Schüler und Lehrkräfte vor einer Leinwand. Auf der Leinwand ist ein lesender Junge zu sehen.
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In Berlin fand der Bundesentscheid im Vorlesen statt. Bayern wurde von Alexander aus Hollfeld vertreten.

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Deutschlands beste Leser: Alex startet für Bayern

Vorlesen statt Unterricht: An der Gesamtschule Hollfeld stand gemeinsames Zuhören auf dem Stundenplan. Denn der beste Leser Bayerns, der Schüler Alexander Dörre, ist im Finale des Vorlesewettbewerbes in Berlin angetreten.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Anspannung in der Staatlichen Gesamtschule Hollfeld am Vormittag: In wenigen Minuten startet das Finale des bundesweiten Vorlesewettbewerbs. Eine große Leinwand ist aufgebaut, knapp 170 Sechstklässler stellen ihre Stühle davor auf. Denn gleich wollen sie ihren Klassenkameraden anfeuern – Alexander Dörre. Er tritt für Bayern an.

Unterstützung: "Alex, gib alles!"

"Wir sind so stolz auf Alex", sagt eine seiner Mitschülerinnen. In der Hand hält sie ein selbst gemaltes Plakat. Darauf steht: "Go Alex, du schaffst das! Wir glauben an dich." Ein weiterer Freund von Alex hat einen Elefanten mit einem Schild im Arm gemalt. Darauf steht: "Los, du kannst das, Alex, gib alles!" Im Sekretariat läuft ebenfalls der Livestream der Veranstaltung, schmunzelt Schulleiterin Christine Betz. Das erste Mal habe es ihre Gesamtschule bei einem Vorlesewettbewerb bis ins Finale geschafft. Das sei für die gesamte Schulfamilie ein unglaublicher Erfolg und der Wettbewerb werde von allen sehr ernstgenommen. Vor allem die Unterstützung der sechsten Jahrgangsstufe für Alex sei enorm, freut sich auch Lehrerin Simone Schmidt. Auch ihr ist die Anspannung anzumerken, die erst ein wenig nachlässt, als auch die Technik ohne Probleme funktioniert.

Als Bayerns Bester nach Berlin

Der Sechstklässler hatte am 22. Mai das bayerische Finale des Vorlesewettbewerbs des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Nürnberg gewonnen. Beim Bundesentscheid müssen die 16 Kinder, aus jedem Bundesland ein Vertreter, jeweils eine etwa dreiminütige Textpassage vorlesen. Im Vorfeld konnten die Mädchen und Jungen dafür aus einer Liste von 30 aktuellen Kinder- und Jugendbüchern drei Favoriten auswählen. Das Buch, aus dem sie letztlich vorlesen, bekamen sie allerdings erst gestern zugelost.

Geheim-Tipps von der Bundessiegerin 2022

Und dann ist es soweit: Alex ist zu sehen. In einem blau-weißen Fußball-Trikot gehört er zu den ersten acht Lesern. Am Lesepult hat er ein Bild seiner Oma aufgestellt, die sonst immer dabei ist, nur diesmal ging es nicht. Im Publikum sitzen aber seine Eltern. In der Jury ist auch Ada Grossmann – sie hatte im vergangenen Jahr den Bundessieg nach Bayern geholt. Auf die Frage der Moderatorin, ob sich Alex von ihr "so unter Bayern" einen Tipp geholt hätte, sagt er lässig "ja". Was das denn für Tipps gewesen wären? "Na, Geheim-Tipps!", mehr lässt er nicht durchblicken. In der Aula ist es mucksmäuschenstill, als Alex konzentriert und souverän anfängt, eine Passage aus "Etzel Zauderkern und die Macht der Wünsche" zu lesen. Als er fertig ist und in die Kamera lächelt, klatschen seine Mitschüler begeistert.

Hohes Niveau – schwere Entscheidung

Knapp zweieinhalb Stunden dauert der Wettbewerb und alle wollen endlich wissen, wie es ausgegangen ist. Doch die Jury lässt sich Zeit. Und die Entscheidung fällt auch schwer, denn das Niveau der 16 Kinder war beeindruckend "Ich habe immer wieder die Augen zugemacht – und es klingt wie ein Hörbuch bei allen", schwärmt ein Vater im Publikum. Wichtig für die Jury sind neben der Lesetechnik, auch die Interpretation des Textes und die Auswahl der vorgetragenen Textstelle. Aber auch, ob die Atmosphäre des Buchs transportiert wurde.

Um die Zeit zu überbrücken erzählen die Jungs munter von ihrem Sechserzimmer. Denn schon seit Montag sind die jungen Leser mit ihren Familien angekommen. "Wir sind erst um zwölf ins Bett" verraten sie mit einem breiten Grinsen. Die Mädchen haben schon eine gemeinsame "WhatsApp-Gruppe" gegründet, damit sie auch nach dem Wettbewerb in Kontakt bleiben können.

Empfang geplant

Dann endlich kommt die Juryentscheidung: Der Wanderpokal geht nach Niedersachsen. Mika Ekelhoff hat den Wettbewerb für sich entschieden. "Schon ein bisschen schade, macht aber nichts – wir sind einfach unheimlich stolz auf ihn", sagt Aliya in Hollfeld nach der Entscheidung. Morgen wird Alex wieder zum Unterricht in der Gesamtschule erwartet und dort von der Schulleitung, seinen Lehrern und Mitschülern mit einem kleinen Empfang begrüßt. In der Bibliothek der Schule ist bereits ein Leseecke mit den Lieblingsbüchern von Alex – auch als Leseansporn für seine Mitschüler und Mitschülerinnen – dekoriert.

Im Video: Alexander aus Hollfeld beim Vorlesewettbewerb in Berlin

Schüler vor einer Leinwand. Auf der Leinwand sind zwei Schüler zu sehen, von denen einer aus einem Buch vorliest.
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In Berlin fand der Bundesentscheid im Vorlesen statt. Bayern wurde von Alexander aus Hollfeld vertreten.

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