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Der Countdown läuft: Noch ein Jahr Atomstrom aus Schwaben | BR24

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Bildrechte: BR / Joseph Weidl

In ziemlich genau einem Jahr wird das Kernkraftwerk Gundremmingen endgültig abgeschaltet. Atomkraftgegner jubeln, doch der Gemeinde Gundremmingen wird eine wichtige Steuerquelle verloren gehen. Sorgen macht aber eher das, was noch bleibt vom AKW.

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Der Countdown läuft: Noch ein Jahr Atomstrom aus Schwaben

In ziemlich genau einem Jahr wird das Kernkraftwerk Gundremmingen endgültig abgeschaltet. Atomkraftgegner jubeln, doch der Gemeinde Gundremmingen wird eine wichtige Steuerquelle verloren gehen. Sorgen macht aber eher das, was noch bleibt vom AKW.

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Von
  • Joseph Weidl
  • Anna Klein

Der Wind bläst in Gundremmingen, es ist kalt, trüb und neblig, gerade so erkennt man den Dampf, der aus dem Kühlturm von Block C im Kernkraftwerk aufsteigt. Thomas Wolf lebt in der Region um das AKW, seit über 30 Jahren gehört er zur Mahnwache, die jeden Sonntag vor dem Kernkraftwerk steht und sich gegen Atomkraft stark macht. Jetzt steht er einige Hundert Meter vor dem Zaun der Anlage und sagt:

"Also, es gab ja ein paar Mal die Situation, dass beide Kühltürme nicht gedampft haben, bei Revisionen oder so. Das war schon immer ein tolles Gefühl. Und ich freu mich drauf, ich freu mich wirklich drauf, wenn mal beide dauerhaft nicht mehr dampfen.“

Von den Bayerischen Kernkraftwerken ist bereits Grafenrheinfeld komplett abgeschaltet, ebenso wie Isar I. Isar II soll Ende 2022 vom Netz gehen. Block C von Gundremmingen soll am 31.12.2021, also in ziemlich genau einem Jahr, abgeschaltet werden. Doch der AKW-Gegner Thomas Wolf hat nicht das Gefühl, jetzt gewonnen zu haben. Dafür hätte es schneller gehen müssen mit dem Atomausstieg, findet Wolf.

AKW hat Gemeinde geprägt

Die Gemeinde Gundremmingen selbst lebt von und mit dem Kraftwerk und das seit Jahrzehnten. Gundremmingens Bürgermeister Tobias Bühler schaut direkt von seinem Fenster im Rathaus auf die Kühltürme. Das Kernkraftwerk hat die Geschichte der Gemeinde und die Familien geprägt, sagt er: Wenn man bis zum Ende der 1960er zurückschaue, so Bühler, dann habe fast jede Familie in Gundremmingen mit dem Kraftwerk zu tun gehabt. Darüber hinaus profitiert die Gemeinde von der Gewerbesteuer.

Doch man sei auf die Zeit nach der Abschaltung vorbereitet, sagt der Bürgermeister. Wenn das AKW Ende 2021 abgeschaltet wird, wäre das kein Riesen-Problem. Man sei nicht nur vom Kraftwerk abhängig, was die Steuern angeht, so Bühler. Es gebe genug andere gute Firmen vor Ort.

Keine Massenentlassung

Die Arbeitsplätze im AKW wurden in den letzten Jahren bereits reduziert. Heiko Ringel, technischer Leiter im AKW, sagt, dass dies sozialverträglich passiert sei. Der Bürgermeister der Gemeinde Gundremmingen bestätigt dies. Beispielsweise seien bestimmte Stellen nicht mehr nachbesetzt worden. Auch nach der Abschaltung werden noch über 400 Mitarbeiter dort tätig sein – sie müssen sich dann mit dem Rückbau beschäftigen, der über zehn Jahre lang dauern wird.

Zwischenlager bleibt

Was neben dem Kernkraftwerk bleibt, ist das Zwischenlager. Dort ist in Castorbehältern hochradioaktiver Müll gelagert. Und genau das beschäftigt auch nach wie vor die AKW-Gegner, ebenso wie die Gemeinde Gundremmingen. Bürgermeister Tobias Bühler drängt darauf, dass die Suche nach einem Endlager in Deutschland schnell gehen soll. Denn das Zwischenlager in Gundremmingen ist eigentlich nur bis 2046 genehmigt. Doch derzeit geht man davon aus, dass ein Endlager nicht vor 2050 in Betrieb gehen wird.

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