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Die Buß- und Bettagsrebellen aus Mittelfranken | BR24

© dpa-Bildfunk

In Burk in Mittelfranken halten die Menschen am Buß- und Bettag fest.

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    Die Buß- und Bettagsrebellen aus Mittelfranken

    Auch heute bleiben in Burk in Mittelfranken Rathaus, Bäcker, das kleine Kaufhaus und der Friseur geschlossen. Seit 25 Jahren hält der Ort mit knapp 900 Einwohnern am Buß- und Bettag fest. Auch Weiltingen gehört zu den "Feiertags-Rebellen".

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    Seit 1994 ist der Buß- und Bettag kein Feiertag mehr in Deutschland. Die Bundesregierung kassierte ihn im Jahr 1994, um die Pflegeversicherung zu finanzieren. Ein Jahr später war der evangelische Feiertag fast überall Geschichte. Nur Sachsen widersetzt sich bis heute komplett – und die Menschen in zwei kleinen Gemeinden im Westen Mittelfrankens, nämlich in Burk und in Weiltingen (Lkr. Ansbach). Gollhofen (Lkr. Neustadt-Aisch/Bad Windsheim) gehörte lange ebenfalls zu den "Feiertags-Rebellen". Doch vor einem Jahr öffnete zum ersten Mal nach 24 Jahren das Rathaus, und das wird auch in diesem Jahr so sein. Gottesdienst wird hier aber trotzdem am Vormittag gefeiert.

    Gottesdienst wegen Corona in der Turnhalle von Burk

    Im Corona-Jahr ist auch der Gottesdienst am Buß- und Bettag in den drei Gemeinden anders als sonst. Die Burker etwa weichen aus Platzgründen um 10.00 Uhr in die Turnhalle zum Gottesdienst aus. Der Kirchenkaffee im Anschluss und der Besuch im Wirtshaus sind gestrichen. In Gollhofen wird ab 9.30 Uhr gefeiert, aber nur 45 Gläubige dürfen dabei sein. In allen anderen Kirchengemeinden finden erst am Abend Gottesdienste statt, nach getaner Arbeit.

    Der Heilige Geist weht die Aerosole nicht weg

    In der Gemeinde sei ein christliches Leben wichtig, sagt Roswitha Schiling, die sich die Pfarrstelle in der Gemeinde Burk seit zehn Monaten mit ihrem Mann Sebastian teilt.

    "Ein christliches Leben bedeutet nicht nur die großen, freudigen Feiertage wie Weihnachten und Ostern zu feiern, sondern alle Feiertage. Dazu gehört auch ein etwas schwerer Feiertag wie der Buß- und Bettag." Roswitha Schiling, evangelische Pfarrerin von Burk

    Schiling sagt, sie spüre in Zeiten von Corona eine gewisse Sehnsucht der Menschen nach Bekanntem und Gewohntem. "Wir versuchen das in den Gottesdiensten so weit wie möglich zu erhalten, können es aber nicht komplett zugestehen", erzählt sie. "Auch wenn der Heilige Geist weht, weht er die Aerosole leider nicht weg." Im Zentrum des Gottesdienstes stehe die Buße. Buße sei ein schweres Wort, sagt die Pfarrerin fest. Es gehe darum, auf sich selbst im vergangenen Jahr zu schauen, was nicht so glücklich gelaufen sei.

    Bürgermeister von Burk bedauert Abschaffung des Buß- und Bettags

    Der ehrenamtliche Bürgermeister Georg Held sitzt nur einen Steinwurf vom Pfarrhaus entfernt im Rathaus. Bislang pendelte er an den Buß- und Bettagen nach Nürnberg zur Arbeit. In diesem Jahr erlebt er den Feiertag in der Gemeinde im Landkreis Ansbach zum ersten Mal ganz bewusst. Der Buß- und Bettag sei "der typische evangelische Feiertag" gewesen, sagt der Rathauschef. Er bedauere die Abschaffung sehr: "Ich habe die meiste Zeit meines Lebens in katholisch geprägten Gegenden gelebt, in denen ganz selbstverständlich die katholischen Feiertage begangen wurden."

    Kaufhaus in Burk macht am Buß- und Bettag nicht auf

    Vor dem kleinen Kaufhaus im Ort, das Schuhe und Mode verkauft, steht Inhaber Rudolf Kochler. Er kümmert sich um die Weihnachtsdeko im Eingangsbereich seines Geschäfts. Er steht voll und ganz hinter der Idee, dass Burk an diesem evangelischen Feiertag festhält. "Ich finde es gut, dass wir die Möglichkeit haben, uns auf unseren Glauben und Geist zu besinnen. Gerade in der Corona-Zeit ist das wichtig, um Kraft zu schöpfen," sagt Kochler.

    Zwar Werktag, aber Tanzverbot am Buß- und Bettag in Bayern

    Einen festen Termin für den Buß- und Bettag gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Auch wenn er inzwischen offiziell wieder ein Werktag ist: In Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie im Saarland gilt an diesem Tag ein Tanzverbot. Aber getanzt wird wegen Corona sowieso nicht.

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