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Warum ist der Landkreis Regen so stark betroffen von Corona? Landrätin Rita Röhrl sucht nach Antworten.

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Deutscher Corona-Hotspot: Regen geht zu Distanzunterricht über

Seit Tagen liegt der Inzidenzwert im Landkreis Regen gut über 500 und ist damit der höchste in ganz Deutschland. Angesichts dessen verkündete Landrätin Rita Röhrl (SPD) weitere Maßnahmen. Diese betreffen unter anderem die Schulen im Landkreis.

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Von
  • Thomas Moßburger

Eigentlich habe man versucht, früh zu reagieren, erklärte die Regener Landrätin Rita Röhrl (SPD) auf einer Pressekonferenz am Sonntag zu den sehr hohen Corona-Zahlen ihres Landkreises. 581,3 lautet der Inzidenzwert (Zahlen von RKI) am Sonntag und macht Regen erneut zu Deutschlands Corona-Hochburg. Doch trotz erster Einschränkungen bereits im Oktober sei die zweite Welle nicht aufhaltbar gewesen, so die Landrätin.

Die Sorge vor Inzidenzwert 600

Ein Grund könnte aus Sicht der SPD-Politikerin sein, dass mancher Kontaktpersonen nicht angegeben habe, um diese vor Quarantäne zu bewahren. In den nächsten Tagen werde der Landkreis wohl auch den Inzidenzwert 600 überschreiten, so Röhrl. Dabei seien zwar zahlreiche Infektionen in Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie einem Krankenhaus auszumachen, ein erheblicher Teil der Ansteckungen sei jedoch diffus, also nicht nachvollziehbar.

Schulen gehen in Distanzunterricht

Daher werden auch die ohnehin geltenden Anti-Corona-Maßnahmen nochmals weiter verschärft, obwohl bereits Ausgangsbeschränkungen gelten und obwohl ohnehin in ganz Bayern ab Mittwoch verschärfte Regeln gelten.

"Das macht alles keinen Spaß, aber bei diesen Inzidenzzahlen muss der Landkreis handeln." Rita Röhrl, Regens Landrätin

Konkret sollen - vermutlich ab Mittwoch - alle Schulen im Landkreis komplett auf Distanzunterricht umstellen. Man werde bis dahin mit den entsprechenden Behörden sprechen und eine Notbetreuung organisieren. Als Grund gab Landrätin Röhrl vor allem den Schulweg in oft vollen öffentlichen Verkehrsmitteln an, der zu Infektionen führen könne.

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Seit Tagen liegt der Inzidenzwert im Landkreis Regen über 500 und ist damit der höchste in ganz Deutschland. Angesichts dessen verkündete Landrätin Röhrl (SPD) weitere Maßnahmen.

Stärkere Hygiene-Kontrollen in Heimen

Zusätzlich zum Distanzunterricht werden auch die Behindertenwerkstätten im Landkreis geschlossen. Darüber hinaus werde man die Einhaltung von Hygienekonzepten in den weiterhin geöffneten Dienstleistungsbetrieben sowie auch in Heimen stärker kontrollieren. Besuche in Pflegeeinrichtungen sollen künftig nur noch von einer festgelegten Person für 30 Minuten erlaubt sein. Und nur nach einem Testergebnis und mit FFP2-Maske. Für besonders betroffene Häuser steht gar ein Besuchsverbot im Raum.

Aufruf: Zusätzliche Pflegekräfte gesucht

Das Caritas-Senioren-und Pflegeheim Sankt Helena in Zwiesel sucht außerdem dringend zusätzliche Pflegekräfte und Pflegehelfer, um die momentan dort sehr schwierige Lage zu bewältigen. Einen entsprechenden Aufruf hat der Caritasverband für die Diözese Passau herausgegeben. In der Einrichtung ist rund ein Drittel der 107 Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Gleichzeitig ist rund die Hälfte der Pflegekräfte und Pflegehelfer ausgefallen, entweder, weil sie ebenfalls erkrankt oder weil sie in Quarantäne sind. Das sonst aus 59 Menschen bestehende Pflegepersonal ist auf rund 30 zusammengeschrumpft. Melden können sich Pflegekräfte und -helfer, die derzeit nicht im Einsatz sind und Erfahrung im pflegerischen oder medizinischen Bereich haben. Für nicht-pflegerische Aufgaben wie etwa die Essensausgabe hat das Heim bereits Bundeswehrsoldaten als Aushilfe angefordert.

Auf den Aufruf haben sich mittlerweile zehn Menschen gemeldet, die in dem Heim aushelfen wollen. Es sind Leute mit Kenntnissen im Bereich Pflege und Hauswirtschaft, sagte Pressesprecher Wolfgang Duschl dem BR. Man wolle jetzt prüfen, wer genau wo helfen kann. Es werden trotzdem noch mehr Aushilfskräfte gebraucht.

Grenzverkehr wird ohnehin eingeschränkt

Der kleine Grenzverkehr - also Überfahrten zum Shoppen oder Tanken - zwischen Tschechien und dem Landkreis werde durch die gesamtbayerischen Maßnahmen ohnehin eingeschränkt. Dies begrüßte Landrätin Röhrl, die innerhalb des Landkreises einen gewissen Zusammenhang zwischen Infektionszahlen und der Nähe zu Tschechien erkennt.

Kliniken stark belastet

Auch in den Kliniken des Landkreises zeigen sich die Auswirkungen der hohen Coronazahlen derzeit deutlich. So berichtete Christian Schmitz, der Vorstand der örtlichen Arberlandkliniken, dass derzeit elf der normalerweise zwölf verfügbaren Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt seien. Man organisiere weitere Betten, für die es jedoch Personal und Material brauche.

Zudem seien derzeit rund zehn Prozent der Belegschaft wegen Corona-Infektionen oder Quarantänemaßnahmen nicht einsatzbereit. Als Folge dieser Entwicklung werden am Standort Zwiesel vorerst keine neuen Patienten mehr aufgenommen. Vor Ort weiterbehandelt wird jedoch.

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Der Landkreis Regen ist momentan der Corona-Hotspot bundesweit. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei fast 600 - der höchste Wert für eine Region in Deutschland. Die Gründe sind unklar. Jetzt werden die Corona-Maßnahmen weiter verschärft.

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