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Der schwierige Kampf gegen die Wildgänse-Invasion | BR24

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Sie sind an vielen Stellen entlang des Untermains zu sehen und vermehren sich rasant: Wildgänse, die an 16 Orten in der Region brüten. Doch die Tiere stoßen nicht nur auf Gegenliebe.

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Der schwierige Kampf gegen die Wildgänse-Invasion

Sie sind an vielen Stellen entlang des Untermains zu sehen und vermehren sich rasant: Wildgänse, die an 16 Orten in der Region brüten. Doch die Tiere stoßen nicht nur auf Gegenliebe. Die Kommunen greifen zu teils ungewöhnlichen Maßnahmen.

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Besonders im Nordwesten Bayerns stellen die Wildgänse seit einigen Jahren ein immer größeres Problem dar. 16 bekannte Brutplätze gibt es am Untermain. In Karlstein im Landkreis Aschaffenburg legten die Tiere den Betrieb eines Fußballplatzes lahm. In Obernburg im Landkreis Miltenberg sorgen sie durch ihre "Hinterlassenschaften" dafür, dass am Mainufer Fußgänger und Radfahrer im Slalom fahren.

Verschmutzung und Fraßschäden durch Wildgänse

Beim Landratsamt in Miltenberg ist das Thema bekannt. Die Wildgänse würden Grün- und Parkflächen verschmutzen, Badegewässer belasten und auch Fraßschäden auf den Äckern habe es bereits gegeben. Die genaue Zahl der Tiere lässt sich aber nur schwer schätzen, sagt Regina Groll vom Naturschutz, Jagd- und Fischereiwesen. Neben der heimischen Graugans sei auch die schwarz-weiße Kanada-Gans und die Nil-Gans mit ihren roten Augen und dem rötlichen Gefieder heimisch. Anhaltspunkte für die Nilgans-Population können auch die gemeldeten Streckenzahlen der Jäger geben. In den vergangenen drei Jagdjahren – sie dauern jeweils bis zum 31. März – stieg die Zahl der erlegten Tiere von 44 auf 112 Stück.

Nilgans am weitesten verbreitet

Thomas Staab vom Landesbund für Vogelschutz am Untermain sagt: Am weitesten verbreitet sei die Nilgans. Sie steht seit 2017 auf der EU-Liste der invasiven Arten. Dort stehen Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung der biologischen Vielfalt schaden können. "Die Nilgans kommt aus den Niederlanden und zieht die Binnengewässer entlang von Norden in Richtung Süden. Da ist natürlich der Norden Bayerns das Eingangstor für unser Bundesland", sagt Staab.

In vielen Kommunen sind die Gänse teilweise zur echten Plage geworden. Etwa in Obernburg am Main. Wo Kinder auf dem Spielplatz spielen, bevölkern die Tiere die Parkanlage direkt am Fluss. "Ich beobachte auch die Gänse – sieht friedlich aus, ärgerlich sind die Hinterlassenschaften, die dazu führen, dass man sich nicht so auf der wunderschönen Mainanlage ausbreiten kann", sagt Bürgermeister Dietmar Fieger. Ihm werde immer die Frage gestellt, was die Stadt dagegen unternehmen will. Den kommunalen Mitarbeitern seien jedoch die Hände gebunden: "Unabhängig davon, ob die Gänse jetzt bejagt werden dürften, dürfen wir hier natürlich nicht jagen, weil es ein befriedeter Bezirk ist."

Lautsprecher und Warnschüsse ohne Erfolg

Auch die Maßnahmen, die eine Nachbarkommune getroffen hat, haben wenig gefruchtet. Thomas Staab vom LBV war bei Vergrämungsaktionen am Honisch Beach dabei, einem öffentlichen Badesee in Niedernberg: "Man hat hier mit großen Lautsprechern Vogelstimmen von Greifvögeln abgespielt. In der Hoffnung, dass das als Feindbild erkannt wird. Das hat leider nicht gefruchtet. Dann hat ein Jäger mit einer Schrotflinte Warnschüsse abgefeuert, aber das hat auch keine nachhaltige Wirkung gehabt!"

Das Miltenberger Landratsamt erteilte Niedernberg sogar eine jagdrechtliche Ausnahmegenehmigung mit Aufhebung der Schonzeit. Der Erfolg blieb aus. Thomas Staab empfiehlt deshalb Zäune an oder in Badegewässern: "Die Gans fliegt nicht über den Zaun drüber, sondern ist eine Vogelart, die gerne an Land geht beziehungsweise watschelt. Das kann sie durch einen Zaun nicht." Ansonsten empfiehlt Staab die Tiere nicht zu füttern, so wie es bereits als Warnhinweis auf Schildern steht. Auch Gänse-Weiden hält er für eine Möglichkeit, wenn sich die Tiere schon nicht vertreiben lassen.

Auch in Marktheidenfeld Probleme mit Nilgänsen

In der Stadt Marktheidenfeld hat sich eine Elterngruppe beschwert über die Hinterlassenschaften der großen Vögel auf dem Spielplatz am Maradiessee. Auf die Gänseproblematik in den letzten Wochen hat der Bauhof reagiert: Zweimal wöchentlich wird der Spielplatz gereinigt. Außerdem wurde Kontakt aufgenommen mit der Unteren Naturschutz- und Jagdbehörde im Landratsamt Main-Spessart. Bis 1. August gilt eine Schonfrist für die Wildgänse.

Da es sich um ein Wohngebiet handelt, darf am Maradiessee nicht geschossen werden, sagt Geschäftsleiter Matthias Hanakam aus dem Rathaus. Dort ist man sich des schwierigen Gänseproblems bewusst und hat bislang keine Lösung. Ende Juni hatte man bereits in einem Aufruf die Bürger eindringlich gebeten, am Main keine Enten und damit auch Wildgänse zu füttern. Jetzt soll das Fütterungsverbot noch einmal für das Mainufer und den Bereich des Maradiessees erneuert werden.

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Sie sind an vielen Stellen entlang des Untermains zu sehen und vermehren sich rasant: Wildgänse, die in der Region brüten. Doch die Tiere stoßen nicht nur auf Gegenliebe. Die Kommunen greifen zu teils ungewöhnlichen Maßnahmen.