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Breitenthal in Schwaben, rund eine Stunde vor Beginn der AfD-Veranstaltung warten rund 100 Leute vor dem Vereinsheim, alle 350 Plätze drinnen sind bereits vergeben. Auch hier macht die Alternative für Deutschland Wahlkampf mit provokanten Sprüchen und grenzwertigen Anspielungen auf die Flüchtlingspolitik.

Migration bleibt vorderstes Wahlkampfthema

Auf einem Plakat heißt es: "Geld für Rentner anstatt illegale Migranten", ein weiteres zeigt eine schwarze Katze, die sich hungrig in Richtung eines Goldfisches in einem Aquarium lehnt, darunter der Slogan "Grenzen schützen". Der Bezirksvorsitzende aus Schwaben Gerd Mannes relativiert die eindeutigen Motive:

"Es hat auch nichts mit Ausländern gegen Deutsche zu tun – schauen Sie, im Grundprogramm der AfD sagen wir, wir wollen Einwanderungsrecht nach kanadischem Vorbild. Es muss nur alles rechtsstaatlich passieren, es kann nicht sein, dass Leute einfach vor der Grenze die Pässe wegschmeißen." Gerd Mannes, AfD-Bezirksvorsitzender Schwaben

Für ihren Wahlkampf laden sich die AfD-Landtags-Kandidaten derzeit fast überall in Bayern bekannte Bundespolitiker ein. Björn Höcke, Alexander Gauland, Jörg Meuthen – fast täglich sprechen sie irgendwo vor AfD-Anhängern und Interessierten. Beim sogenannten "Bürgerdialog" in Breitenthal hatte Gerd Mannes heute Alice Weidel zu Gast, die AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag schimpft auf die CSU und malt ein Bild vom derzeitigen Zustand in Bayern mit den dunkelsten Tönen:

"Was ist denn in den bayerischen Kleinstädten und Städten los? Auch hier wird rumgemessert, rumhantiert, herumvergewaltigt. Das muss man doch mal ganz ehrlich sagen! Und das ist eine Schande – und diese Politik hat die CSU mitzuveranworten!" Alice Weidel, AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag

Islamfreie Schulen gefordert

Der Saal grölt, besonders, wenn Weidel die Kanzlerin beschimpft. Neben den Flüchtlingen ist der Islam das zweite große Thema im AfD-Wahlkampf: In ihrem Programm fordert die Partei die Abschaffung des Islamunterrichts, ein Bauverbot von Minaretten und ein Verbot der Vollverschleierung. Zuletzt kam Kritik auf an einem Wahlkampfplakat der Partei: darauf vier hellhäutige Jugendliche in der Schule – und der Titel "Islamfreie Schulen". Der Listenführer in der AfD in Schwaben, Markus Bayerbach hat nichts an dem Plakat auszusetzen:

"Also – wer das rassistisch empfindet, hat es, glaube ich, falsch verstanden, das Plakat. Es geht uns darum, dass der Islam – und da meine ich jetzt den politischen Islam – nicht bei uns in den Schulen ist, weil der Islam ist gegen Gleichberechtigung, ist eigentlich auch gegen weite Teile der Meinungsfreiheit und gegen andere Religionen. Und das wollen wir nicht in den Schulen haben."

Einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl hat die AfD nicht, zu zerstritten sind die führende Köpfe der Partei in Bayern. Streit gibt es auch bei vielen AfD-Auftritten im Freistaat, so auch in Breitenthal – die Veranstaltung mit Alice Weidel hat das Dorf bereits vor Beginn entzweit: Schon im Vorfeld sind Menschen aus dem Sportverein ausgetreten, aus Protest gegen den AfD-Auftritt in den Räumlichkeiten des DJK Breitenthal. Sponsoren haben ihr Engagement gekündigt.

Friedliche Gegendemonstration

Zur Gegendemo kamen rund 300 Demonstranten zusammen. Sie wollen ein Zeichen setzen gegen Rechts und gegen die AfD: "Es kann nicht sein, dass man auf den Ängsten von anderen Menschen Hetze schürt und damit versucht, Politik zu machen." - "Die haben in diesem kleinen Dorf nichts zu suchen." - "Spätestens seit Chemnitz hat die AfD deutlich gezeigt, dass sie keine demokratische Partei ist. Ich bin kein Mensch, der sagt, alle AfDler sind automatisch rechtsradikal, aber die Führungsmannschaft ist es, und jetzt ist es langsam Zeit, dass sich die Zivilgesellschaft aufstellt."

Am Ende bleibt die Lage friedlich. Die Frontenbildung in Pro- und Contra-AfD, sie ist derzeit in vielen Orten in Bayern zu erleben. Die Spuren des Wahlkampfs werden wohl weit über den 14. Oktober hinaus bleiben.