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Der Trend hält an: Immer mehr Kirchenaustritte in Bayern | BR24

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Seit vielen Jahren leiden die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland unter Mitgliederschwund. Immer mehr treten aus. Dieser Trend ist ungebrochen - vor allem in Bayern, wie neue Zahlen der katholischen und evangelischen Kirche belegen.

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Der Trend hält an: Immer mehr Kirchenaustritte in Bayern

Nach dem Austritts-Rekordjahr 2018 sind 2019 noch mal mehr Menschen aus der evangelischen und der katholischen Kirche ausgetreten: Rund 78.000 Menschen haben der katholischen Kirche den Rücken gekehrt, rund 32.000 der evangelischen.

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Es betrifft die evangelische und die katholische Kirche gleichermaßen: Immer mehr Menschen treten aus. Am Freitag wurde die aktuelle Mitglieder-Statistik für ganz Deutschland und jedes Bundesland vorgelegt: Beide Kirchen haben im Jahr 2019 deutlich mehr Mitglieder verloren als in den vorangegangenen Jahren.

Als würde ganz Erlangen austreten

Für Bayern heißt das: 78.309 Menschen haben 2019 die katholischen Kirche verlassen. 2018 waren es 64.246. Das ist ein Anstieg um 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018. Die evangelische Landeskirche verzeichnet für 2019 insgesamt 32.387 Austritte - das bedeutet ein Anstieg von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Austritte 2019 von evangelischen und katholischen Menschen in Summe entsprechen in etwa der Einwohnerzahl von Erlangen.

Deutschlandweit sind im vergangene Jahr mehr als einen halbe Million Menschen aus der Kirche ausgetreten. Die Zahl der Wiedereintritte, Wiederaufnahmen und Taufen wiegt die Zahl der Austritte bei weitem nicht auf.

Wenig mehr als die Hälfte der Deutschen noch Kirchenmitglieder

22,6 Millionen Bundesbürger gehören inzwischen noch der katholischen Kirche an. Das entspricht einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 27,2 Prozent. 20,7 Millionen Mitglieder sind noch Mitglieder bei der evangelischen Kirche, das sind 24,9 Prozent.

Oder zusammengefasst: Etwas mehr als die Hälfte, nämlich 52,1 Prozent, der Bundesbürger gehören damit noch einer der beiden großen christlichen Kirchen an. Dazu kommen die Gläubigen der orthodoxen Kirchen und der Freikirchen.

Kirchenvertreter reagieren betroffen

Vertreter von Katholiken und Protestanten zeigten sich bestürzt angesichts der jüngsten Entwicklungen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, sagte, er bedauere jeden Kirchenaustritt und lade jeden zum Gespräch ein, der gegangen ist oder gehen will.

"Natürlich sind die Rückgänge auch demographisch bedingt, sie zeigen aber zunächst einmal auch die Tatsache, dass wir trotz unseres konkreten pastoralen und sozialen Handelns eine Vielzahl von Menschen nicht mehr für das kirchliche Leben motivieren." Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz

Auch der Ratsvorsitzende der EKD, der evangelische Landesbischof in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, nannte die hohe Zahl an Kirchenaustritten schmerzlich.

"Es tut mir weh, wenn über 32.000 Menschen sich von unserer Kirche und vielleicht auch vom christlichen Glauben abwenden. Denn ich bin überzeugt, dass der Glaube an Gott das Leben bereichert, Kraft und Lebensmut gibt, gerade in schweren Zeiten. Die Gemeinschaft mit anderen Christen in der Kirche hilft dabei sehr, bei den Jugendfreizeiten genauso wie beim Seniorennachmittag." Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender und evangelischer Landesbischof in Bayern

Bistum Bamberg verzeichnet besonders viele Austritte

In Bayern ist bei der katholischen Kirche das Bistum Bamberg am meisten von den Kirchenaustritten betroffen. Dort sind 27,7 Prozent mehr Menschen als 2018 aus der Kirche ausgetreten, vor allem im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen sowie in Bamberg selbst.

Ursachen sieht Erzbischof Ludwig Schick sowohl in den Missbrauchsskandalen und anderen Fehlentwicklungen in der Kirche, als auch als Folge von finanziellen Erwägungen: Für manche Menschen ist die Kirchensteuer eine zusätzliche Belastung.

Rückgang bei Taufen, Hochzeiten, Erstkommunion und Konfirmation

In der katholischen Kirche lassen sich deutschlandweit auch weniger Paare kirchlich trauen. 9,9 Prozent weniger waren es 2019. Die Zahl der Erstkommunionen ging um 2,8 Prozent zurück. Um fünf Prozent ging die Zahl der Taufen zurück. Und vier Prozent weniger katholische Bestattungen gab es 2019.

In der evangelischen Kirche in Bayern wurden 20.399 Personen getauft - 3,4 Prozent weniger als 2018. 18.272 Jugendliche wurden konfirmiert, ein Rückgang von über 6 Prozent. Kirchlich getraut wurden 4.776 Paare, ein Minus von 2,3 Prozent.

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