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Die Bücherei: Noch nie war sie so wertvoll wie heute | BR24

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Bildrechte: dpa/pa, Jens Schmitz

Beim ersten Lockdown mussten sie noch schließen, jetzt sind sie geöffnet - und boomenBüchereien und Bibliotheken. Trotz Digitalisierung greifen viele noch immer zum Buch. Und jetzt anscheinend besonders oft.

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Die Bücherei: Noch nie war sie so wertvoll wie heute

Die Bibliotheken bleiben während des Teil-Lockdowns geöffnet. Zur Freude vieler, denn die Leselust ist in Corona-Zeiten ungebrochen und nimmt sogar noch zu. Die Stadtbüchereien verzeichnen steigende Ausleihzahlen.

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Von
  • Claudia Grimmer

Einfach ist die Corona-Zeit nicht für die Bibliotheken und Stadtbüchereien: Schon davor haben sie den Kampf gegen immer mehr Online-Konkurrenz aufnehmen müssen. Jetzt kommen neue Auflagen hinzu.

Corona-Auflagen für Büchereien

Strenge Hygienemaßnahmen müssen nun eingehalten werden: Jedes Buch wird bei der Rückgabe desinfiziert und dann für 24 Stunden in Quarantäne gelegt. Lesecafés, Leseecken oder Studierräume mussten ganz geschlossen werden. Trotzdem ist für viele Menschen der Gang in die Bibliothek, das Ausleihen eines Buches, das haptische Gefühl der Literatur, besonders in Corona-Zeiten wichtig.

Leseratten sind froh über geöffnete Büchereien

Immerhin - in Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, in Nordrhein-Westfalen und im Saarland dürfen unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen Büchereien auch während des Teil-Lockdowns ihre Türen öffnen, anders als im Rest Deutschlands.

Offen hat beispielsweise die Stadtbücherei in Lauf an der Pegnitz. Hier ist die Mitgliedschaft kostenlos, auch die Ausleihe. Die Anzahl der Besucher wird derzeit dadurch kontrolliert, dass jeder einen Korb mitnehmen muss. Gibt es keinen mehr, ist die Höchstzahl an Besuchern erreicht. 42.000 Medien stehen zur Verfügung, vom Buch oder Hörbuch bis zur CD, den beliebten Tonies und Spielen für diverse Konsolen. Jährlich finden die Literaturtage mit Publikum statt. In Zeiten von Corona bietet die Bücherei Live-Streaming von Lesungen an, das sehr gut angenommen wird.

Schon lange haben die Büchereien den Kampf gegen die Online-Konkurrenz aufgenommen, dazu gehört auch, dass Büchereien E-Books anbieten. Das war während des ersten kompletten Lockdowns von großem Vorteil. Auch die Stadtbücherei Lauf ist im Verbund der E-Medien Franken und kann so den Zugriff auf über 50.000 Hörbucher, Bücher und E-Papers anbieten. Möglich sind auch Fernleihen. Mit solchen Angeboten hat die Stadtbücherei ihre Attraktivität schon vor der Pandemie erhöht, den richtigen Schritt in die Zukunft gemacht, denn die Zeit der reinen "Thekenbücherei" ist schon lange vorbei.

Büchereien in Corona-Zeiten so wichtig wie nie

Gerade Schüler und Schülerinnen profitieren jetzt nicht nur vom digitalen Angebot. In Lauf ist die Zahl der Ausleihe von Lernbüchern im Teil-Lockdown gestiegen. Besonders im Bereich Lernhilfen hat die Bücherei ihr Angebot aufgestockt, so dass eine Unterstützung zum digitalen Unterricht geboten werden kann.

"Die ausreichende Ausstattung und Ausweitung des Angebots Öffentlicher Bibliotheken sind gewinnbringende Investitionen in die gesellschaftliche Teilhabe der Bürger und Bürgerinnen und tragen direkt zur Stärkung der Demokratie und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Kommune bei." Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen

Besonders beliebt sind nach wie vor natürlich vor allem Krimis, vielleicht auch, weil sie die Leser in eine andere Welt entführen, was zu Corona-Zeiten vielen gut tut. Genauso nachgefragt sind Kinder- und Jugendbücher. Nach hinten gerutscht sind alle Reiseführer für das Ausland, nach vorne kamen hingegen die, die sich mit deutschen Zielen beschäftigen.

Bayerns Bibliotheken im Wandel

Die Zahl der Büchereien ging in Bayern von Jahr zu Jahr zurück, auch die Zahl der Entleiher. 2019 verzeichnet die Statistik der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen erstmals einen Wandel: Die Zahl der Bibliotheksbesuche wuchs wieder leicht um 2,3 Prozent, die Entleihungen um ein Prozent. Besonders beliebt sind E-Medien (+13,1 Prozent) und Download- und Streamingdienste (+58,9 Prozent). Aber auch bei Sachmedien ist eine Zunahme (+4,1 Prozent) bei den Entleihungen zu verzeichnen.

Die Stadtbücherei Lauf an der Pegnitz ist dafür ein Beispiel. Im vergangenen Jahr verzeichnete sie 72.000 Besuche, bei einer Einwohnerzahl von 25.000.

In diesem Jahr gab es bereits 160.000 Ausleihen. Berücksichtigt man, dass die Bücherei zwei Monate komplett dicht machen musste, könnte sogar noch das Rekordjahr 2019 übertroffen werden. Da wurden 200.000 Ausleihen registriert.

Bibliotheken punkten mit unterschiedlichen Konzepten

In Bayern versuchen viele Einrichtungen, neue Wege zu gehen. Nach dem Vorbild von Skandinavien bietet die Stadtbibliothek Olching 77 Wochenstunden Lesefreude an. Sie schafft das mit gleichbleibendem Personal, indem sie die Räumlichkeiten mit einer Bäckereifiliale teilt. In Würzburg-Hubland gibt es ebenfalls ein "öffentliches Wohnzimmer" für alle Lesefreunde, zum Teil auch ohne Bibliothekspersonal.

Andere Büchereien setzen sich für Klima- und Umweltschutz ein und bieten Leihtaschen und Kaffee oder Tee aus fairem Handel an (Stadtbibliothek Alzenau). Die Stadtbibliothek Burghausen setzt auf den Verleih auch von anderen Gegenständen wie Virtual-Reality-Brillen, Slacklines oder Sofortbildkameras. Wieder andere, wie die Stadtbibliothek Wertheim, veranstalten alle zwei Monate ein Repair-Café, in dem Ehrenamtliche Reparaturen aller Art übernehmen.

Der Freistaat förderte die Bibliotheken im vergangenen Jahr mit insgesamt 2,4 Millionen Euro. Die Projektförderung für Bibliotheken stieg um 20 Prozent auf 1,5 Millionen Euro.

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