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Ariadne auf Naxos
© Nik Schölzel Mainfranken Theater Würzburg
© Nik Schölzel Mainfranken Theater Würzburg

Ariadne auf Naxos

Der Vorhang geht auf – und die Kinnlade fällt erst mal herunter. Nur die vom ersten Moment an bewegende Klangwelt von Richard Strauß gibt schnell Gewissheit: nein, man ist nicht im falschen Film! Zwei angeranzte Wohnwagen stehen da, auf einem Parkplatz, grau in grau, von Straßenlaternen funzelig beleuchtet. Es sind Künstlergarderoben. Links ziehen Opernleute ein, rechts eine Gauklertruppe. Beide sollen vor den Festgästen eines reichen Wieners auftreten. Und zwar gleichzeitig!

Zickenkrieg vom Feinsten

Das bedeutet Krieg. Zickenkrieg! Hier die hochnäsige Primadonna, dargestellt von Ilia Papandreou als Gast am Mainfrankentheater und dort die frivole Zerbinetta, verkörpert von der Sopranistin Akiho Tsujii. Wunderbar, wie sie sich angiften. Und mittendrin im Wechselbad der Gefühle meistert Marzia Marzo mühelos die schwere Partie der Komponistin. Da sitzen nicht nur die Töne, sondern es stimmt auch die Körpersprache.

Regisseur Dominique Horwitz legt größten Wert auf klare Bilder und verständliche Gesten. Ihm geht es vor allem darum, seine Figuren so zu lenken, damit das Publikum weiß, was läuft und darüber die Längen des komplexen Inhalts möglichst vergisst. Und das ist auch nötig, denn im zweiten Akt wird's richtig kompliziert. Die beiden Kampfhennen und ihr Gefolge können sich ja immer noch nicht riechen, müssen aber während ihres gemeinsamen Auftrittes gute Miene zum bösen Spiel machen. Bühnenbild und Kostüme von Pascal Seibicke lassen den Konflikt optisch weiter schwelen. Die Bühne ist zur Manege geworden. Das Orchester sitzt nun oben und mimt die Zirkuskapelle. Bei der folgenden Mixtur aus E- und U-Musik warten die Akteure genervt und hübsch getrennt außerhalb der Manege auf ihren Auftritt. Aber drinnen herrscht Burgfriede zwischen den feindlichen Lagern.

Ariadne, verlassen von der Liebe ihres Lebens, singt noch im Brautkleid vom Sterben. Mit warmer Stimme und großer Innerlichkeit nimmt Ilia Papandreou ihre Zuhörer gefangen. Drei Nymphen treten in phantasievollen Varieté-Kostümen auf. Ihr Terzett erfreut das Publikum, nicht jedoch Ariadne. Da greift die bunte Spaßtruppe um Zerbinetta in die Handlung ein und gibt alles, um Ariadne aufzuheitern. Endlich mal Melodien, die im Ohr bleiben. Eindruck hinterlässt vor allem Akiho Tsujii als spritzig freche Zerbinetta: Nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch große Klasse! Sie flirtet sich durch die Männerwelt, zeigt sich aber auch solidarisch mit Ariadne in ihrem Liebeskummer. Wer das wie Ariadne nicht hören will, muss es fühlen. Und so kommt es, wie es kommen muss: Gott Bacchus erscheint auf einem weißen Pferd. Prinzengleich und im schwarzen Smoking, der perfekte Bräutigam für das kitschige Traumhochzeit-Happyend a la Hollywood. Gesungen von Gasttenor Daniel Magdal, der optisch etwas an Pavarotti erinnert und inbrünstig seine Herzensdame anschmachtet.

Regisseur Horwitz lenkt die Figuren als leidenschaftlicher Schauspieler. Das macht die Handlung witzig und kurzweilig, weil immer etwas auf der Bühne passiert. Dazu tragen alle zehn Würzburger Solisten bei. Und nicht zuletzt das allgegenwärtige Orchester, das unter der souveränen Leitung von Enrico Calesso die Solisten stets zuverlässig trägt. Kurz: Das gesamte Ensemble verleiht der Musik von Richard Strauss und dem sperrigen Text Hugo von Hofmannsthals etwas Leichtes. Das Würzburger Premierenpublikum war begeistert und applaudierte lange und mit vielen Bravorufen.

"Ariadne auf Nexos" am Mainfrankentheater

"Ariadne auf Nexos" am Mainfrankentheater

Mainfrankentheater Würzburg

Mainfrankentheater Würzburg