BR24 Logo
BR24 Logo
Corona und Schule

Der Kicker - Deutschlands bekannteste Sportzeitschrift wird 100 | BR24

© BR

Das Fußballmagazin "Kicker" wird 100 Jahre alt. Trotz sinkender Auflage steht das Blatt gut da: Zwei Drittel seiner Erlöse erwirtschaftet der "Kicker" im Internet - und bleibt damit Deutschlands bekannteste Sportzeitschrift.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Der Kicker - Deutschlands bekannteste Sportzeitschrift wird 100

Der "Kicker" feiert sein 100-jähriges Bestehen. Am 14. Juli 1920 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift. Seit 1926 ist Redaktionssitz in Nürnberg. Über die Geschichte einer Zeitschrift, die die "Englische Krankheit" populär machen wollte.

Per Mail sharen

Gegründet wurde der Kicker vom Fußball-Pionier Walther Bensemann in Konstanz. Der damals 47-Jährige war zugleich Verleger, Herausgeber, Autor und Korrespondent. Bensemann galt als bekannte, streitbare Größe im Fußball. Er wollte das im 19. Jahrhundert als "Fußlümmelei" verschriene Spiel in Deutschland populär machen. Kennengelernt hatte der jüdische Kaufmannssohn aus Berlin die "Englische Krankheit" als Schüler im Schweizer Internat. Bevor er den "Kicker" ins Leben rief, war er bereits an der Gründung des DFB und mehrerer Vereine beteiligt, darunter auch die Vorläufer von Bayern München und Eintracht Frankfurt.

Früher Umzug nach Nürnberg

Bereits 1926 wurde der Redaktionssitz nach Nürnberg verlegt. Denn dort pochte damals das Herz des deutschen Fußballs. In den 1920er-Jahren gingen insgesamt sieben Deutsche Meistertitel nach Franken: Fünf an den 1. FC Nürnberg und zwei an die Spielvereinigung Fürth. Doch mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurde gerade der Standort Nürnberg, wo Julius Streicher schon früh mit seinem antisemitischen Hetzblatt "Der Stürmer" publizistisch aktiv war, für den jüdischen Kaufmannssohn Walther Bensemann immer unerträglicher. Zudem war er gesundheitlich angeschlagen. Bensemann flüchtete zunächst in ein Züricher Sanatorium, dann nahmen ihn alte Freunde aus seiner Jugendzeit auf. Am 12. November 1934 starb der "Kicker"-Gründer verarmt in Montreux. Dem "Kicker" war die Nachricht vom Tod seines Gründers nur einen Satz wert.

Neugründung nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg gab es zwei Sportzeitungen, die Vorläufer des heutigen "Kicker" waren. Im Nürnberger Olympia-Verlag wurde ein Magazin unter dem Titel "Sport" herausgegeben. 1951 gründete der ehemalige Kicker-Chefredakteur Friedebert Becker in München den "Kicker" neu. 1968 erwarb dann der Nürnberger Verleger Bruno Schnell den "Kicker" und vereinigte ihn in seinem Olympia-Verlag mit 'seinem' Sportmagazin.

Krise der Print-Medien trifft auch den Kicker

Die höchste Auflage hatte der Kicker, nachdem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1972 Europameister geworden war. Doch im Lauf der Jahre hatte auch der "Kicker" wie viele andere Printmedien mit sinkenden Abonnements- und Verkaufszahlen zu kämpfen. Seit den frühen 1970er-Jahren bis heute ist die Auflage von über 300.000 Exemplaren auf rund ein Drittel geschrumpft.

Rettung durch das Internet

Trotzdem steht das Produkt nach Angaben der Chefredaktion heute gesund da. Grund dafür ist, dass der Olympia-Verlag schon 1998 eine Online-Strategie entwickelte. Mittlerweile erwirtschaftet der "Kicker" rund zwei Drittel seiner Erlöse digital. Allein im Februar 2020 wurden über 230 Millionen Besucher auf den digitalen Ausspielwegen wie App, Webseite, E-Paper oder dem TV-Kanal gezählt. Dennoch habe die gedruckte Ausgabe nach wie vor einen hohen Stellenwert, betont "Kicker"-Chefredakteur Jörg Jakob.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!