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Deutsche Mexikaner oder mexikanische Deutsche? | BR24

© BR/Wolfram Hanke

Que chido! In den Osterferien geht die Band Los Pistoleros auf Mexiko-Tour. Das Kuriose: Die Musiker kommen nicht aus Nordamerika, sondern aus Hofheim im Landkreis Haßberge - also Deutsche, die mexikanische Musik spielen. Auftakt ist in Mexiko-Stadt.

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Deutsche Mexikaner oder mexikanische Deutsche?

Que chido! In den Osterferien geht die Band Los Pistoleros auf Mexiko-Tour. Das Kuriose: Die Musiker kommen nicht aus Nordamerika, sondern aus Hofheim im Landkreis Haßberge - also Deutsche, die mexikanische Musik spielen. Auftakt ist in Mexiko-Stadt.

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Fünf Konzerte wollen sie binnen zehn Tagen absolvieren. Den ganzen Trip organisieren und finanzieren sie ohne Unterstützung einer Plattenfirma oder internationalen Booking-Agentur. Sie nennen sich Juan "El Lobo" de La Boca, Tomás "El Machete" Pérez oder Joaquín "El Profe" Wendel und tragen auf der Bühne meistens hellblaue Anzüge, Cowboyhüte, Sonnenbrillen, schwarze Hemden und weiße Cowboystiefel. Größtenteils singen Los Pistoleros auf Spanisch, aber auch auf Deutsch mit spanischem Akzent. Sogar auf ihrer Facebook-Seite informieren sie ihre Fans konsequent auf Spanisch.

Los Pistoleros: Konzept vom Kostüm bis zum Artwork

Los Pistoleros ist ein perfekt durchdachtes Konzept: Texte, Kostüme, Artwork. Und eine Legende hat sich die Band auch zugelegt: drei Brüder, die sich ihren Lebensunterhalt mit Pferdehandel, Autoschmuggel, einer eigenen Tequila-Destillerie und als Musiker verdienen. Die Musik der Pistoleros nennt man Banda und Cumbia. Banda ist in Mexiko sehr populäre, volkstümliche Musik mit Polka-Takt und jeder Menge Blechblasinstrumenten. Cumbia stammt eigentlich aus Kolumbien und ist von Akkordeon und verschiedenen Trommeln geprägte Tanzmusik.

"Einige von uns haben längere Zeit in Lateinamerika gelebt. In Mexiko, Chile oder Bolivien. Viele von uns haben Spanisch gelernt. Aber vor allem hat uns die Musik aus Lateinamerika und Mexiko so bewegt, dass wir das selbst unbedingt machen wollten." Trompeter Moritz Goschenhofer, der sich auf der Bühne Mauricio "Don Mauro" Boca nennt.

Kern der Band besteht aus drei Brüdern

Der harte Kern der Band besteht aus den drei Brüdern Johannes, Moritz und Ullrich Goschenhofer aus Hofheim sowie dem Akkordeonisten Max Bayer aus dem benachbarten Humprechtshausen. Zu viert haben sie eine GbR gegründet, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die die Band finanziell trägt. Ihre Konzerttermine organisieren sie selbst und die beiden Pistoleros-Alben "Medio Super Chido" und "Vacilón" haben sie auch in Eigenregie veröffentlicht. "Mexiko ist quasi das Epizentrum für unsere Art von Musik", erklärt Akkordeonist Max. "Deshalb ist es natürlich naheliegend, dort auf Tour zu gehen." Was das ganze Projekt erheblich erleichtert, ist die Tatsache, dass Sänger Johannes mit einer Mexikanerin verheiratet ist und aktuell für drei Jahre in Mexiko-Stadt lebt und arbeitet. Er hat gemeinsam mit einem mexikanischen Booker vor Ort die Venues ausgesucht, einen Kleinbus organisiert und die Reiseroute ausgearbeitet.

