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Die bundesweite Notruf-App kommt 2020 | BR24

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Rettungsleitstellen verzeichnen immer mehr Notrufe. Wie der BR erfuhr, soll es ab 2020 möglich sein, per App Hilfe zu rufen - bundesweit. Der genaue Standort wird automatisch übermittelt, weitere Infos können lautlos per Chat mitgeteilt werden.

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Die bundesweite Notruf-App kommt 2020

Rettungsleitstellen verzeichnen immer mehr Notrufe. Wie der BR erfuhr, soll es ab 2020 möglich sein, per App Hilfe zu rufen - bundesweit. Der genaue Standort wird automatisch übermittelt, weitere Infos können lautlos per Chat mitgeteilt werden.

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Im Rahmen des Projekts "Intelligente Vernetzung" plant die Regierung unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums eine deutschlandweite Notruf-App. Sie soll im kommenden Jahr als Anwendung für Smartphones und Tablets einsatzbereit sein. Das wurde dem BR nun bestätigt.

Exakte Ortsbestimmung des Anrufers möglich

Die App soll ermöglichen, direkt die zuständige Integrierte Leitstelle über einen Notfall zu informieren. Es soll auch möglich sein, Bilder und Videos vom Ereignisort zu übertragen. Weitere Kommunikation kann über einen Chat erfolgen. Diese unauffällige Kommunikation ist beispielsweise in bestimmten Situationen notwendig, um dann keine unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen und sich womöglich selbst in Gefahr zu begeben. Der Standort der meldenden Person wird vom Endgerät ermittelt (Geoposition) und mit an die Leitstelle übermittelt. Die Notruf-App ermöglicht so eine genaue Ortsbestimmung. Bis jetzt wird der Leitstelle nur die Funkzelle angezeigt, in der ein Smartphone-Anrufer sich befindet.

"Mit Einführung dieser Notruf-App wird es möglich sein, den Anrufer metergenau zu orten. Das ist ein Riesenvorteil für uns. Zukünftig ist es angedacht, das auch mit Videoübertragung zu machen und dann kann man sich noch ein besseres Bild von vor Ort erarbeiten." Thomas Löhr, Integrierte Leitstelle Nürnberg

App ermöglicht auch Notrufe in Bedrohungssituationen

Die neue App bietet darüber hinaus weitere Vorteile und soll möglichst barrierefrei nutzbar sein. Die vorgesehene Chatfunktionalität bietet insbesondere Menschen mit Hör- und Sprachbehinderungen die Möglichkeit, einen Notruf abzusetzen. Zudem kann über die App ein Notruf in Situationen abgesetzt werden, in denen man sich mit einem Telefongespräch möglicherweise selbst in Gefahr begeben würde. Später soll auch die Übertragung von Bildern und Videos vom Ereignisort möglich sein.

"In Zeiten fortschreitender Digitalisierung müssen die Länder und damit auch die Städte und Gemeinden alternative Notrufmöglichkeiten anbieten, die den Erwartungen und dem Kommunikationsverhalten der Bürgerinnen und Bürger entsprechen." Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums für den BR
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Die neue bundesweite Notruf-App

App soll 2020 einsatzbereit sein

Bereits im nächsten Jahr soll die Applikation für Smartphones und Tablets eingesetzt werden können. Das bestätigte das bayerische Innenministerium dem BR. Im April diesen Jahres gaben die Innenminister der Länder ihre Zustimmung. Dem Beschluss vorausgegangen war im Rahmen einer Machbarkeitsstudie der erfolgreiche Test eines ersten Pilot-Notruf-App-Systems bei einzelnen Leitstellen in verschiedenen Bundesländern. Die Tests sind nach Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums, das für die Entwicklung die Federführung übernommen hat, gut verlaufen. Sämtliche Piloteinsatzstellen hätten der entwickelten App eine Praxistauglichkeit bescheinigt.

