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"Der Chor zuerst": Neues Buch zum Skandal bei den Domspatzen | BR24

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Der Misshandlungs- und Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen ist in den letzten Jahren intensiv aufgearbeitet worden. Jetzt erscheint eine zusammenfassende Studie im Pustet-Verlag.

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"Der Chor zuerst": Neues Buch zum Skandal bei den Domspatzen

Der Regensburger Pustet-Verlag hat eine neue historische Studie zum Missbrauchs- und Misshandlungsskandal bei den Domspatzen präsentiert. Dem Buch zufolge war vor allem die Domspatzen-Vorschule für viele Schüler ein Ort des Schreckens.

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Der Misshandlungs- und Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen ist in den letzten Jahren intensiv aufgearbeitet worden. Jetzt ist eine zusammenfassende Studie im Pustet-Verlag erschienen, die die Vorfälle historisch betrachtet und einordnet.

Wohl der Schüler war Nebensache

Die Studie der Historiker Bernhard Frings und Bernhard Löffler mit dem Titel "Der Chor zuerst" ist Teil der gemeinsamen Aufarbeitungsstrategie der Betroffenen und des Bistums Regensburg. "Der Erfolg des Chores stand über allem", schreiben die Autoren. Das Wohl der einzelnen Schüler habe bei den Domspatzen nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Domspatzen-Vorschule: für viele ein Ort des Schreckens

In ihrem Buch zeichnen die Forscher vor allem von der Vorschule der Domspatzen ein düsteres Bild: Das Internat für Dritt- und Viertklässler beschreiben sie als "totale Institution". Für viele Schüler seien die Einrichtungen in Etterzhausen und Pielenhofen bei Regensburg ein Ort des Schreckens gewesen.

Dass der Leiter der Einrichtung dort ein Prügel-Regime errichten konnte und auch im Internat des Domspatzen-Gymnasiums Übergriffe möglich waren, habe mehrere Gründe, so die Historiker: Unter anderem seien die Domspatzen chaotisch organisiert gewesen. Bekannt gewordenen Missständen wurde außerdem nicht ausreichend nachgegangen. Weder die Leitung, noch Eltern, Bistum oder Medien prüften diese Fälle.

Misshandlungen gingen über damals akzeptiertes Maß hinaus

Die Studie ordnet die Übergriffe auch vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der jeweiligen Zeit ein. So seien körperliche Strafen zwar noch weit über die Nachkriegszeit hinaus gesellschaftlich akzeptiert gewesen, das Ausmaß der körperlichen Misshandlungen in den Domspatzen-Einrichtungen gehe aber weit über das damals akzeptierte Maß hinaus, sagt Autor Bernhard Löffler. Außerdem sei es auch in zahlreichen Fällen zu sexuellem Missbrauch gekommen, der zu keiner Zeit akzeptiert war.

Auch soziologische Studie zu Missbrauchsskandal

Neben der historischen Studie hatte sich auch eine soziologische Arbeit mit Hintergründen des Domspatzen-Skandals beschäftigt. Erste Ergebnisse hatten die Forscher bereits im Juli zusammen mit Betroffenen und Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer vorgestellt.