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Mechthilde Wittmann (CSU)
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Eva Huber
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Mechthilde Wittmann (CSU)

Donnerstagabend, ein Wirtshaus in Schrobenhausen. Der CSU-Ortsverband trifft sich. Sieben Männer mit Weißbier und Wasser, drei Frauen mit Tee. Eigentlich sind die Frauen heute mit 30 Prozent überrepräsentiert. Im ganzen Kreisverband der CSU Neuburg-Schrobenhausen sind nur 17 Prozent der Mitglieder weiblich, in Schrobenhausen selbst immerhin 23 Prozent. Dennoch wenig. Woran liegt’s?

"Da muss ich sagen, dass kann ich Ihnen gar nicht so beantworten. Vielleicht sind die Themen, die wir haben, nicht attraktiv genug." Peter Banzhaf, Ortsvorsitzender CSU Schrobenhausen
"Wenn man Frauen anspricht (...) haben sie meistens keine Zeit - oder woran das auch immer liegt. Da müssen Sie die Frauen fragen." Stefan Wüst, CSU Schrobenhausen

Frauen in der CSU stark unterrepräsentiert

Bei allen Parteien das gleiche Bild bei den Mitgliedern: es sind mehr Männer als Frauen aktiv: mal 30, mal 39 Prozent. Die CSU hat nur 21 Prozent. Ungefähr denselben Anteil haben andere konservative Parteien wie die Freien Wähler. Warum?

"Weil sie so konservativ sind. Definitiv. Es sind immer noch Kinder, Kirche und Küche." Renate Gampl, CSU Schrobenhausen
"Wenn eine Frau sagt, ich möchte zur Sitzung gehen und zu Hause sitzt das sechsjährige Kind (...), dann muss sich die Frau Gedanken machen: 'Wie geht das?' Wenn der Mann sagt, 'ich komm' am Abend mal nicht heim', dann ist selbstverständlich die Frau zu Hause und kümmert sich um das Kind." Elisabeth Teschemacher, CSUSchrobenhausen

Ist das konservative Familienbild schuld?

Hat die CSU vielleicht auch damit zu kämpfen, dass eher Menschen mit konservativen Familienbild ihr Klientel sind? Frauen hätten heute einfach generell viele Aufgaben zu erfüllen, sagt Renate Gampl: Familie, Beruf, Elternbeirat. "Und deswegen ist für so etwas wie die Politik, die auch mal Nerven kostet, nicht mehr drin. Die Frauen sagen: 'Ich nehme das, was mir Spaß macht, wo ich entspannen kann, wo ich Freude dran hab.'"

Bildung als Lockmittel

2020 ist Kommunalwahl in Bayern. Der Ortsverband muss jetzt schon schauen, welche Kandidaten und Kandidatinnen er auf die Listen setzen will. Man bemühe sich um Frauen, aber es sei eine Herausforderung – das hört man auch aus anderen Ortsverbänden in Bayern. Die Strategie der CSU in Schrobenhausen: Sie baut gerade eine Arbeitsgruppe Bildung auf.

"In den Elternbeiräten sind mehr Frauen engagiert als Männer. Von daher meine ich, könnte das ein Weg sein, die ein oder andere Frau mehr zu gewinnen bei uns." Peter Banzhaf, Ortsvorsitzender CSU Schrobenhausen

In der Stadt schwerer als auf dem Land

Ortswechsel. Treffen mit der Münchner CSU-Politikerin Mechthilde Wittmann. Sie gilt als politisches Talent, ist machtbewusst und musste sich in der Münchner CSU vieles erkämpfen.

"Wenn man aktiv auf einer Position, auf einer gewählten sein will, auf einem Mandat, dann wird’s oft mal eng, dann gibt's einen hohen Konkurrenzdruck, weil nicht so viel zu vergeben wie auf dem Land möglicherweise ist, in Gemeinderäten und ähnlichem." Mechthilde Wittmann, CSU München

Auf dem Land wird den Frauen vermeintlich vergeblich der rote Teppich ausgerollt, in der Stadt ist das anders. Wittmann musste hart um den Platz als Direktkandidatin für die Landtagswahl im Stimmkreis München-Moosach kämpfen. Sie hat dann knapp gegen den Grünen-Konkurrenten verloren und ist aus dem Landtag ausgeschieden.

Mütter haben keine Zeit zum Netzwerken

Als alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern hatte sie oft keine Zeit, um nach den Veranstaltungen noch ein Bier trinken zu gehen und zu netzwerken.

"Das merken Sie dann vor allem, wenn Sie merken, dass über Sie Dinge erzählt werden, die hinten und vorne nicht stimmen und die Sie gar nicht mitbekommen, weil Sie nicht daneben sitzen. Damit ist es leicht, über Sie zu reden. Und dann so etwas wieder einzufangen, ist unendlich schwer..." Mechthilde Wittmann, CSU München

Im Moment sieht sie die Situation der CSU aber positiv. Gerade die Führung würde viele Frauen fördern. Wichtig sei jetzt, das auch nach außen hin sichtbar zu machen, um mehr Frauen als Mitglieder zu werben. Der CSU-Ortsverein in Schrobenhausen hat in letzter Zeit neue Mitglieder gewonnen, darunter überproportional viele Frauen.

Am Samstag in einer Woche stellt sich die CSU auf ihrem Parteitag neu auf. Laut Tagesordnung werden da aber nur Männer Reden halten.

Beim CSU-Ortsverband Schrobenhausen

Beim CSU-Ortsverband Schrobenhausen