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Radarfalle

Erst kommt der Blitz, dann das Donnerwetter für alle, die heute die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit überschreiten. Ein gewaltiges Donnerwetter: Seit 6 Uhr morgens führen 1.900 Polizistinnen und Polizisten und zusätzliche kommunale Angestellte 24 Stunden lang Tempokontrollen durch. An die 2.000 Messstellen soll es geben, vom mittelfränkischen Abenberg bis ins oberbayerische Zorneding. Im vergangenen Jahr waren an ähnlich vielen Kontrollposten 8.500 gravierende Tempoverstöße registriert worden.

Allein in München (wo 2018 zum Beispiel eine Porschefahrerin mit 101 statt 50 km/h geblitzt wurde) sind rund 130 Radarfallen geplant. Im Fokus sind aber besonders die Landstraßen - hier wird in Bayern oft besonders rücksichtslos gerast.

"Siebter Bayerischer Blitzmarathon" nennt Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Aktion, die insofern sportlich angelegt ist, als es nicht darum gehen soll, möglichst viele Bußgeldbescheide zu verschicken - weshalb das Innenministerium wie schon im Vorjahr nach Bezirken geordnete Übersichtstabellen der "Hot Spots" zum Runterladen ins Internet gestellt hat.

Alarmierend: Die Zahl der Verkehrstoten sinkt nicht mehr

Der Hintergrund der Aktion, die in etwa zeitgleich in zehn von 16 Bundesländern durchgeführt wird: Während die Zahl der Verkehrstoten seit den 1970er-Jahren durch immer neue Sicherheitseinrichtungen vom Gurt über ABS bis zum Air Bag ziemlich kontinuierlich zurückgegangen ist, lassen die Zahlen der letzten fünf Jahre ein Abreißen dieser erfreulichen Entwicklung befürchten.

2018 kamen in Bayern 618 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, davon 191 infolge überhöhter Geschwindigkeit - eine fast exakte Wiederholung der Zahlen für 2014. Immer stärker gefährdet sind, laut der deutschen Verkehrsstatistik für 2018, Radfahrer - auch und gerade in Bayern.

Dabei hatte Bayerns Staatsregierung bereits 2013 ehrgeizige Zielvorgaben für eine Verringerung der Todesfälle auf der Straße ausgegeben. "Bayern Mobil – sicher ans Ziel" heißt das Aktionsprogramm, demzufolge die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 auf 550 sinken müsste. Insgesamt 32 Maßnahmen zur Steigerung der Verkehrssicherheit sollen dazu beitragen, eine davon: der jährliche Blitzmarathon.

2019: Happy Birthday, Radarfalle!

Feste Höchstgeschwindigkeiten gibt es in der Bundesrepublik übrigens seit 1957. Zwei Jahre später wurde mit dem Telefunken VRG-2 die erste Radarfalle scharfgestellt, womit der mobile Blitzer in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert.

Auf einen Jubiläumsrabatt sollten geblitzte Autofahrer allerdings nicht hoffen - im Gegenteil: Derzeit beraten die Verkehrsminister über eine Anhebung der Bußgeldsätze für Raser, Lenkrad-Telefonierer und sogenannte "Autoposer".

BR24 Zeitreise: Die erste Radarfalle

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High Tech gegen Bleifuß: Mit Roboflash und Schwarzblitz

Bis irgendwann vielleicht selbstfahrende Autos das Tempo-Management vollständig übernehmen, rüsten die Behörden auf. So experimentiert Bayerns Polizei mit Roboblitzern, also vollautomatischen und "unbemannten" mobilen Messtationen. Auch die Zahl der festinstallierten Anlagen wächst wieder.

Rekordverdächtig ertragreich ist die permanente Radarfalle auf der A8 bei Irschenberg, die pro Monat bis zu 20.000 Raser blitzt. Auf ähnliche Dimensionen kommt die Radarfalle im Münchner Luise-Kiesselbach-Tunnel, einem Unfallschwerpunkt am Ende der Garmischer Autobahn. Weil es sich um unsichtbare "Schwarzblitz-Kameras" handelt, bekommen viele Autofahrer davon erst etwas mit, wenn Post von der Bußgeldstelle im Briefkasten landet.

Bitte recht freundlich! Radarfallen-High-Tech 1959 ...

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... und 2019.

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BR-Reporter Daniel Peter interviewt Hauptkommissar Gerhard Grad

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