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Pater Andreas R. Batlogg

Eigentlich war es eine Routineuntersuchung, zu der der Münchner Jesuitenpater Andreas R. Batlogg und ehemalige Chefredakteur der Kulturzeitschrift "Stimmen der Zeit" am 25. September 2017 ging. "Es war Oktoberfestwetter und ich weiß das wie gestern, der Arzt schaut mich an und sagt: Leider muss ich Ihnen sagen, es ist ein bösartiger Tumor", erinnert sich der Ordensmann im Gespräch mit Wolfgang Küpper, dem Leiter der BR-Redaktion Religion und Orientierung. Die ersten Stunden habe er sich wie gelähmt gefühlt, auch "letzte Fragen" seien aufgekommen.

Getragen vom Umfeld - und trotzdem Grenzerfahrungen.

Die ersten Tage war er überzeugt: Würden Ärzte seine Chancen als relativ gering schätzen, wäre er in ein Hospiz gegangen. Kämpfen oder aufgeben - diese Frage habe er sich nicht gestellt. Er habe sich von Anfang an von Ärzten, Mitbrüdern und Freunden gut getragen gefühlt. Und trotzdem waren da die Grenzerfahrungen: sich "splitterfasernackt" einem Ärztekonsilium zu zeigen, die Inkontinenz, das Leben mit einem künstlichen Darmausgang. "Das hat mich von Anfang an geekelt und erschreckt, da brauchte ich auch Zeit."

Ratschläge sind Schläge, Berührung berührt

Und trotzdem erlebte er: auch der bestgemeinte Ratschlag kann ein Schlag sein. "Ich hab die Erfahrung gemacht, es gibt Besucher, auch Mitbrüder, Priester, Jesuiten, die sind noch gar nicht im Zimmer und fangen schon an: also, drei Dinge, Bewegung, Sport, kein Ärger. Man kann nicht einmal sagen, schön, dass du da bist. Setz dich hin. Es wird sofort was abgespult. Und ich nenne das auch den Psychoterror des positiven Denkens." Weniger sei in diesem Zusammenhang mehr. "Berührung berührt und berührt mich manchmal mehr als gut gemeinte Worte, so gut gemeint sie auch sind" - das spürte er bei Besuchern, die sich einfach an sein Bett setzten und da waren.

"Jetzt muss man schon für mich beten"

Gleich nach der Diagnose telefonierte er mit einem Mitbruder in Frankfurt. "Ich bete für dich", sagte der - ein Satz, der Andreas R. Batlogg einerseits tröstete, wie er sagt. Andererseits wurde ihm aber auch dadurch bewusst: "Jetzt muss man schon für mich beten." Ähnlich ging es ihm auch am ersten Ostern nach den Operationen. Einige Zeit saß er vor dem Heiligen Grab in der Münchner Innenstadtkirche St. Michael und schaute auf den aufgebahrten Christus aus Holz. "Ich hab nicht viel gebetet, aber ich hab mir halt vorgestellt, das könntest jetzt auch du sein, wenn du tot aus dem OP herausgeschoben worden wärst." Er habe sich dadurch ohne viele Worte mit dem Schicksal Jesu verbunden gefühlt, auch wenn das viel dramatischer gewesen sei. "So was hat mich mehr berührt, als viele oder lange Gebete."

Das ganze Gespräch gibt es hier zum Nachhören.