"Bayern beteiligt sich mit Spezialisten aus dem polizeilichen und nichtpolizeilichen Bereich an der Arbeitsgruppe. Anschließend ist eine produkt- und herstellerneutrale Ausschreibung vorgesehen. Die bundesweite Einführung des dann bezuschlagten Notruf-App-Systems ist in 2020 vorgesehen." Bayerisches Innenministerium gegenüber dem BR
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Rettungsleitstellen verzeichnen immer mehr Notrufe. Wie der BR erfuhr, soll es ab 2020 möglich sein, per App Hilfe zu rufen - bundesweit. Der genaue Standort wird automatisch übermittelt, weitere Infos können lautlos per Chat mitgeteilt werden.

Zahl der Rettungsdiensteinsätze wächst stetig

Schon jetzt berichten die 26 Integrierten Leitstellen ILS in Bayern eine starke Zunahme der Meldungen. Aus der Einsatzstatistik der Rettungsdienste geht hervor, dass sich zwischen 2008 und 2017 die Zahl der Rettungseinsätze um die Hälfte erhöht hat, von 684.000 auf mehr als eine Million jährlich. Die Zunahme der Notfallereignisse lag mit 55 Prozent in den bayerischen Landkreisen deutlich höher als in den kreisfreien Städten. Hier stieg das Notfallaufkommen um 46 Prozent.

Den größten Einzugsbereich der Integrierten Leitstellen haben München und Nürnberg. Hier sind die ILS für 1,8 bzw. 1,2 Millionen Menschen zuständig. Die Augsburger Leitstelle hat einen Einzugsbereich von rund 900.000 Einwohnern. Den höchsten Anteil an Notfällen gemessen an allen Rettungsdienstereignissen wies mit 75 Prozent der Landkreis München auf.

"Die Notrufzahlen nehmen Jahr für Jahr zu, das heißt, die Einsätze steigen an und auch die Notrufe steigen kontinuierlich an. Wir führen periodisch ein Personalgutachten durch. Dort fließen die Einsatz- und die Notrufzahlen ein und wir haben jetzt von 2012 bis 2017 eine Steigerung von 60 Prozent bei den Disponenten." Thomas Löhr, Integrierte Leitstelle Nürnberg

Das Bayerische Kreuz prognostiziert für die Zukunft einen jährlich Anstieg der Rettungseinsätze um 200.000.

Unbesetzte Stellen in den Integrierten Leitstellen

Mit der Digitalisierung, der Zunahme an neuen Möglichkeiten, steigt auch die Zahl der Einsätze. Vor einem Jahr wurde europaweit der E-Call eingeführt, ein System, dass bei einem Aufprall über Sensoren in der Regel sofort Kontakt mit der Integrierten Leitstelle ILS aufnimmt. Meldet sich keiner nach einigen Aufforderungen, werden die Rettungsdienste losgeschickt. Gleichzeitig ruft der Diensthabende in der ILS die genauen Daten des Autos ab, das den Aufprall automatisch gemeldet hat. So wissen die Einsatzkräfte schon vor Ankunft an der Unfallstelle, um welches Auto es sich handelt, welchen Antrieb es hat, wo es bei eventuellen Einsätzen der Rettungsschere Schwierigkeiten geben kann.

Hinzu kommen immer neue Hilfsangebote für Senioren, wie beispielsweise Hausnotrufsysteme. Sie bieten schnelle Hilfe und können Leben retten. Angesichts der demographischen Entwicklung ein gutes Angebot. Gleichzeitig steigen damit die Einsätze der Rettungsdienste. Doch auch in dieser Branche fehlt der Nachwuchs. Die Stellen in den Integrierten Leitstellen können zum Teil nicht besetzt werden.

"Also im Moment ist es so, dass das Personalgutachten eben 60 Prozent mehr Personal vorsieht. Wir schauen, dass wir diese Stellen besetzen. Das ist uns bisher nicht gelungen und wir werden in den kommenden Wochen wieder eine Ausschreibung veröffentlichen." Thomas Löhr, Integrierte Leitstelle Nürnberg

Die Integrierten Leitstellen kämpfen wie viele Branchen mit dem Problem des Facharbeitermangels. Seit zwei Jahren baut die ILS hier kontinuierlich personell auf, aber noch immer konnten nicht alle Stellen besetzt werden.