BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Die Angst vor dem Schweine-Virus in der Oberpfalz | BR24

© BR

Die Afrikanische Schweinepest könnte Schweinehalter hart treffen. Von "großen Sorgen" spricht Bayerns Landwirtschaftsministerin Kaniber - besonders, wenn große Abnehmer am Importstopp für Schweinefleisch aus ganz Deutschland festhalten.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Die Angst vor dem Schweine-Virus in der Oberpfalz

Nach dem ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg, geht auch bei Oberpfälzer Landwirten die Sorge um. Die Fleischpreise fallen und Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Tiere zu schützen.

Per Mail sharen

Bei Johann Mayers Schweinen ist noch alles in Ordnung. Lebhaft und neugierig kommen sie ihm entgegen, wenn er das Tor des Stalls öffnet. Doch seit die Afrikanische Schweinepest erstmals auch bei einem Wildschwein in Deutschland aufgetretenen ist, gehören auch Mayers knapp 90 Schweine auf seinem Hof bei Kallmünz zur Risikogruppe. Zu den Tieren darf deshalb jetzt von außen niemand mehr.

"Als Schweinebetrieb darf man mit dem Thema nicht sorglos umgehen. Alle sollten genau darauf achten, wer den Betrieb betritt und den Schweinebestand abriegeln, damit keine Wildschweine rankommen." Johann Mayer Obmann des Bayerischen Bauernverbands im Raum Regensburg

Exportstopp macht sich bemerkbar

Schon jetzt spüren die Landwirte die finanziellen Folgen der Afrikanischen Schweinepest. Durch die Corona-Krise und den Skandal um den Großschlachter Tönnies sind die Preise für Schweinefleisch zuletzt bereits stark gefallen. Der Import-Stopp mehrerer asiatischer Länder lässt die Preise weiter fallen, sagt Johann Mayer. Denn gerade China ist ein wichtiger Markt für viele seiner Kollegen. Hier gelten Teile, die in Deutschland fast niemand mehr kaufen würde als Delikatesse. Dass Ohren, Rüssel, Pfoten in Asien gut bezahlt werden, helfe auch die Verbraucherpreise für deutsche Kunden niedrig zu halten, so Mayer. Auch wenn in andere Länder noch viel mehr exportiert werde als nach China, mache sich der Exportstopp mehrerer asiatischer Länder bemerkbar.

Direkter Zugang zu den Schweinen wird verwehrt

Da Johann Mayer sein Schweinefleisch auf Wochenmärkten oder direkt am Hof verkauft, hofft er aber relativ glimpflich davon zu kommen. Seine Kunden seien bereit mehr zu zahlen. Davor wissen sie auch wo das Fleisch herkomme, sagt Mayer. Doch genau hier muss Mayer jetzt auch Einschränkungen vornehmen. Kunden seines Hofladens und oft auch deren Kindern, muss er nur den direkten Zugang zu den Schweinen verwehren. Er wird nun eine Absperrung bauen und für die Kunden Hinweisschilder aufstellen.

Veterinäramt ist auf mögliche Fälle vorbereitet

Doch nicht nur die Landwirte bereiten sich auf das zunehmende Risiko vor, sondern auch die Behörden: Einige Kilometer nördlich von Mayers Hof im Landkreis Schwandorf leitet Josef König das Veterinäramt. Eine spezielle Trage für mögliche verendete Wildschweine hat das Amt gerade erst bekommen. Und auch die Maßnahmen stehen schon fest, sollte die Afrikanische Schweinepest im Landkreis zuschlagen. "Dann sind wir sofort im Tierseuchen-Modus“, sagt König. Sperr- und Beobachtungszonen würden um einen Wildschwein-Ausbruchsort errichtet. Alle Betriebe in diesem mehrere Kilometer breiten Radius dürften dann nur noch unter strengen Auflagen und medizinischen Tests Schweine abtransportieren.

Sofortiges Keulen bei Verdachtsfall

Sollte es zusätzlich auch noch zu einem Befall eines Hofes kommen, müssten noch drastischere Maßnahmen ergriffen werden: Die Schweine müssten gekeult werden, und das wohl sogar schon im bloßen Verdachtsfall, sagt König.

"Es gibt keine Impfung und keine Behandlungsmöglichkeit. Die Gefahr der Verschleppung ist dann einfach zu hoch.“ Josef König Leiter des Veterinäramts Schwandorf

Erfolge bei der Eindämmung in Nachbarländern machen Hoffnung

Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber: In Tschechien habe man einen lokalen Ausbruch vor einiger Zeit schnell und nachhaltig eindämmen können, sagt König. Rund um den Fundort eines infizierten Wildschweins sei eine Sperrzone errichtet worden. Von außen nach innen seien die Wildschweine dann gejagt worden. Auch Belgien verzeichnet laut König Erfolge bei der Eindämmung des Virus. In Deutschland wolle man nun ähnlich vorgehen, wie in den Nachbarländern. Eine weitere Ausbreitung, auch auf Hausschweine soll so verhindert werden. Auch Landwirt Mayer hofft, dass das gelingt. Denn eine Keulung wäre eine Tragödie. "Absolute Katastrophe, das wünsche ich niemanden. Ich weiß von Kollegen, die das durchlebt haben: das ist furchtbar, das lastet auf der Seele."

© BR/Andreas Wenleder

Johann Mayers Schweinen geht es noch gut, doch nun gehören sie mit dem auftreten der Afrikanischen Schweinepest zur Risikogruppe.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!