Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Die Ära Weiger geht zu Ende – BUND-Chef zieht sich zurück | BR24

© BR

Er stemmte sich gegen Großprojekte, legte sich liebend gerne mit Verkehrsministern an: Hubert Weiger. Sein Name steht für den Bund Naturschutz Bayern und für den Bund für Umwelt und Naturschutz. Jetzt tritt der Wahl-Franke ab.

2
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Die Ära Weiger geht zu Ende – BUND-Chef zieht sich zurück

Er stemmte sich gegen Großprojekte, legte sich liebend gerne mit Verkehrsministern an: Hubert Weiger. Sein Name steht für den Bund Naturschutz Bayern und für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Jetzt tritt der Wahl-Franke ab.

2
Per Mail sharen
Teilen

Im Reichswald am Nürnberger Tiergarten fing Hubert Weiger an, sich gegen den Strom zu stemmen und sich für den Umweltschutz zu engagieren. Damals, Anfang der 1970er-Jahre, als Großprojekte schwer in Mode waren, sollte hier ein Autobahnkreuz entstehen.

"Der Kampf um den Nürnberger Reichswald war der Beginn unserer Aktivitäten in ganz Franken. Es war der Haupteinsatz für die Erhaltung dieses einmaligen, großen Waldgebietes. Auch aufgrund seiner historischen, aber auch seiner ökologischen Bedeutung für den Ballungsraum. Und: Er ist gewonnen worden. Er ist gewonnen worden durch Bürgerengagement." Hubert Weiger

Erfolge und Niederlagen

Als einen seiner größten Erfolge bezeichnet der 72-Jährige die Verhinderung des vollständigen Ausbaus der Donau zum schifffahrtsgerechten Kanal. 70 Kilometer Fluss konnten einfach Fluss bleiben. Die Liste der Erfolge des professionellen Umweltschützers ist lang, sagt er.

"Es ist etwas gelungen, was wir uns damals nicht erträumen konnten. Es gibt in Bälde keine Atomkraftwerke in Bayern. Es ist eben der Gentechnik nicht gelungen, eine Gentechnik-Landwirtschaft gerade in Bayern durchzusetzen. Ganz im Gegenteil. Wir haben es geschafft, dass die Flurbereinigung heute neue Ziele hat. Nämlich eher die Bereicherung als die Ausräumung der Landschaft." Hubert Weiger

Als Vorsitzender des Bund Naturschutz Nordbayern und ab 1992 auch als Chef des Landesverbands konnte Weiger aber nicht nur Erfolge verbuchen. "Das größte Scheitern war in Bayern sicherlich der Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals, gegen den ich selbst seit Anfang der 70er-Jahre bis zur Inbetriebnahme Anfang der 90er-Jahre gekämpft habe.“

Von Bayern nach Berlin

Im Jahr 2007 gab Hubert Weiger sein Amt in Bayern an seinen Nachfolger ab und wurde Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Plötzlich war sein Verantwortungsbereich größer, die Hauptstadt sein häufigster Aufenthaltsort.

"Berlin ist ein wesentlich schwierigeres Pflaster als es Nürnberg oder München ist. Man ist im Wettbewerb mit anderen Organisationen, auch um öffentliche Aufmerksamkeit. Man hat es nicht nur mit wenigen Abgeordneten zu tun, sondern mit Hunderten von Abgeordneten im hochkomplexen Verhältnis, in dem ja auch die ganzen internationalen Fragen permanent zu beachten sind. Vor dem Hintergrund ist Berlin schon noch eine ganze Nummer schwieriger, herausfordernder." Hubert Weiger

Naturschutz wird jünger

Nach fast fünf Jahrzehnten ist Naturschutz keine Angelegenheit von einigen wenigen Aktiven mehr – so wie damals, zu der Zeit, als Hubert Weiger als Zivildienstleister 1971 Zeitungsausschnitte für den damaligen Bund Naturschutz-Vorsitzenden aufgeklebt hat. "Fridays for Future" ist das junge, laute Umweltgewissen der Gesellschaft, so Weiger.

"Es ist die Enkelgeneration, die jetzt auf die Straße geht und man kann auch sagen: Es geht die Saat auf, die gesät worden ist und es ist damit eine große Freude für alle älteren Natur- und Umweltschützer. Denn das haben wir uns immer gewünscht." Hubert Weiger

Am Wochenende gibt Hubert Weiger mit 72 Jahren seine offiziellen Ämter beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ab. Aufs Altenteil will er sich aber nicht zurückziehen.

Am Samstag wurde Olaf Bandt zum neuen Bundesvorsitzenden des BUND gewählt.