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Der Geolehrpfad in Iphofen macht Erdgeschichte begehbar | BR24

© BR/Jürgen Gläser

Geolehrpfad Iphofen

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    Der Geolehrpfad in Iphofen macht Erdgeschichte begehbar

    Hoch über Iphofen im Landkreis Kitzingen: Zwischen Weinreben und Schwanberg verläuft der geo-ökologische Lehrpfad, ein besonderer Spazierweg. Die Strecke macht 250 Millionen Jahre Erdgeschichte erfahrbar – und das inmitten schönster Natur.

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    Von
    • Jürgen Gläser

    Weinbau und Gips: Das sind vermutlich die ersten Schlagwörter, die einem zu dem 4.600-Einwohner-Ort Iphofen einfallen. Der geo-ökologische Lehrpfad macht beides erlebbar. "Hier muss man im Geiste 250 Millionen Jahre in der Erdgeschichte zurückgehen", sagt Gästeführerin Evelyn Hatzung, die schon etliche naturverbundene Touristen begleitet hat.

    Geolehrpfad zeigt unterschiedliche Gesteine

    An einem Parkplatz in den Weinbergen, gleich am Fuße des Schwanbergs, beginnt der Lehrpfad. Schon nach 200 Metern tauchen oberhalb der Straße Felsbrocken auf: der erste Höhepunkt dieser Tour. "Damals war hier das sogenannte Germanische Becken, das war ein recht flaches Meer. Und in dieses Meer sind viele Sand- und Tonschichten eingeschwemmt worden", sagt Evelyn Hatzung. Diese Schichten haben sich dann im Lauf der Zeit "verbacken", der Buntsandstein entstand. Dann änderte sich jedoch das Klima, hin zu einer Art Mittelmeerklima – fast so, wie wir es heute haben. In dem Meer lebten Muscheln und Kleinstlebewesen. Was davon übrig blieb, lagerte sich als Muschelkalk ab. "Tja, und dann änderte sich das Klima wiederum", sagt Evelyn Hatzung. "Eine Sumpflandschaft entstand, fast wie im Mississippi-Delta. In dieser Zeit ist der Keuper entstanden, das heute bodenbildende Gestein."

    Ausblick vom "Felsbalkon" bei Iphofen

    Wo heute die Weinreben rund um Iphofen wachsen, befand sich vor 200 Millionen Jahren ein Meer. "Da hätte man wunderbar schwimmen können", lächelt Evelyn Hatzung und zieht eine Zeichnung hervor. Das Bild zeigt, wie die Gegend am Schwanberg vor Urzeiten einmal ausgesehen haben mag: Palmen, Schilf, Reptilien, im Hintergrund traben die ersten Saurier übers Land. Aber auf dem geo-ökologischen Lehrpfad muss man sich nicht auf Zeichnungen berufen, um in die Erdgeschichte einzutauchen: An einem spektakulären Felsüberhang kommen die verschiedenen Gesteinsschichten zum Vorschein. Und als zusätzlicher Anreiz bietet der Felsüberhang, sozusagen als natürlicher Balkon, einen wunderbaren Ausblick auf das Maintal.

    Der sagenhafte "Hötte-Hött" am Schwanberg

    Der Lehrpfad ist etwa einen Kilometer lang. Wer die Gegend noch etwas weiter erkunden möchte, läuft vom Lehrpfad hinauf zum Schwanberg. Während des Anstiegs passiert man ein steinernes Denkmal: eine Erinnerung an den sogenannten "Hötte-Hött", die Hauptfigur einer alten Sage. Ihr zufolge stritten sich Iphofen und die Nachbargemeinde Wiesenbronn einst um ein Waldstück. Und während dieses Streits soll der Waldhüter gesagt haben: "So wahr der Schöpfer über mir ist, so wahr stehe ich auf Iphöfer Erde". Der Clou: In seinen Schuhen hatte der "Hötte-Hott" Erde von Iphöfer Gemarkung, unter seinem Hut verbarg sich ein Schöpflöffel. Und noch heute klopft sein Geist in den Nächten an das Rödelseer Tor – so erzählt es zumindest die Sage.

    Biergarten und Kneipp-Anlage

    Sagenhaft ist auch der Ausblick vom Biergarten hoch droben am Schwanberg. Von dort reicht der Fernblick bis in die Rhön. Wer eher eine Abkühlung bevorzugt, dem ist ein Gang zur nahen Kneipp-Anlage zu empfehlen. Von dort führt der Weg zurück nach Iphofen, über Kopfsteinpflaster geht es durch das alte Stadttor bis zur Kirche St. Veit. Am Fuße der Treppen am Haupteingang gibt es ein kleines Guckloch - und wer dort hineinspäht, den könnte es ein bisschen schauern. Denn im Innern verbirgt sich das Beinhaus, mit den sterblichen Überresten von Iphöfern vergangener Zeiten.

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