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Die Barke - ein Haus für minderjährige Mütter in Kempten | BR24

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Die Barke - ein Haus für minderjährige Mütter

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Die Barke - ein Haus für minderjährige Mütter in Kempten

Ein positiver Schwangerschaftstest löst manchmal ein Chaos-Gefühl aus: Besonders dann, wenn die werdenden Mütter sehr jung sind, mitten in der Schul- oder Ausbildungszeit. In Kempten werden solche Betroffenen liebevoll aufgefangen.

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Selina kommt von der Schule nach Hause. Mit ausgebreiteten Armen begrüßt sie ihre zehn Monate alte Tochter. Schon mit 14 Jahren hat sie die kleine Leyla zur Welt gebracht. So früh alle Aufgaben einer Mutter zu übernehmen, das ist für die Achtklässlerin nicht immer einfach: "Also es gibt schon Sachen, wo ich sehr überfordert bin, aber deswegen ist man ja hier, weil man hier die Unterstützung bekommt und wenn man jetzt zum Beispiel sagt, es geht grad nicht, ob man kurz ne Minute auf sie schaut, dann wird sie auch in der Zeit, wo man die Zeit für sich braucht, um Leyla gekümmert."

"Das ist ein Balanceakt"

Selinas Eltern konnten diese Unterstützung nicht bieten. Schon vor der Schwangerschaft war Selina im Heim. Dass sie jetzt trotzdem Hilfe und einen geregelten Alltag hat, das hat sie Sylvia Kruse zu verdanken. Sie hat die Barke gegründet, um die Bedürfnisse der Kinder und der Mütter unter einen Hut zu bekommen: "Das ist der Balanceakt, zu gucken, was brauchen die Kinder, was ist dran altersgemäß und wie können die Mütter von den Kindern trotzdem noch Teenie sein, junges Mädchen sein, Anschluss haben an die Gruppe, in die Schule gehen, ja."

Wenig Angebot für junge Mütter

Bei ihrer Cousine, die mit 14 Jahren Mutter wurde, hat Sylvia Kruse mitbekommen, wie wenig Angebote es für junge Mütter gibt. Zusammen mit ihrem Mann hat sie sechs eigene Kinder groß gezogen. Und als sie ein großes Haus in Lauben bei Kempten frisch renoviert hatten, hat sie die Barke gegründet: "Nach dem Umbau waren hier auf der rechten Haushälfte mein Mann und ich mit unseren sechs Kindern und hier auf der linken Haushälfte war die erste Teeniegruppe, mit vier Mädchen, 14-18 Jahre alt und ihren Kindern."

Drei Standorte und eine Kita

Mittlerweile hat die Barke mehrere Gruppen an drei Standorten und sogar eine eigene Kita hat mittlerweile eröffnet. Sylvia Kruse leitet die Einrichtung mit Leidenschaft: "Ich hab einfach ein ganz ganz großes Herz für Babys, ich hab einfach schon als Kind in der Nachbarschaft überall die Babys betreut und war immer Babysitter, mit acht, neun Jahren fing das an und das hat sich durch mein ganzes Leben gehalten."

Hilfe für mehr als 100 Mütter

Über 100 junge Mütter hat die Barke in den vergangenen 20 Jahren schon in ein selbstständiges Leben begleitet. Im Moment sucht Sylvia Kruse händeringend nach Erzieherinnen. Der Fachkräftemangel ist ein Problem für sie. Was sie allerdings sehr freut: Die langfristige Zukunft der Barke ist gesichert: "Ich hab ja das Glück, dass eine von meinen Töchtern die Einrichtung weiterführen will, die hat das schon als Kind gewusst und ausgesprochen. In zwei, drei Jahren wird sie dann hoffentlich die Trägerschaft übernehmen."

Für junge Mütter wie Selina ist das eine wichtige Sicherheit: Hier haben sie einen liebevollen Hafen und hier haben ihre Bedürfnisse Platz und die Bedürfnisse ihrer Kinder.