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Der neue Würzburger Stadtrat: zur Zusammenarbeit verpflichtet | BR24

© BR/Jochen Wobser

Der Oberbürgermeister ist derselbe, die Machtverhältnisse sind andere. Die Kommunalwahl im März hat die Zusammensetzung des Würzburger Stadtrats ordentlich durcheinandergewirbelt. Die neue Sitzverteilung ist Herausforderung und Chance zugleich.

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Der neue Würzburger Stadtrat: zur Zusammenarbeit verpflichtet

Der Oberbürgermeister ist derselbe, die Machtverhältnisse sind andere. Die Kommunalwahl im März hat die Zusammensetzung des Würzburger Stadtrats ordentlich durcheinandergewirbelt. Die neue Sitzverteilung ist Herausforderung und Chance zugleich.

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Die Kommunalwahl 2020 hat in Würzburg beides gebracht: Kontinuität und Veränderung. Kontinuität, weil bei der Oberbürgermeisterwahl der Amtsinhaber Christian Schuchardt bestätigt worden ist. Schon im ersten Wahlgang hat das CDU-Mitglied mit knapp 52 Prozent die fünf Gegenkandidaten hinter sich gelassen. Auch Herausforderer Martin Heilig von den Grünen konnte Schuchardt nicht in die Stichwahl zwingen. Bei der Stadtratswahl konnten die Grünen dagegen jubeln. Sie haben die Zahl ihrer Stadträte fast verdoppelt und sind mit 16 Sitzen künftig die stärkste Fraktion vor der CSU, die von 17 auf 14 Sitze gefallen ist. Dahinter folgen neun kleinere Fraktionen, die zwischen ein und vier Stadträte stellen.

© Stadt Würzburg/ok-vote.de

Wahlergebnis des Würzburger Stadtrats vom 15.03.2020

Keine klaren Mehrheiten im Würzburger Stadtrat

Was bedeutet diese farbenfrohe Aufteilung des Stadtrat-Kuchens nun für das Gremium, das am 4. Mai im Corona-bedingten Ausweichquartier CCW zur konstituierenden Sitzung zusammenkommt? Eins ist klar: Politische Arbeit im Würzburger Stadtrat muss in der neuen Wahlperiode mehr denn je Zusammenarbeit bedeuten. Kein Lager hat für sich genommen eine Mehrheit im 50-köpfigen Stadtrat. Ein Bündnis zwischen Grünen und CSU hätte dagegen eine komfortable Mehrheit von 30 Sitzen - und so laufen hinter den Kulissen intensive Gespräche zwischen den Fraktionen, ob und wie man künftig kooperieren könnte.

Sachbezogene Kooperation statt "Stadtrats-Koalition"

Aber dass es im neuen Würzburger Stadtrat tatsächlich zu so etwas wie einer verbindlichen "Stadtrats-Koalition" zwischen Grün und Schwarz kommen könnte, ist wenig wahrscheinlich. Zu groß seien die Unterschiede in wichtigen Themenbereichen, sagt etwa Wolfgang Roth, der Fraktionsvorsitzende der CSU im Würzburger Stadtrat.

"Gerade bei Themen in Richtung Ökonomie liegen wir doch oft sehr weit auseinander. Deswegen wird man von Sachthema zu Sachthema schauen müssen, mit wem man da zusammenarbeiten kann. Aber so etwas wie eine Koalition werden wir in Würzburg wohl nicht darstellen können." Wolfgang Roth, CSU-Fraktionsvorsitzender im Würzburger Stadtrat.

Kompromissbereitschaft ist gefordert

Es gilt also, je nach Thema miteinander Kompromisse auszuhandeln. Und da wird es interessant sein, wie sich gerade die neuen Gesichter der Grünen im Stadtrat präsentieren. So wie der 23-jährige Konstantin Mack zum Beispiel. Der Student aus dem Würzburger Frauenland ist seit 15 Jahren in der Grünen Jugend aktiv und hat bei der Stadtratswahl fast 22.400 Stimmen bekommen.

"Grundsätzlich müssen wir kompromissbereit sein, weil wir sonst nichts durchsetzen können. Ich glaube aber, dass gerade wir als Grüne dafür stehen, dass wir auch mal radikalere Lösungsvorschläge haben. Wir haben, gerade was Verkehrspolitik angeht, sehr weitreichende Forderungen, wo viele Konservative auf keinen Fall mitgehen können." Konstantin Mack, neu gewählter Stadtrat der Grünen

Chance für eine neue Gesprächskultur

Es wird spannend sein, wie sich die Würzburger Stadträte künftig auf Entscheidungen verständigen. Und genau hier liegt auch eine Chance in einem Stadtrat, in dem es letztlich auf jede Stimme ankommt und kein Lager seine Vorstellungen durchpeitschen kann: Man wird mehr, intensiver und offener miteinander sprechen müssen. Das gilt für die Stadträte und besonders für den Oberbürgermeister, der in seiner zweiten Amtszeit mehr denn je als Moderator gefordert ist. Es ist zu hoffen, dass die gewählten Vertreter der Würzburger Bürgerschaft diese Chance zu einer neuen Gesprächskultur nutzen.