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Der heilige Sonntag – So sicher wie das Amen in der Kirche? | BR24

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Bildrechte: picture-alliance / dpa / Martin Schutt

Vor 1.700 Jahren wurde der Sonntag erstmals zum gesetzlich freien Tag erhoben. Nach wie vor haben Geschäfte am siebten Tag der Woche geschlossen. Das Thema sorgt jedoch immer wieder für Diskussionen zwischen Einzelhändlern und Kirche.

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Der heilige Sonntag – So sicher wie das Amen in der Kirche?

Vor 1.700 Jahren wurde der Sonntag erstmals zum gesetzlich freien Tag erhoben. Nach wie vor haben Geschäfte am siebten Tag der Woche geschlossen. Das Thema sorgt jedoch immer wieder für Diskussionen zwischen Einzelhändlern und Kirche.

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  • Silva Schreiner

Am Sonntag haben die Geschäfte zu. Ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin I. am 3. März des Jahres 321 v. Chr. erhob den Sonntag erstmals zum gesetzlich freien Tag. Sein Schutz ist im deutschen Grundgesetz festgeschrieben. Fragt sich nur wie lange noch - denn in jüngster Zeit wird immer wieder um die Sonntagsruhe gestritten.

Bäckereien dürfen sonntags öffnen

In vielen Familien ist das ausgiebige Sonntagsfrühstück mit frischen Brötchen Tradition. Anstatt den Ofen anzumachen und Brötchen aufzubacken, kann jeder am Sonntagmorgen zum Bäcker gehen. Die Bäckereien dürfen am siebten Tag der Woche öffnen, so steht es im Grundgesetz. Andere Lebensmittel- und Einzelhändler dagegen müssen geschlossen bleiben. Die katholische Arbeiterbewegung (KAB) in Würzburg sieht für die Öffnung den Bäckereien keinen Grund: "Aus unserer Sicht sollten die Bäckereien an einem Sonntag auch zu haben. Ein Brötchen, das ich am Samstagabend kaufe unterscheidet sich im Frischegrad nicht wesentlich von einem, das ich am Sonntagfrüh kaufe", so der Würzburger Diakon Peter Hartlaub.

"Am siebten Tag sollst du ruhen"

Die KAB setzt sich zum 1.700-jährigen Jubiläum des verkaufsfreien Sonntags verstärkt für dessen Erhalt ein. "Wir glauben, dass gerade in einer Gesellschaft, in der Arbeitszeiten sich immer weiter ausdifferenzieren, ein gemeinsamer Zeitanker notwendig ist", so Hartlaub. Für die Bewegung ist auch der verkaufsoffene Mantelsonntag in Würzburg keine Notwenigkeit.

Ein Händler, der sogar am Mantelsonntag seine Türen geschlossen hält, ist traditionell das Bekleidungsgeschäft Severin. "Gott hat den Menschen nun mal so geschaffen, dass er nach sechs Arbeitstagen einen Ruhetag braucht", sagt Günter Severin über die Entscheidung, seinen Laden sonntags nie zu öffnen.

Gesetzlich sind mehr verkaufsoffene Sonntage möglich

Das Ladenschlussgesetz sieht in Deutschland vor, dass pro Jahr insgesamt vier verkaufsoffene Sonntage möglich sind. Wie viele davon tatsächlich genutzt werden, entscheidet die Kommune. So sind in Schweinfurt und Aschaffenburg jeweils zwei Sonntage verkaufsoffen, in Würzburg dagegen nur einer. "Wir können uns in Würzburg auch einen zweiten verkaufsoffenen Sonntag vorstellen, aber mehr nicht", so der Geschäftsführer des Handelsverbands Unterfranken, Volker Wedde.

Einzelhändler wollen Verluste kompensieren

Corona ist ein Faktor, der dem Handelsverband mehr oder weniger in die Hände spielt. Einige Einzelhändler sehen in verkaufsoffenen Sonntagen die Chance, ihren Verlust zumindest etwas kompensieren. Sogar Markus Söder brachte in einer Rede vor dem bayerischen Landtag am 12. Februar zusätzliche verkaufsoffene Sonntage ins Gespräch. Doch die Realität in Unterfranken sieht anders aus, so Wedde: "Wir hatten uns im vergangenen Jahr dafür eingesetzt, dass die verkaufsoffenen Sonntage, die ausfallen mussten, nachgeholt werden dürfen, aber das hat auch zu viel Gegenwehr geführt."

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  • Silva Schreiner
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