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Eine Fahrradfahrerin fährt auf einem Fahrradweg auf einer Kreuzung zwischen zwei Autos entlang
© picture alliance/Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
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Eine Fahrradfahrerin fährt auf einem Fahrradweg auf einer Kreuzung zwischen zwei Autos entlang

Wie viel Spaß macht Radfahren in der Stadt? Werden Radler als Verkehrsteilnehmer akzeptiert? Kontrollieren Städte und Gemeinden genug, dass Autos nicht auf Radwegen parken? Diese und andere Fragen stellte der ADFC in einer Umfrage für den sogenannten Fahrradklima-Test, in Bayern in 86 Städten. Bundesweit nahmen 170.000 Radfahrer an der Befragung teil, etwa zehn Prozent davon aus Bayern. Das Ergebnis: Kaum eine bayerische Stadt oder Gemeinde schaffte eine bessere Bewertung als "befriedigend".

"Die Lage hat sich bundesweit, aber auch in Bayern verschlechtert. Mit Blick auf die Ergebnisse ist es schwer von fahrradfreundlichen Städten zu sprechen. Es geht eher darum, welche Städte am wenigsten fahrradunfreundlich sind.“ – ADFC Bayern

Laut der Umfrage fühlen sich Radler im Straßenverkehr immer unsicherer: Ihrem Sicherheitsgefühl gaben die Befragten die Schulnote 4,2. Bei der letzten Befragung des ADFC 2016 lag dieser Wert noch bei 3,9. Vor allem in großen Städten haben Eltern Sorge, ihre Kinder alleine auf dem Rad fahren zu lassen.

Gewinner in Bayern sind kleinere Orte

Die Umfrage des ADFC ist nicht repräsentativ, gilt aber als Stimmungsbarometer. Abgefragt wurden 27 Punkte, die Aufschluss geben sollen, wie zufrieden Radler sind. Bewertet wurden Sicherheit, Komfort sowie das Fahrrad- und Verkehrsklima. Außerdem machten die Teilnehmer Angaben zum Stellenwert des Radverkehrs und der Infrastruktur in ihren Städten und Gemeinden. Für jede Frage gab es eine Art Schulnote, der Schnitt daraus ergibt das Gesamtergebnis.

Der bayerische Gewinner ist das mittelfränkische Gunzenhausen. Mit einer Durchschnittsnote von 2,82 schneidet die Gemeinde im Ranking im Freistaat am besten ab – gefolgt von Oberhaching, Bad Wörishofen, Garching bei München und Bubenreuth.

Damit sind die bayerischen Top fünf allesamt Orte mit weniger als 20.000 Einwohnern. In vielen Großstädten waren die Ergebnisse deutlich schlechter: München bekam die Note 3,99. Nürnberg wurde mit 4,2 bewertet und Würzburg sogar nur mit 4,32. Die bayernweiten Verlierer sind Hof und Kulmbach mit jeweils schlechteren Durchschnitten als 4,7.

München und Nürnberg nur Mittelmaß

Um die Ergebnisse auch bundesweit vergleichbar zu machen, hat der ADFC ein Städteranking mit verschiedenen Kategorien erstellt, gegliedert nach der Einwohnerzahl. Die Notendurchschnitte der einzelnen Städte und Gemeinden wurden hier nur innerhalb der festgelegten Kategorien verglichen.

Bei den 14 deutschen Städten über 500.000 Einwohnern erreicht München den 6. Platz. Das allerdings nur, weil 2018 die Ortsgrößenklasse „über 500.000 Einwohner“ neu hinzugekommen ist. Legt man das Ortsgrößenklassen-System von 2016 zugrunde, käme München auf Platz 16 und rutscht somit im Fahrradklima-Test um drei Plätze ab. Nürnberg schafft es im Ranking 2018 übrigens auf Platz 7.

Augsburg, Memmingen, Aschaffenburg und Oberhaching schnitten im Vergleich zu deutschen Städten mit ähnlichen Einwohnerzahlen zwar ganz gut ab, bekommen aber trotzdem nur Noten im Bereich "befriedigend“. Erlangen schafft es mit einem Durchschnitt von 3,39 sogar auf Platz zwei der Städte mit vergleichbarer Einwohnerzahl.

Nur Straubing hat sich deutlich verbessert

Seit der letzten Umfrage des ADFC 2016 konnte sich in Bayern nur eine Stadt deutlich verbessern: Straubing schaffte es von einem Notendurchschnitt von 4,3 auf 3,9. Zahlreiche andere Gemeinden und Städte wiederum haben sich deutlich verschlechtert.

Der ADFC bemängelt diese Entwicklung. Der Radverkehr müsse nachhaltig und systematisch gefördert werden, indem der Straßenraum neu verteilt werde.

"Im Moment ist alles auf Autos ausgerichtet, aber immer mehr Menschen steigen auf das Fahrrad um. Hierfür müssen die Rahmenbedingungen attraktiver gestaltet werden, damit alle Verkehrsteilnehmer ihren Platz haben.“ – ADFC Bayern