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Die Bayreuther Porzellanfabrik Walküre ist Geschichte | BR24

© BR/Anja Bischof

Die Bayreuther Porzellanfabrik Walküre ist Geschichte.

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    Die Bayreuther Porzellanfabrik Walküre ist Geschichte

    Fünf Monate mussten die Mitarbeiter bangen, jetzt steht fest: Die Bayreuther Porzellanfabrik Walküre ist am Ende. Für das insolvente Traditionsunternehmen hat sich kein Investor gefunden.

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    Es ist das endgültige Aus für das Traditionsunternehmen Walküre in Bayreuth. Das Amtsgericht Bayreuth hat der Überführung der 121 Jahre alten Porzellanfabrik in die Regelinsolvenz zugestimmt. Damit sind die letzten 25 Mitarbeiter freigestellt, der Betrieb ist eingestellt. Dem Bayreuther Insolvenzverwalter Ulrich Graf bleibt nur noch, das Unternehmen abzuwickeln. Die monatelange Suche nach einem neuen Investor sei ohne Erfolg gewesen, teilte der Insolvenzverwalter in einem Gespräch mit dem BR mit. Zuerst hatte der Nordbayerische Kurier über das Aus der Porzellanfabrik berichtet.

    Erfolglose Suche nach Investoren

    Noch im Oktober 2019 zeigte sich der Sanierungsgeschäftsführer, der Münchner Rechtsanwalt Martin Schoebe, optimistisch, dass zumindest ein Teil des Unternehmens erhalten werden könne. Die Suche nach Investoren sei aber erfolglos verlaufen, heißt es jetzt.

    Kleines Unternehmen, schwieriger Markt

    Die Interessenten hätten den Porzellanmarkt als schwierig und das Bayreuther Unternehmen als zu klein, und damit als nicht überlebensfähig bezeichnet. Bereits im August 2019 hatte die Porzellanfabrik mit ihren damals noch rund 80 Mitarbeitern einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Diese sollte jedoch zunächst in Eigenverwaltung vonstattengehen. Mit Hilfe eines Fachmanns wollten die Geschäftsführer der Walküre, die Urenkel des Firmengründers, selbst nach Investoren suchen und zumindest Teile des Unternehmens retten. Nur zwei Monate später stellte die Porzellanfabrik mehr als die Hälfte ihrer Mitarbeiter frei. Produktion und Geschäftsbetrieb gingen nur noch eingeschränkt weiter, jetzt ist der Betrieb vollständig eingestellt und wird es auch bleiben.

    Konkurrenz aus Portugal und China erschwert das Geschäft

    In Schieflage war das Unternehmen Walküre, das vor allem Geschirr für Hotels und Gaststätten im In- und Ausland produziert, geraten, nachdem Kunden größere Aufträge zurückgestellt hatten. Daraufhin drohte die Zahlungsunfähigkeit. Ein Problem, das auch der Porzellanhersteller Rosenthal aus Selb kennt. Auch Rosenthal meldet vor elf Jahren Insolvenz an, fand aber mit der Arcturus-Gruppe aus Italien einen Investor. Nach einem Verlust von rund 1,8 Millionen Euro im Jahr 2017 konnte das Minus 2018 auf etwa eine Million Euro gedrückt werden. Zuletzt hieß es, Rosenthal sei wieder in der Gewinnzone. Gegenüber der Deutschen Presseagentur machte Rosenthal-Chef Pierluigi Coppo die günstigere Konkurrenz aus Portugal und China, aber auch den Niedergang der Tischkultur in Europa für die Probleme der Branche verantwortlich.

    "Alle Porzellanhersteller in Deutschland stecken finanziell in der Bredouille. Es gibt heute keine Hochzeitslisten mehr, Porzellan wird nicht mehr vererbt oder zur Geburt eines Kindes geschenkt. Das Problem der Fachhändler ist der Niedergang der Tischkultur in Europa, der gesellschaftliche Wandel." Rosenthal-Chef Pierluigi Coppo

    Rosenthal will sich durch Modernität behaupten

    Erst zum Jahreswechsel hatte Rosenthal seinen zwei Geschäftsführern mit Carsten W. Hense einen Manager zur Seite gestellt, der zuvor unter anderem für den Schreibgeräte-Hersteller Montblanc tätig war. In einer Mitteilung spricht Hense von einer Branche mit globalen Einflüssen, in der sich Rosenthal als einer der modernsten Betriebe aber zu behaupten wisse. Die 140 Jahre alte Rosenthal GmbH beschäftigt in Selb (Lkr. Wunsiedel) und Speichersdorf (Lkr. Bayreuth) noch rund 800 Mitarbeiter.