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"Der Staat tut nicht genug zur Aufklärung" | BR24

© pa / dpa

NSU-Tatort in München

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    "Der Staat tut nicht genug zur Aufklärung"

    Am 4. November 2011 flog der NSU auf. Vor allem Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund waren seine Opfer. Wie denken heute - fünf Jahre danach - türkisch- und griechischstämmige Münchner über die Mordserie und Gefahr von Rechts? Von Okan Bellikli

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    Vor vier Jahren erfuhr die Öffentlichkeit von der Existenz des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Und von den Taten, die ihm vorgeworfen werden, darunter zehn Morde.

    Neun der zehn Morde trafen Kleingewerbler mit Migrationshintergrund. Bürger mit ausländischen Wurzeln fühlen sich bis heute durch die Attentate verunsichert - und durch das Verhalten der deutschen Behörden.

    "Der Staat hakt so etwas schnell ab, ohne es aufzuklären. Murat Yilmaz (Name geändert), Supemarkt-Besitzer

    Fragen an die Behörden

    Unbequeme Fragen müssen sich vor allem das Bundesamt und die Landesämter für Verfassungsschutz gefallen lassen. Sie hatten V-Männer in unmittelbarer Nähe des NSU, ließen aber Gelegenheiten verstreichen, das Trio festzunehmen.

    "Meiner Meinung nach tut der Staat nicht genug, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. Und ich glaube nicht daran, dass er objektiv bei der Aufklärung ist. Kann so etwas nochmal passieren? Das ist immer möglich. Das sieht man ja auch an dem Zuwachs für die Rechten bei den Wahlen." Ismail Öztürk (Name geändert) Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts

    Fünf Morde in Bayern

    Fünf der Morde geschahen in Bayern, drei in Nürnberg, zwei in München: Der griechischstämmige Theodoros Boulgarides, Mitinhaber eines Schlüsseldienstes, wurde 2005 im Stadtteil Westend getötet.

    "Wenn so etwas passiert, kann man es eh nicht verhindern. Man muss mit dem Risiko leben. Ich habe da keine Angst. Das Schlimmste für mich wäre, wenn es meine Eltern treffen würde. Giorgos Kray (Name geändert), arbeitet im Gyros-Laden seines Bruders