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Der Schwan, der glaubt, ein Hund zu sein... | BR24

© privat/Trauner

Die Dalmatiner Lucky und Casa machen brav Platz für Friederike. Vor der Schwanendame haben sie Respekt.

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    Der Schwan, der glaubt, ein Hund zu sein...

    In Furth im Landkreis Freyung-Grafenau leben auf dem großen Grundstück von Markus Trauner nicht nur zwei Dalmatiner, sondern auch viele Wildvögel. Unter ihnen Schwan Friederike, der sich im Wohnzimmer auch gerne mal zu den Hunden ins Bett legt.

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    Von
    • Astrid Dachs

    Die Schwanendame Friederike lebt seit ein paar Monaten auf dem weiträumigen Grundstück von Markus Trauner in Furth im Landkreis Freyung-Grafenau. Sie ist nicht der einzige Wildvogel dort - aber der zutraulichste.

    Zwei Dalmatiner und allerlei Wildvögel

    Woher seine große Tierliebe kommt, kann Markus Trauner gar nicht genau sagen: Er habe als Kind gar keine Haustiere gehabt. Allerdings haben ihm Schwäne schon immer sehr gefallen, erzählt er im BR-Interview. Doch zunächst waren da die beiden Dalmatiner Lucky und Casa, zehn und 14 Jahre alt. Nach und nach kamen auf dem großen Grundstück mit riesiger Wasserfläche mehr und mehr Wildvögel dazu. Enten, Gänse und Schwäne leben hier auf 1.000 Quadratmetern Wasser und 9.000 Quadratmetern Grund. Trauners erste Schwäne waren ein Pärchen. Die bisherigen Besitzer konnten sich nicht mehr ausreichend um die Tiere kümmern, also zogen sie vor etwa drei Jahren bei Trauner und seiner Lebensgefährtin ein. Nach und nach wurden es mehr - mittlerweile sind es mit Friederike insgesamt sechs Höckerschwäne. Die Tiere sind allesamt flugunfähig, was bei Nachzuchten oft der Fall ist, wie er erklärt.

    Der Schwan klopft morgens an die Terrassentür

    Friederike hingegen stammt aus der freien Wildbahn, sie wurde wohl verstoßen, weil sie nicht fliegen kann. Nachdem sie im Dezember im Kurpark Spiegelau stark unterkühlt gerettet werden konnte und kurzzeitig auf einem Gnadenhof in Neureichenau Unterschlupf fand, ist sie nun in Furth zu Hause. Hier gefällt es der Schwanendame: Morgens, so gegen halb sieben, wenn sie mit der Gefiederpflege fertig ist, klopft sie mit dem Schnabel an die Terrassentür: Frühstückszeit. Am liebsten frisst Friederike Kopf- oder Eisbergsalat.

    Schwäne sind Vegetarier

    Schwäne ernähren sich vegetarisch, erklärt ihr Besitzer. Neben verschiedenen Salatarten und Gras mögen sie auch Wassergeflügelfutter, Getreide und Mais. Der Mais hilft vor allem im Winter, ein ausreichend dichtes Gefieder anzulegen. Frieren tun die Tiere im Winter nicht: Trauner hätte den Wildvögeln auf dem Teich sogar mal ein Häuschen gebaut. Doch das wurde komplett ignoriert. Instinktiv schlafen die Tiere auch im tiefsten Winter auf dem Wasser, damit sie vor Räubern wie dem Fuchs geschützt sind.

    Nur drei Tage Urlaub im Jahr

    Die Wildvögel sind auf ihren Besitzer konditioniert: Nur dreieinhalb Tage im Jahr – an Weihnachten – gönnt sich Trauner Urlaub. Dann füttert sein 20-jähriger Sohn die Tiere.

    Friederike lebt getrennt von den anderen Schwänen, teilt sich aber gern mit den Dalmatinern das Hundebett im Haus. Auch wenn die Hunde einen ausgeprägten Jagdinstinkt haben, tolerieren sie die Schwanendame: Trauner erzählt, Friederike habe sich schon Respekt verschafft bei den beiden.

    Friederike kommt nun in die Pubertät

    Trauner schätzt Friederike auf etwa drei bis vier Jahre. Das ist die Zeit, in der Schwäne mit der Partnersuche beginnen - oftmals innerhalb der eigenen Familie. Dieser Inzest, der bei Säugetieren fatal sei, sei bei Vögeln unproblematisch, so Trauner. Und es kommt auch vor, dass sich die Tiere einen Partner einer anderen Art suchen: Er habe eine männliche Kaisergans, die sich unsterblich in eine Ringelgans verliebt habe – und das, obwohl das Männchen dreimal so groß ist wie das Weibchen. Während die Wildvögel im Winter – wo es primär um das Überleben geht - zusammenleben, werden sie im Frühjahr zu Beginn der Brutzeit territorial und dulden außerhalb ihrer Familie niemanden mehr. Bei Schwänen schwimmen die Jungen mit den Eltern bis etwa März: Dann werden sie verjagt und müssen selbst auf Partnersuche gehen. Vielleicht findet Trauner ja auch für Friederike ein geeignetes Männchen. Bis dahin sind sie und die anderen Vögel eine Besucherattraktion: Oft stehen Eltern mit Kindern am Zaun und fragen, ob sie füttern dürfen. Am liebsten natürlich mit Eisbergsalat.

    💡 Hintergrund:

    Schwäne sind die größten Flugvögel. Sie können ein maximales Gewicht von etwa 13,5 Kilo erreichen sowie eine Flügelspannweite von 2,4 Metern. Nachzüchtungen sind oft flugunfähig, und auch die wilden Tiere brauchen ausreichend Anlauffläche, um sich in die Luft erheben zu können, sagt Wildvogel-Experte Trauner.

    © privat/Trauner

    Hund und Schwan tolerieren sich gegenseitig

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