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Ermittler suchen 2014 im Grab einer 81-jährig gestorbenen Frau nach Peggy.

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Der Fall Peggy: Eine Chronologie der Ereignisse

2001 verschwindet Peggy Knobloch aus Lichtenberg. 2016 werden sterbliche Überreste des Mädchens entdeckt. Wer Peggy umgebracht hat, bleibt wohl ungeklärt. Nach fast 20 Jahren hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. Eine Chronologie.

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Von
  • BR24 Redaktion

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat die Ermittlungen gegen Manuel S. eingestellt. Der 43-Jährige war der letzte verbliebene Tatverdächtige im Mordfall Peggy, gegen den ermittelt wurde. Der Mörder des Mädchens aus Lichtenberg konnte auch durch 20 Jahre Ermittlungsarbeit nicht gefunden werden.

7. Mai 2001: Ein Mädchen verschwindet

An diesem Tag wird Peggy aus Lichtenberg im Landkreis Hof zum letzten Mal auf dem Heimweg von der Schule gesehen.

8. Mai 2001: Hunderte suchen nach Peggy

Hunderte von Polizisten und freiwillige Helfer durchstöbern auf der Suche nach Peggy die Gegend um die Kleinstadt Lichtenberg. Wälder, Höhlen und Flüsse werden durchsucht, sämtliche Mülltonnen in der Gemeinde geleert. Die Polizei hat die Hoffnung, persönliche Gegenstände des Mädchens zu finden.

31. Juli 2001: Die erste Festnahme

Der Lebensgefährte von Peggys Mutter wird am 31. Juli festgenommen. Der Mann wird am selben Tag wieder auf freien Fuß gesetzt.

1. September 2001: Ulvi K. wird festgenommen

Der 23 Jahre alte Ulvi K. wird festgenommen und in der geschlossenen psychiatrischen Abteilung des Bezirkskrankenhauses Bayreuth untergebracht. Er gesteht den sexuellen Missbrauch an mehreren Kindern, darunter auch Peggy.

28. Februar 2003: Ulvi K. wird angeklagt

Während eines Verhörs gesteht Ulvi K. den Mord an Peggy Knobloch. Die Staatsanwaltschaft Hof erhebt Anklage wegen Mordes.

30. April 2004: Verurteilung von Ulvi K.

Ulvi K. wird wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Jugendkammer hält den 26-Jährigen mit geistiger Behinderung nach einem sechsmonatigen Indizienprozess für schuldig, Peggy am 7. Mai 2001 erwürgt zu haben. Sein Motiv laut Gericht: Er wollte eine Vergewaltigung vertuschen.

30. September 2004: Die Bürger melden sich

Gudrun Rödel gründet die Bürgerinitiative "Gerechtigkeit für Ulvi K.". Die pensionierte Rechtsanwaltssekretärin hat Beweise zusammengetragen und kämpft dafür, dass der Prozess neu aufgerollt wird.

1. Mai 2005: Ein leeres Grab für Peggy

Peggys Mutter, Susanne Knobloch, lässt für ihre Tochter ein Grab auf dem Friedhof in Nordhalben im Landkreis Kronach anlegen.

1. September 2010: V-Mann widerruft Aussage

Der Polizei-V-Mann Peter H., Mitinsasse von Ulvi K., erklärt, dass K. – anders als zuvor behauptet – ihm gegenüber den Mord an Peggy nicht gestanden hat. H. habe sich durch die Aussage Vorteile in der Psychiatrie verschaffen wollen, erklärte er. Er stirbt im Sommer 2013 an seiner Krebserkrankung.

7. August 2011: Michael Euler wird Pflichtverteidiger

Das Landgericht Bayreuth bestellt den Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler als Pflichtverteidiger für Ulvi K..

18. Juli 2012: Mord ohne Leiche

In der BR-Produktion "Mord ohne Leiche" stellt der Filmemacher Christian Stücken die Täterschaft von Ulvi K. in Frage. Stückens Fazit: K. kann den Mord, so wie ihn das Gericht in seinem Urteil darstellt, nicht begangen haben. Stücken hat den Tathergang auf Grundlage neuer Zeugenaussagen nochmals rekonstruiert. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Bayreuth wieder.

4. April 2013: Wiederaufnahme beantragt

Der Fall Peggy wird möglicherweise tatsächlich neu aufgerollt. Zwölf Jahre nach ihrem Verschwinden reicht der Rechtsanwalt Michael Euler beim Landgericht Bayreuth einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens ein.

22. April 2013: Ehemaliger Verdächtiger wieder im Visier

Ermittler durchsuchen das Grundstück eines ehemaligen Verdächtigen im Fall Peggy. Sie beschlagnahmen Computer und Akten. Gegen ihn liege aber kein Haftbefehl vor und er sei auch aktuell kein Verdächtiger, betonen die Ermittler. Die Polizei hat offenbar mehrere Hinweise, dass Peggy auf seinem Grundstück vergraben sein soll. Noch am Abend rollt ein Bagger an.

