BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Markus Sendelbeck ist Hygienebeauftragter in einer Pflegeeinrichtung in Nürnberg und wird durch die Pandemie vor neue Herausforderungen gestellt. Schutzkleidung und Hygieneleitfäden sind nur ein Teil seiner Aufgaben.

5
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Der Hygienebeauftragte: Noch nie so wertvoll wie heute

Seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie hat der Stellenwert des Hygienebeauftragten enorm zugenommen. Wenn man auch erst einen Bruchteil über das Virus weiß, so ist eines klar: Die strenge Einhaltung von Hygienemaßnahmen dämmt die Ausbreitung ein.

5
Per Mail sharen
Von
  • Claudia Grimmer

Der Hygienebeauftragte hat überall da einen Wirkungskreis, wo viele Menschen miteinander leben, arbeiten, feiern, arbeiten, behandelt, betreut oder unterrichtet werden. Sein Tätigkeitsfeld ist unter anderem im gesamten Gesundheits- und Sozialwesen zu finden: in der Krankenpflege, in Krankenhäusern, Arztpraxen, der Pharmabranche, in Schulen, Kindertagesstätten. Aber auch bei Dreharbeiten, bei Veranstaltungen oder beispielsweise in Altenheimen.

Der Mann für Leitfäden und Pläne

Der 35-jährige Markus Sendelbeck ist examinierte Pflegekraft. Er war Pflegedienstleiter und hat sich zum Hygienebeauftragten fortgebildet. Sein Aufgabengebiet ist vielfältig, aber in erster Linie ist er für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen in den fünf Alten-, Pflege- und Wohnheimen der Stadt Nürnberg verantwortlich. Das heißt in Zahlen: für 900 Bewohner und rund 550 Beschäftigte. Zum überwiegenden Teil ein Schreibtischjob, denn er erstellt Hygieneleitfäden und -pläne, für die Arbeit in den Heimen, für Bewohner. Er ist ein Multiplikator und die Schnittstelle zwischen Pflegekräften und Hygieneteam, das er für jede Station ausgebildet hat.

Der Hygienebeauftragte ist ein Organisator

Mit Händedesinfektion oder Bereitstellung von Schutzkleidung ist es aber lange nicht getan. Es geht um mehr. So müssen etwa Handwerker in die Einrichtungen, um Reparaturarbeiten durchführen zu können. Hier muss klar geregelt werden, wie die AHA-Regeln eingehalten werden können.

Die größte Herausforderung, so beschreibt es Markus Sendelbeck, sind Besucher. Die größtmögliche Sicherheit vor Ansteckung muss hergestellt und Pläne für Besuchszeiten, Abstandsregeln und Desinfektion erarbeitet werden. "Für all diese Bereiche müssen Checklisten erarbeitet, müssen auch Verfahren erstellt werden, damit eine Sicherheit für die Bewohner da ist, wer kommt da überhaupt auch rein, aber natürlich auch für die Angehörigen, die auch sicher in unsere Einrichtung reinkommen wollen, niemand anstecken möchten, aber sich selbst auch nicht anstecken wollen", sagt Markus Sendelbeck.

Die Probleme auf Station

Das Lager mit Schutzmasken, Schutzkitteln und Desinfektionsmitteln ist voll. Probleme tun sich bei Handschuhen auf. Hier ist Sendelbeck im Moment in Verhandlungen und versucht, die nötigen Materialien zu bekommen. Bis jetzt hat er es immer geschafft. Die obligatorischen Zettel mit dem Hinweis, Abstand zu halten, die Hände zu desinfizieren und Masken zu tragen, hängen an jedem Aufzug, auf Station, im Eingangsbereich – auch das ist sein Job.

Er begeht die Schleuse zur Isolationsstation und checkt, ob alles ordnungsgemäß ist. Vor jeder Bewohnertür auf der Station hat er Zettel angebracht. Hier müssen alle Pflegekräfte eintragen, wann sie das Zimmer betreten und verlassen habe. So ist nachvollziehbar, wer im Fall der Fälle sich angesteckt haben konnte.

"Das ist ein relativ simples Instrument. Hier kann man klar sehen, wer war in den letzten Tagen in den jeweiligen Bewohnerzimmern. Sollte ein Verdachtsfall auftreten oder auch ein Positivfall kann so direkt abgeleitet werden, wer einen möglichen Kontakt hatte." Markus Sendelbeck, Pflegebeauftragter Nürnberg Stift

Die fünf Pflege- und Wohnheime wurden nicht von der Corona-Pandemie verschont. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wurden bis jetzt auch hier 20 Mitarbeiter und 30 Bewohner mit SARS-CoV-2-infiziert. Acht Senioren starben. Ausschließen lässt sich eine Ansteckung nie. Die Aufgabe ist es, die Infektionen gering zu halten; das gilt nicht nur für die Covid-19-Erkrankung.

Corona ist nur eines von vielen Risiken

Von überall können Viren oder beispielsweise Bakterien eingeschleppt werden. Zum Beispiel der bekannte Keim MRSA, der in Seniorenheime durch vorausgehende Krankenhausaufenthalten gelangen kann. Das Problem bei diesen Staphylokokken: Sie kommen häufig vor und sind für das Antibiotikum Methicillin resistent. Aber auch Salmonellen, Noroviren oder EHEC können durch die Einnahme von Lebensmitteln auftreten, durch Berühren und Streicheln von Tieren, Ansteckung durch Mitbewohner.

Der Hygienebeauftragte ist hier der interne Qualitätssicherer, der Manager, wenn es um den sicheren Umgang miteinander und vor allem, wenn es um Infektionsprävention geht. Er muss ein Risikoprofil erstellen, vor allem in einem Bereich, in dem ältere und pflegebedürftige Menschen bereits oft geschwächt sind, Grunderkrankungen aufweisen oder aus dem Krankenhaus von einer Behandlung kommen.

Eine unterschätzte Schaltstelle

"Gerade jetzt sieht man ja sehr, sehr gut, wie wichtig es ist so eine Position auch in Pflegeeinrichtungen zu haben. In vielen anderen Einrichtungen ist das eher eine Position, die irgendwie neben der regelmäßigen Arbeit irgendwie noch mitlaufen muss. Das klappt natürlich nicht, besonders in einer schwierigen Situation wie jetzt", sagt Markus Sendelbeck. Das Nürnberg Stift hat seit sieben Jahren die Position besetzt. Spätestens jetzt zahlt sich das aus. Gefordert werden solche Stellen schon lange, nicht erst seit Corona.

Doch selbst das Robert-Koch-Institut machte bereits 2018 in einem epidemiologischen Bulletin klar: "Die für die Patientensicherheit notwendige adäquate Personalausstattung ist zurzeit aufgrund eines Mangels an qualifiziertem Fachpersonal nicht überall gegeben."

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!