Der Gipfel des Wendelsteins mit Planetarium, Wetterstation und dem Sendemast des BR
Bildrechte: BR / Martin Breitkopf

Der Sender Wendelstein - Herzstück der bayerischen Senderkette

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Sender Wendelstein - Der schönste Arbeitsplatz der Welt

Darüber ist nur noch der Himmel. Die Service-Station des BR auf dem Wendelstein ist der schönste Arbeitsplatz der Welt: Das sagen die, die dort Tag für Tag die Programme des BR überwachen - und alle neidischen KollegInnen, die schon einmal da waren.

Wer Bayerns schönsten Arbeitsplatz kennenlernen möchte, muss hoch hinaus. Auf dem Wendelstein im Mangfallgebirge ist die Service-Zentrale des Bayerischen Rundfunks. Hier wird in 1.800 Metern Höhe der älteste Sender des BR-Sendernetzes betrieben – und alle anderen Sender in Bayern werden von dort aus überwacht. Schon die Anreise ist atemberaubend.

Die Zahnradbahn rumpelt von Brannenburg im Tal über steile Abhänge hinauf auf rund 1.700 Meter. Im Stollen zur Aussichtsplattform zweigt der Eingang zur Service-Station des Bayerischen Rundfunks ab. Ein schmiedeeisernes Gitter trennt die Bergwelt von der BR-Welt der Hochtechnik. Geheimnisvolle Gänge, ein wirres System von Aufzügen. James Bond hätte seine Freude daran, in diesem Labyrinth Bösewichte zu jagen. Bösewichte sind aber keine da.

Überraschenderweise öffnen zwei junge Damen den Aufzug. Meike und Veronika haben sich ihren Platz in der Technik-Domäne der Männer erobert und werden einen halben Tag lang die Neugier des Reporters stillen. Meike Reifert ist das Küken im Team. Seit sieben Monaten beherrscht die Antennensystemtechnikerin die Monitorwand mit einem Dutzend Bildschirmen.

Wenn Sender ausfällt, ist Schnelligkeit gefragt

"Wenn ein Fehler bei einem der Sender auftaucht, müssen wir schauen, woran es liegt und möglichst schnell reagieren." Fehler finden ist einfach – der Bildschirm blinkt wie wild rot. Heißt: Im heimischen Radio oder TV kommt gerade nix an. Das passiert eher selten.

Kollegin Veronika Astner überwacht als Elektronikerin die Systeme schon länger. Wenn ein Verstärker ausfällt, dann muss im Technikraum geackert werden. "Wir haben meistens den richtigen Verstärker als Ersatz am Lager. Aber zum Austauschen holen wir dann doch gerne männliche Verstärkung", lacht sie. 27 Kilogramm wiegt ein solches Gerät, das eines der hier abgestrahlten fünf analogen Hörfunkprogramme, 43 DAB-Programme und 49 digitalen Fernsehprogramme verstärkt.

Sie hat gut lachen. Das Team hat hier das Sagen. Größte Herausforderung: der Lagerkoller. Das Technik-Team lebt und arbeitet hier oben bei Wind und Wetter vier bis sieben Tage am Stück. Eine Gemeinschaftsküche, Dusche am Gang, kleine gemütliche Gästezimmer mit Blick in die Tiefe. Nicht jedermanns Sache.

Schwindelfreiheit ist Voraussetzung

"Es ist schon jedes Mal eine logistische Herausforderung", sagt Meike Seifert. Ihre Schicht dauert in der Regel sieben Tage. Das bedeutet, in jeder Arbeitswoche packen wie für einen Kurz-Urlaub. "Das ist aber auch das Coole an unserem Job", wirft Veronika Astner ein. Sie arbeiten eine Woche und haben eine Woche frei. Neun Mitarbeitende sind sie im Team. Ein Arbeitstag dauert in der Regel elf Stunden.

Das Team stimmt, sagen die Damen und zeigen auf den Chef. Jürgen Schütz leitet die Servicezentrale am Wendelstein. Seit 20 Jahren ist der BR-Techniker der Herr der Sender. Im Verstärkerraum antwortet er auf die Frage, was die Heizrohre zwischen den Schaltschränken machen. Die Antwort: Es sind keine Heizrohre. "Das sind die Antennen-Kabel, die von unserem Technikraum hier im Service-Gebäude knapp 100 Meter höher zu den Sendeanlagen führen." Der Weg dorthin ist wieder verschlungen und geheimnisvoll. Ein abenteuerlicher Aufzug bringt uns vom Zielpunkt der Zahnradbahn in rund 1.700 Metern direkt auf den Gipfel. Knapp 150 Meter rattert die 80er-Jahre-Aufsteigshilfe nach oben. Noch ein paar Stufen, dann stehen wir im Freien – vor uns nur noch der Sendemast.

Der Ausblick - atemberaubend. Nicht nur der Rundblick auf Alpen und Chiemgau ist beeindruckend. Auch das Gewirr aus Antennen und Sendeschüsseln. Kein Arbeitsplatz für schwache Nerven. "Wer hier arbeiten will, muss schwindelfrei sein", sagt Jürgen Schütz. Er muss nur selten auf die 60 Meter hohe Haupt-Antenne klettern; dafür absolviert das Team regelmäßig ein Sicherheits-Training.

Selbst beim Kochen im Einsatz

Im Servicegebäude am Fuße des Gipfels lockt der Duft von gebratenen Zwiebeln in die Küche. Veronika ist heute mit Kochen dran. Es gibt Lasagne mit Spinat. Auch hier werden Programme gecheckt. Hinter der Küchenbank steht eine kleine Monitorwand. Auch in der Freizeit werden die Systeme überwacht, damit das, was Programm-Macherinnen und Programm-Macher des BR im Radio, Fernsehen und Online fabrizieren, Tag für Tag über den Äther geht. Wo kommt der Begriff eigentlich her, Äther? Wikipedia verrät es: "Wohnsitz der Götter". Und auf dem Wendelstein - Hauptsitz der Wächter über die BR-Senderwelt. Für sie ist es: der schönste Arbeitsplatz der Welt.

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