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Der Biber: Naturverbesserer oder Störer? | BR24

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Bildrechte: BR/Brian Leith Productions/WDR/Virginia Moore

Die Donau-Biber wüten wieder: Sie fällen reihenweise Baumriesen. Sind das "Schäden" oder ist das "Natur"? Wie steht es zur Zeit überhaupt mit der geschützten Biberpopulation?

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Der Biber: Naturverbesserer oder Störer?

Der streng geschützte Biber hat sich in Niederbayern und der Oberpfalz ausgebreitet. In der Nähe von Gewässern sieht man vermehrt abgeknabberte Bäume. Ist der Biber Motor der Artenvielfalt oder eher ein Störer?

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Von
  • Sebastian Wintermeier
  • BR24 Redaktion

Der Biber ist Vegetarier. Weil es im Winter weniger Pflanzen gibt, ernährt sich der Nager deshalb von Baumrinde und dem darunterliegenden Kambium. Mit abgenagten Bäumen hinterlässt das Tier Spuren und fällt in Niederbayern und der Oberpfalz aktuell besonders auf. Auch wenn der Biber unter strengem Artenschutz steht: Biberschäden in Land-, Teich- und Fortswirtschaft sorgen immer wieder für Ärger und Diskussionen.

Biber gräbt von Biotopen aus bis unter Maisfelder

Eines der Felder des Landwirts Albert Hirsch in Hofdorf im Kreis Regensburg grenzt direkt an eine Naturschutzfläche. In dem Biotop ist der Biber sehr aktiv, mehrere abgenagte Bäume sind zu sehen. Von diesem Biotop aus gräbt das Tier Tunnel, die bis in das Feld von Albert Hirsch reichen. Der Landwirt baut dort unter anderem Mais, Zuckerrüben und Soja an.

Landwirt: Mit Mähdrescher in Biberloch gekracht

Die Biber-Tunnel würden die Arbeit mit schweren Fahrzeugen gefährden, sagt Hirsch. Schon einmal ist er mit einem Mähdrescher in ein großes Biber-Loch gefahren und abgesackt. Die Folge war ein Achsenbruch mit einem Schaden von 10.000 Euro. Auf der Rechnung ist Hirsch damals sitzengeblieben. Erst seit 2008 können Land-, Teich- und Forstwirte einen Antrag auf Entschädigung beim Freistaat stellen. Dafür steht seit 2008 ein Fonds mit mittlerweile mehr als 500.000 Euro zur Verfügung, so ein Sprecher der unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Regensburg. Kleinere Schäden will Albert Hirsch akzeptieren. Erst letztes Jahr habe sich der Biber Zuckerrüben auf einer Fläche zwischen 30 und 40 Quadratmeter geholt.

"Wir sind Landwirte und wir sind hier in der Natur. Gewisse Sachen muss man in einem gewissen Rahmen akzeptieren." Albert Hirsch, Landwirt

Sollte der Biber aber einmal einen Damm bauen und damit sein Feld überschwemmen, würde er sich an die Behörden wenden, sagt Hirsch.

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Gerhard Schwab (links), Biberbeauftragter für Südbayern beim Bund Naturschutz, im Gespräch mit Landwirt Albert Hirsch.

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Im Winter ernährt sich der Biber vom nähstoffreichen Kambium, das unter der Baumrinde ist.

Bund Naturschutz: Biber fördert Artenvielfalt und spart Geld

Trotz der Schäden: Der Biber steht unter "strengem Artenschutz". Dort, wo er Bäume fällt und Dämme baut, "explodiert die Artenvielfalt", sagt Gerhard Schwab, der Biber-Beauftragte für Südbayern beim Bund Naturschutz. Insektenarten oder Amphibien würden zunehmen. Das sei wiederum gut für Arten wie den Schwarzstorch. Weil er sich von Fröschen ernährt, breite er sich in den Lebensräumen des Bibers aus. Mit seiner Bautätigkeit würde der Biber große Flächen renaturieren. Den Menschen würde das Millionen kosten, weshalb der Biber außerdem viel Geld spare, so Schwab.

Bibermanagement soll Akzeptanz erhöhen

Ein Bibermanagement in den einzelnen Landkreisen soll das Zusammenleben von Mensch und Biber verbessern. Es umfasst im Wesentlichen vier Punkte: Beratung, Prävention, Entschädigung und im Ausnahmefall auch Abschuss. Im Landkreis Regensburg wurden im letzten Jahr zwischen 50 und 70 Anträge auf Abschuss gestellt. In 40 Fällen genehmigte die Behörde eine "Entnahme", wie der Abschuss genannt wird. Im Landkreis Straubing-Bogen hat das Landratsamt letztes Jahr 27 Abschuss-Genehmigungen erteilt, vier Anträge wurden abgelehnt. Weil andere Biber aber schnell die Stelle des entfernten Tieres übernehmen, setzen die Ämter vor allem auf Beratung und präventive Maßnahmen. Laut Reimund Kolb vom Landratsamt Straubing-Bogen könnten Bäume zum Beispiel mit Matten oder Felder mit Elektrozäunen vor dem Biber geschützt werden.

Zum Bibermanagement gehört auch, dass der Freistaat gewisse Schäden ersetzt. Im Landkreis Regensburg zum Beispiel wurden 2019 für 21 gemeldete Schäden insgesamt gut 5.000 Euro ausgeschüttet. Im Kreis Straubing-Bogen werden laut Kolb für das letzte Jahr voraussichtlich Schäden in Höhe von 6.800 Euro ersetzt.

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In vom Bund geschaffenen Naturschutzgebieten wie hier in Pondorf (Lkr. Straubing-Bogen) hat der Biber beste Lebensbedingungen.

Biber profitiert von Donauausbau

Dass sich der Biber in Niederbayern und der Oberpfalz stark ausgebreitet hat, sei auch eine indirekte Folge des Donauausbaus in den 1970er und 1990er-Jahren, sagt Bundesförster Florian Euler. Ein Beispiel: Als Ausgleich für den Bau von Staustufen in Straubing und Geisling (Lkr. Regensburg) habe der Bund gut 1.700 Hektar Biotopfläche geschaffen - das entspricht etwa 1.700 Fußballfeldern. Dort habe der Biber dann zwar beste Lebensbedingungen. Oft grenzen diese Biotope an landwirtschaftlich genutzte Flächen.

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Abgeknabberte Bäume - im Englischen Garten in München wie an der Donau in Niederbayern. Der Biber hinterlässt in ganz Bayern seine Spuren. Für die einen ist er ein schützenswertes Tier, die anderen würden den Nager am liebsten abschießen.

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