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Der Run auf die Berge: Neue Herausforderungen für die Retter | BR24

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Immer mehr Menschen zieht es ins Gebirge, doch nicht jeder ist den Anforderungen auch gewachsen. Im Notfall wird schon die Bergrettung kommen ... Ein Filmteam begleitet Retter in Bayern und Österreich bei ihrer anspruchsvollen Aufgabe.

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Der Run auf die Berge: Neue Herausforderungen für die Retter

Immer mehr Menschen zieht es ins Gebirge. Doch viele sind den Anforderungen, die dort warten, nicht gewachsen - sie setzen auf die Hilfe der Bergwacht. Für die ist dieses Anspruchsdenken eine Herausforderung, auch was die Motivation angeht.

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Ob zu Fuß, mit dem E-Mountainbike oder am Klettersteig mit teils sehr hohen Schwierigkeitsstufen - die Bergsportarten werden immer vielfältiger und locken neues Publikum. Auch die "Digital Natives" gehören mittlerweile dazu, die gerne mit Selfies und Videos ihre Abenteuer am Berg dokumentieren.

Oft fehlen die Voraussetzungen für die Tour

Darunter sind viele mit wenig Erfahrung, schlechter Fitness und unzureichender Ausrüstung. Aber auch die ältere Generation, die eigentlich eher genusswandern will, wählt heutzutage oftmals anspruchsvolle Routen, wobei es bei der Einschätzung der eigenen Fitness zuweilen hapert. Insgesamt ein gefährlicher Trend – den die Bergwacht zu spüren bekommt.

"Das wird dann immer fragwürdig, wenn ich mich mit einem gewissen Risiko dort bewege - vielleicht mit der falschen oder keiner Ausrüstung - und dann sage: 'Wenn was passiert, dann rufe ich den Alpin-Notruf. Und ich erwarte mir, dass mich binnen kürzester Zeit jemand aus meiner Situation rettet'." Markus Amon, Flugretter

13.000 Rettungseinsätze pro Jahr – Tendenz steigend

Rund 4.800 Bergretter gibt es allein in Bayern. Sie engagieren sich allesamt ehrenamtlich. Die freiwillige Truppe versorgt jedes Jahr fast 13.000 Menschen, die im Gebirge um Hilfe rufen. Das sind mehr als 35 pro Tag. Und die Einsatzzahlen steigen kontinuierlich - von Jahr zu Jahr um fünf Prozent. Ein Grund für diese Steigerung: Ein knappes Drittel wählt den Notruf nicht wegen einer Verletzung, sondern wegen Überforderung. Eine Folge von Selbstüberschätzung - und vor allem ein männliches Phänomen: Zu 80 Prozent müssen Männer gerettet werden.

Schwere Bergunfälle gehen zurück

Und es gibt weitere Muster zu beobachten: Die meisten Bergunglücke passieren bei scheinbar harmlosen Bergwanderungen. Der unfallträchtigste Zeitraum ist der späte Nachmittag, denn viele Wanderer sind seit dem frühen Morgen unterwegs und dann erschöpft. Die meisten tödlichen Unfälle betreffen Menschen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Glücklicherweise werden die schweren Bergunfälle seit Jahren weniger.

Kein Cent für die Retter

Trotzdem: Die Kosten für die Rettung sind enorm – nicht zuletzt, weil etwa die Hälfte aller Bergwacht-Einsätze mit Unterstützung von Hubschraubern vonstatten gehen. Auf 6,3 Millionen Euro pro Jahr beläuft sich der finanzielle Aufwand. Gedeckt werden die Kosten von den Krankenkassen, von der bayerischen Staatsregierung und durch Spenden. An die Bergwacht-Mitglieder wird davon kein einziger Cent ausgezahlt. Dafür opfern sie ihre Freizeit, den Urlaub, das Familienleben. Dabei setzen sie ihre eigene Gesundheit aufs Spiel. Ihr Antrieb: Sie wollen helfen.

Gut ausgebildete Ehrenamtliche

Alle, die sich in der Bergrettung engagieren, haben viele Wochen an Ausbildung hinter sich, müssen zeigen, dass sie körperlich und bergsteigerisch fit sind, haben komplizierte Bergetechniken genauso gelernt wie medizinische Grundkenntnisse. All das ist besonders gefordert, wenn die äußeren Verhältnisse so schwierig sind, dass der Hubschrauber nicht fliegen kann. Die Rettung muss auch dann funktionieren, wenn es Nacht ist oder wenn es regnet oder schneit.

Den Rettern fehlt der Nachwuchs

Angesichts der "Service-Mentalität" der neuen Bergsportler könnte die selbstlose Hilfsbereitschaft jedoch ins Wanken geraten. Es zeichnet sich schon jetzt ab: Es wird immer schwieriger, Nachwuchs zu finden.

"[…] man muss ein bisschen weiter denken als nur für sich. Ich habe Familie, die Leute haben Familie, jeder soll am Ende des Tages gesund zu Hause sein. Natürlich auch der Patient. […] man hat die berechtigte Hoffnung, dass einem jemand hilft in der Situation, in der man sich befindet. Aber das Recht darauf zu jeder Tages- und Nachtzeit hat man, glaube ich, nicht." Markus Amon, Bergretter