24. April 2013: Knochensplitter werden entdeckt

Die Ermittler finden in einer Sickergrube hinter dem durchsuchten Haus in Lichtenberg Knochensplitter. Untersuchungen ergeben allerdings, dass es sich dabei nicht um Knochen der verschwundenen Peggy handelt. Die Splitter könnten nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einem Friedhof stammen, der sich früher auf dem Grundstück befand.

3. September 2013: Ein Bekannter im Fokus

Oberstaatsanwalt Herbert Potzel bestätigt, dass sich die Ermittlungen auf einen Bekannten von Peggys Familie konzentrieren. Der 29-jährige Verdächtige lebt in Halle und wurde im Februar 2013 zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er sich an seiner zwei Jahre alten Tochter vergangen hatte.

9. Dezember 2013: Gericht ordnet Wiederaufnahme an

Das Landgericht Bayreuth ordnet die Wiederaufnahme des Strafverfahrens gegen Ulvi K. an. Als Grund gibt das Gericht unter anderem die Falschaussage des Zeugen Peter H. im ersten Prozess an. Wann das neue Verfahren beginnt, ist noch offen.

8. Januar 2014: Polizei öffnet Grab einer 81-Jährigen

Die Polizei geht neuen Hinweisen auf Peggys Verbleib nach. Sie öffnet das Grab einer 81-jährig verstorbenen Frau auf dem Lichtenberger Friedhof. Die Ermittler hatten Hinweise darauf erhalten, dass Peggys Leiche darin versteckt sein könnte. Nach Angaben der Polizei wurde die Frau nur zwei Tage nach dem Verschwinden des Mädchens beerdigt. Bald steht jedoch fest: Auch hier keine Spur von Peggy.

23. Januar 2014: Ein Bild soll Peggy Knobloch zeigen

Dem Rechtsanwalt von Ulvi K., Michael Euler, wird ein Bild zugespielt, das angeblich die zwölfjährige Peggy Knobloch zeigt. Die Bewertung des Bildes durch die Polizei habe aber zweifelsfrei ergeben, dass nicht das verschwundene Mädchen zu sehen ist, erklären die Ermittler.

5. März 2014: Verdächtiger gesteht "Zärtlichkeiten"

Der 29 Jahre alte Holger E. aus Halle räumt den Ermittlern zufolge "Zärtlichkeiten" mit Peggy ein. Sexuelle Handlungen habe er aber abgestritten, so die Beamten.

10. April 2014: Wiederaufnahmeverfahren beginnt

Zehn Jahre nach seiner Verurteilung steht Ulvi K. am 10. April 2014 wieder vor Gericht. Sein Fall wird komplett neu verhandelt. Zum Prozessauftakt erhebt K.s Verteidiger schwere Vorwürfe gegen die damaligen Ermittler.

14. Mai 2014: Ulvi K. wird freigesprochen

Im Verlauf des Wiederaufnahmeverfahrens gegen Ulvi K. zeichnet sich ab: Das Urteil des Landgerichts Hof von 2004 ist nicht zu halten. Die Anklage fasst es in ihrem Plädoyer zusammen: "Wir haben keinen Tatzeugen, keine Spuren, keinen Tatort und keine Leiche." Folgerichtig spricht das Landgericht Bayreuth Ulvi K. vom Mordvorwurf frei. Peggy gilt zum ersten Mal seit zehn Jahren nicht mehr als ermordet, sondern wieder als vermisst.

31. Juli 2015: Ulvi K. wird aus der Psychiatrie entlassen

Nach 14 Jahren wird Ulvi K. aus der Psychiatrie entlassen. Er kommt in einem Heim für Menschen mit Behinderung unter. Wo genau, ist geheim, um die Privatsphäre der anderen Bewohner zu schützen.

2. Juli 2016: Knochenfund im Wald bei Lichtenberg

In einem Waldstück unweit von Lichtenberg findet ein Pilzsammler eine skelettierte Leiche. Sofort prüfen die Ermittler, ob es sich um die sterblichen Überreste von Peggy handeln könnte. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch.

5. Juli 2016: Staatsanwalt bestätigt: Es ist Peggy

Es ist traurige Gewissheit: Bei den sterblichen Überresten, die der Pilzsammler in einem thüringischen Wald gefunden hat, handelt es sich um die Leiche der vermissten Peggy. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft Gera.

13. Oktober 2016: DNA-Spur führt zu einem NSU-Terroristen

Spektakuläre Wendung im Fall Peggy: Polizei und Staatsanwaltschaft teilen mit, dass am Fundort der sterblichen Überreste des Mädchens DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden wurden. Der genetische Fingerabdruck wurde auf einem Stück Stoff in der Nähe des Leichnams entdeckt.