© Araceli Galvani Vadillo / Elements Media Studio

Los Pistoleros live

Im Hauptberuf Arzt, Lehrer oder Physiker

Los Pistoleros sind insgesamt mit zehn Musikern, zwei Technikern und einigen Begleitpersonen unterwegs. "Den Flug hat jeder selbst bezahlt", erzählt Max, der inzwischen als Grundschullehrer in Oberbayern arbeitet und sich auf der Bühne Mayor Guru nennt. "Die großen Instrumente leihen wir uns vor Ort, nur die kleineren wie Akkordeon oder Trompete nehmen wir selbst mit. Die Bandkasse ist jetzt erstmal leer, aber vielleicht können wir ja vor Ort ein paar T-Shirts oder Tonträger verkaufen." Die Band ist für die Pistoleros reines Hobby. Beruflich ist in der Band so ziemlich alles vertreten: ein Arzt, mehrere Lehrer, ein Physiker, ein Student und ein hauptberuflicher Musiker: Tomás Pérez, der Älteste in der Band. Der Percussionist ist 62 Jahre alt, gebürtiger Puerto Ricaner, lebt aber schon viele Jahre in Hausen bei Würzburg und arbeitet auch als Dozent an der Hochschule für Musik. Alle anderen stammen aus dem Großraum Franken. "Mit den Pistoleros verdienen wir kein Geld", sagt Moritz, der als Lehrer an einer Mittelschule tätig ist. "Wir sind eine große Band und betreiben großen Aufwand. Was uns zusammenhält, ist die Freundschaft. Dass wir gemeinsam Musik machen können, ist ein Geschenk." Aus dem Spaßprojekt ist inzwischen eine veritable Band geworden.

In Deutschland Exoten - und in Mexiko auch

Die Pistoleros haben schon beim Chiemsee Summer Festival oder dem Karneval der Kulturen in Berlin gespielt. Spannend wird sein, wie die Mexikaner die skurrilen Auftritte aufnehmen werden. In Deutschland geben sich die Pistoleros stets als Mexikaner aus, die gerade frisch gelandet sind und sich riesig freuen, in Europa auftreten zu dürfen. Diese Masche wird in Mexiko nicht funktionieren, vermutet Trompeter Moritz. "Das Gute an unserem Konzept ist, dass wir in beiden Kulturen Exoten sind", sagt er. "In Deutschland sind wir Exoten, weil wir mexikanische Musik spielen und in Lateinamerika sind wir Exoten, weil wir deren Musik spielen, aber ganz anders aussehen." Wie die Bühnenshows in Mexiko aussehen werden, wollen die Pistoleros spontan entscheiden.

Dokumentarfilm geplant

Bisher hat die Band nur einzelne Konzerte im Ausland gespielt: in Wien, auf Elba und einmal sogar schon Mexiko: bei der Hochzeit von Sänger Johannes. Normalerweise spielen die Pistoleros zwischen zehn und 20 Gigs im Jahr. Mehr ist organisatorisch durch die Größe der Band und die beruflichen Verpflichtungen der Bandmitglieder kaum möglich. Für die Mexiko-Tour haben alle Urlaub genommen oder Schulferien freigehalten. "Dass wir auch für Mexikaner interessant sind, hat sich schon einmal viral bewiesen", erzählt Trompeter Moritz. "Wir haben mal spontan vor unserem Proberaum in Rügheim ein kleines Video gedreht und auf Facebook hochgeladen. Das wurde binnen weniger Tage in Mexiko unzählige Male angeklickt." Geplant ist auch ein Dokumentarfilm über die Konzertreise im Land der Sombreros. Der befreundete Filmemacher Bernhard Jakob wird die Band begleiten und alles mit seiner Kamera dokumentieren. Wer sich selbst von der Musik der verrückten Franken überzeugen will, der kann die Pistoleros am 19. Juli im Live-Club Bamberg sehen.