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Im Oktober 2015 erhielt Susanna Zsoter die Diagnose Darmkrebs. Die 33-Jährige hat extra für ihre Krankheit eine Handy-App entwickelt.

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Diagnose Darmkrebs: Von der Karrierefrau zur Krebskriegerin

Susanna Zsoter bekam 2015 die Diagnose Darmkrebs, kurz darauf gaben ihr die Ärzte wenig Hoffnung. Heute kann sie dank einer erfolgreichen Immuntherapie anderen Betroffenen Mut machen. Dafür und für ihre Handy-App bekam sie einen Preis.

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Ursula SchmidtUrsula Schmidt
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Seit Ihrem fünften Lebensjahr leidet die heute 33-Jährige Susanna Zsoter an einer chronisch-entzündlichen Darmkrankheit, Probleme mit dem Verdauungstrakt und Schmerzen sind ihr nicht neu. Die junge Frau hat eine Ausbildung und ein berufsbegleitendes Studium absolviert, hat viel und hart gearbeitet, weiter Karriere machen wollen.

Im Herbst 2015 brachte eine Operation wegen eines Darmverschlusses die Diagnose Darmkrebs. Die Metastasen waren inoperabel. Ein Schock für die damals 28-Jährige. Wegen ihrer schweren Erkrankung und der nicht mehr auszuhaltenden Schmerzen wurde sie sediert, landete auf der Palliativstation. Die Chance, dass sie daraus wieder erwachen würde, waren damals gering, sagt die Zirndorferin.

Eine Immuntherapie brachte den Durchbruch im Kampf gegen den Krebs

Insgesamt zwölf Chemotherapien hat Susanna Zsoter auf der Palliativstation hinter sich gebracht – alle blieben ohne den erhofften Erfolg, keines der Medikamente schlug im Kampf gegen den Darmkrebs an. Nach einem halben Jahr, so Zsoter, erklärten ihr die Mediziner, dass es jetzt an der Zeit sei, ihre Dinge zu regeln, weil sie die Erkrankung vermutlich nicht überleben werde. Eine Chance sahen Patientin und Ärzte jedoch noch: eine Immuntherapie – und gleich nach der Therapie ging es schlagartig besser. Das und ihr Trotz habe sie am Leben gehalten, resümiert Susanna Zsoter. Sie habe nicht glauben wollen, dass sie nicht einmal 30 Jahre alt werden dürfe.

"Krebskriegerin" als Lebenskonzept

Sie sei unheilbar krank, das wisse sie, keiner könne ihr heute sagen, wie lange sie noch leben dürfe. Aber es gehe ihr inzwischen immerhin so gut, dass sie ihre wichtigsten Träume noch realisiert habe. Nach einem halben Jahr Therapie habe sie gemeinsam mit Ärzten und Angehörigen ihre Traumreise nach Indonesien organisiert. Sie wolle machen und sich nicht nur zum Sterben ins Bett legen, erklärt sie.

Von Beginn an bloggt die Zirndorferin als "Krebskriegerin" auf den Social-Media-Kanälen, berichtet von ihren guten und schlechten Tagen, gibt Tipps zur Vorsorge und den Alltag mit einer Krebserkrankung. Etwa, dass es wichtig sei, den Arbeitgeber zu informieren und einzubinden in die einschneidende Veränderung. Die 33-jährige Marketing-Managerin beschreibt nicht nur Probleme, sondern will Lösungen anbieten – und das alles in einer schonungslos leichten Offenheit. Besonders bittet Zsoter um Unterstützung auch für Angehörige von Krebskranken.

Auch Angehörige von Krebskranken brauchen Pausen

Sie habe das Glück gehabt, dass ihre Familie und Freunde schon immer einen leichten und lockeren Weg gefunden haben, mit Schwierigkeiten im Leben umzugehen, sagt die 33-Jährige. Damit seien sie aber eine Ausnahme. Oftmals opferten sich die Angehörigen Krebskranker auf, vergessen eigene Bedürfnisse und werden auch vom Umfeld als selbstverständliche Institution gesehen. Das sei aber falsch. Aus leeren Taschen kann keiner geben, habe ihr mal eine Freundin gesagt, so Zsoter, deswegen seien kraftgebende Momente und Auszeiten immens wichtig, um all die Aufgaben mit zu übernehmen, die der Krebskranke nicht leisten kann.

Wandern und Klettern gegen schwere Gedanken

Sie selbst bekommt viel und vor allem positive Resonanz für ihre praktischen Tipps im Umgang mit der Krebserkrankung. Wenn aber ihr Gedankenkarussell zu schwer wird, das Bewusstsein über die nie mehr zu erreichenden Lebenspläne ihr Trauer bescheren, dann schnürt Susanna Zsoter ihre Schuhe, geht Wandern oder zum Klettern in die Hersbrucker Schweiz. Das strenge sie dann so an, dass sie ganz automatisch auf andere Gedanken komme, so die Zirndorferin.

Felix-Burda-Preis für die Mutmacherin Susanna Zsoter

Weil sie mit ihrer Darmkrebserkrankung offen, locker, leicht, pragmatisch und kämpferisch umgeht, anderen Betroffenen und deren Umfeld Mut macht, sei es eine Ehre, ihr den Preis digital zu überreichen hieß es in der Laudatio der Felix-Burda-Preisverleihung Ende Juli in Berlin. Darüber hinaus habe sie mit der Entwicklung einer App fürs Handy ermöglicht, die eigene Krebserkrankung zu managen.

Handy-App, um eigene Krankheit besser zu meistern

Susanna Zsoter erklärt, sie lege besonderen Wert darauf, dass man alle Informationen über und zur eigenen Krankheit schnell und übersichtlich zur Hand habe. Auf einen Blick ließen sich etwa der Medikamentenplan, ein Krankheitstagebuch, alle Arztbriefe und anstehenden Untersuchungen abrufen. Bisher gebe es diese Möglichkeit nur mit verschiedenen Apps, dies seien aber nur Insel-Lösungen.

Oftmals verwendeten die Patienten viel Zeit darauf, Daten mehrfach einzupflegen. Zeit für Bürokratie sei aber kraftraubend, "das können Krebspatienten nicht gebrauchen", erklärt Zsoter im BR-Interview. Das wichtigste an dieser App sei aber der Datenschutz – nichts werde an Dritte weitergegeben. Derzeit sammelt die Marketingmanagerin mit dem Verein Health Hackers Geld, um diese App marktreif zu machen und auch für andere Krankheitsbilder weiter zu entwickeln.

Susanna Zsoter will Teilhabe am Leben

Ihr wichtigstes Ziel ist, noch eine ganze Weile so leben zu können, wie es gerade möglich ist, so Zsoter. Und das sei schon fünf Jahre länger, als sie dachte. Susanna Zsoter will noch viele schöne Dinge erleben: Reisen, Klettern und Wandern – vielleicht auch wieder etwas mehr Arbeiten. Teilhaben will Susanna Zsoter so lange es geht, bevor sie gehen muss.

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