BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Deutscher Spargel: Klare Regeln für die Erntezeit | BR24

© BR/Johanna Schlüter

Der erste Spargel des Jahres erzielt die höchsten Preise.

1
Per Mail sharen
Teilen

    Deutscher Spargel: Klare Regeln für die Erntezeit

    Deutscher Spargel kommt nur aus der Region, und nicht später als Ende Juni auf den Teller. Mit seinen klaren Regeln des Konsums ist das beliebte Gemüse in Deutschland fast einzigartig.

    1
    Per Mail sharen
    Teilen

    Regionalität und Saisonalität – Begriffe die in der Gemüseabteilung des Supermarkts oder am heimischen Wochenmarkt mittlerweile einen fast höheren Stellenwert besitzen als Klassiker wie "Bio" oder "Ökolandbau". Doch bei wem in Mitteleuropa zu dieser Jahreszeit wirklich nur noch regionale und saisonale Produkte auf dem Einkaufszettel stehen, der hat über Monate hinweg mit Kohlgemüse, Feldsalat und einigen gelagerten Kartoffeln, Probleme seinen Ernährungsplan abwechslungsreich zu gestalten.

    Deshalb kommt dann doch die Tomate aus dem Gewächshaus oder die Gurke aus Spanien auf die Speisekarte. Nur bei einem Produkt ist man sich in ganz Deutschland einig, wann genau und vor allem woher es kommen muss: nämlich beim Spargel.

    Die Spargel-Saison ist nach vorne hin nicht begrenzt

    Mit dem Johannistag am 24. Juni hat die Spargelzeit seit jeher schon ein klares Ende. Beim Beginn gibt es allerdings keine eindeutige Definition. Die Wetterverhältnisse legen eigentlich den Start fest. Aber da der erste Spargel auch den höchsten Preis erzielt und ausländische Ware bereits auf dem Markt ist, beginnt in heimischen Anbaugebieten ein Wettlauf gegen die Natur, um mit südlicheren Regionen wie Spanien und Griechenland mithalten zu können. Deshalb startet der Frühling für deutsche Spargelbauern unter tonnenweise Plastikfolie und künstlicher Beheizung bereits im Februar.

    Früher Spargel hat schlechte Klimabilanz

    Man zögert also, wenn der erste Spargel im Supermarkt "Herkunftsland: Peru" auf seiner Etikette stehen hat. Die Kohlenstoffdioxid-Bilanz von importiertem Spargel ist auch um einiges höher als bei der heimischen Variante, und der hohe Wasserverbrauch beim Anbau schadet den Einwohnern trockener Regionen.

    Dass durch tonnenweise Plastikmüll allein im oberbayerischen Spargelland Schrobenhausen, und einem erhöhten Energieverbrauch durch künstliche Wärmezufuhr, die Klimabilanz deutschen Spargels schnell an der importierten Ware vorbeizieht, ist vielen Konsumenten nicht bewusst. Selbst wenn die Beheizung durch industrielle Abwärme vonstatten geht, bleibt der frühe Spargel eine Umweltsünde – trotz der Regionalität.

    Spargel-Hype stellt andere Produkte in den Schatten

    Solange der Konsument sich aber in Geduld übt, bleibt die Klimabilanz auch im grünen Bereich. Damit hat das in Deutschland so beliebte Gemüse aber so etwas wie eine Alleinstellung, denn bei kaum einem anderen Produkt wird so viel Wert auf seine Saison gelegt.

    Und das trotz erheblicher Umweltprobleme: ein Kilogramm Tomaten aus regionalem Freiland-Anbau besitzt beispielsweise ein CO2-Äquivalent von gerade einmal 35 Gramm, wohingegen bei Produkten aus dem Gewächshaus mit 9,3 Kilogramm CO2-Äquivalent die Schadstoffbelastung um das über 200-fache steigt.

    Trotzdem ist der Verzicht in den kälteren Jahreszeiten fast unvorstellbar und die Gemüseregale 365 Tage im Jahr mit der roten Frucht befüllt; in verschiedensten Formen aus unterschiedlichsten Ländern.

    Einmaligkeit der Spargelsaison

    Der Spargel-Hype ist also kaum mit etwas Anderem vergleichbar. Ein ähnliches Phänomen findet man in Deutschland nur noch bei der Erdbeere. Doch was macht diese Produkte so besonders? Vielleicht ist es der direkte Verkauf der Bauern. Ihre Verkaufs-Hütten sehen teilweise aus wie das Produkt selbst, nur in riesig.

    Fakt ist: Erdbeere und Spargel sind Frühlingsboten. Nach den kalten, dunklen Monaten kommt mit der Rückkehr des Vogelgezwitschers vielleicht auch einfach das Umweltbewusstsein wieder an die Oberfläche. Wenigstens ein kleines bisschen.