6. März 2017: Ermittler räumen Panne ein

Die Ermittler im Fall Peggy sind sich sicher: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und dem Tod Peggys. Die Ermittler räumen ein, dass Böhnhardts DNA durch eine Panne an Peggys Fundort gelangt sei. Bei der Spurensicherung wurde das gleiche Werkzeug verwendet wie nach Böhnhardts Tod 2011 in einem ausgebrannten Wohnwagen. Beide Fälle haben nichts miteinander zu tun.

2. Juli 2017: Ein Jahr nach dem Leichenfund

Noch immer arbeiten 30 Mitarbeiter der "Soko Peggy" an dem Fall. Die Untersuchungen an den sterblichen Überresten von Peggy dauern an. Deshalb sei die Leiche auch noch nicht zur Bestattung freigegeben. Zu Details der Ermittlungen wollen sich Polizei und Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern. Peggys Schulranzen und ihre Regenjacke sind bislang nicht aufgetaucht. Die Schülerin hatte beides dabei, als sie am 7. Mai 2001 das letzte Mal lebend gesehen wurde.

14. September 2018: Ermittlungen gegen früheren Verdächtigen

Gegen einen 41-jährigen Mann, der bereits nach dem Verschwinden des Mädchens im Jahr 2011 im Fokus stand, wird nun ermittelt. Der Beschuldigte wird vernommen, aber wieder freigelassen.

21. September 2018: Verdächtiger legt Teilgeständnis ab

Der 41-jährige Manuel S. gibt zu, dass er die tote Peggy im Mai 2011 mit seinem Auto in den Wald gebracht hatte. Zuvor habe er ihren leblosen Körper an einer Bushaltestelle von einem anderen Mann übernommen. Manuel S. bestreitet jedoch, Peggy getötet zu haben. Er befindet sich auf freiem Fuß. Pollen und Farbreste am Fundort von Peggys Überresten haben den entscheidenden Hinweis gegeben.

11. Dezember 2018: Haftbefehl wegen Mordes gegen Manuel S.

Manuel S. wird als dringend tatverdächtig festgenommen. Der 41-Jährige ist offenbar tiefer in den Fall Peggy verstrickt, als er bisher zugegeben hat. Gegen ihn wird Haftbefehl wegen Mordes erlassen.

13. Dezember 2018: Manuel S. nimmt Teilgeständnis zurück

Das Teilgeständnis des Angeklagten sei unter dem Druck der Ermittler in einer stundenlangen Vernehmung entstanden, kritisiert sein Anwalt. Er kündigte Beschwerde gegen den Haftbefehl des Amtsgerichts Bayreuth an.

21. Dezember 2018: Anwalt von Manuel S. legt Haftbeschwerde ein

Im Fall Peggy hat der Verteidiger des Mordverdächtigen Manuel S. Beschwerde gegen den Haftbefehl beim Amtsgericht Bayreuth eingereicht. Es gebe keinen Beweis für die Beteiligung an der Tötung.

25. Dezember 2018: Bayreuther Amtsgericht hebt Haftbefehl auf

An Heiligabend entlässt das Bayreuther Amtsgericht den Tatverdächtigen im Fall Peggy aus der Haft. Nachdem Manuel S. sein Teilgeständnis widerrufen hatte, könne dies nicht mehr gegen ihn verwendet werden. Laut Amtsgericht liegt kein dringender Tatverdacht mehr vor. Bei den Vernehmungen hätte der Mann außerdem einen Anwalt an seiner Seite haben müssen.

14. Februar 2019: Manuel S. bleibt auf freiem Fuß

Das Landgericht Bayreuth entscheidet, dass Manuel S. auf freiem Fuß bleibt. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen bestehe gegen Manuel S. kein dringender Tatverdacht wegen Mordes, teilt das Gericht mit. Sein Geständnis kann aber verwertet werden.

18. Februar 2019: Anzeige gegen "Soko Peggy"

Die Soko soll Dienstgeheimnisse verraten haben, indem sie Ton-Aufnahmen eines alten Gespräches zwischen Ulvi K. und seinem Vater an Journalisten weitergegeben habe. Die Staatsanwaltschaft weist die Vorwürfe zurück.

7. März 2019: Gegen die Ermittler wird ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt gegen Mitglieder der "Soko Peggy" und einen Bayreuther Staatsanwalt. Die Soko soll Ton-Aufnahmen veröffentlicht haben. In dem aufgezeichneten Gespräch soll Ulvi K. gesagt haben, dass er und Manuel S. dabei gewesen seien, als Peggy ums Leben gekommen sei.

22. Oktober 2020: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Der Anwalt von Manuel S. bestätigt dem Bayerischen Rundfunk auf Nachfrage, dass die Ermittlungen gegen seinen Mandanten eingestellt wurden. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigen das wenig später. Die gesammelten Indizien reichen nach Aktenlage nicht für eine Anklage wegen Mordes gegen Manuel S. aus. Der Fall Peggy ist damit nach fast 20 Jahren abgeschlossen. Wer das Mädchen umgebracht hat, konnte nicht geklärt werden.

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