerwehr gerufen wird, wenn sie gar nicht zuständig ist.