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Politischer Aschermittwoch bei den Kleinparteien

Bei der CSU geht es zu, wie immer: Der Aschermittwoch findet in Passau statt, das Bier trinkt man aus Krügen, nicht aus Gläsern, und die Sprüche sind kernig. Neu ist nur die Rollenaufteilung: Markus Söder ist jetzt Ministerpräsident und Parteichef, Markus Weber nicht mehr nur EVP-Fraktionschef, sondern auch aussichtsreicher Kandidat auf den Posten des EU-Kommissionspräsidenten. Und diese beiden Gesichter prägen den politischen Aschermittwoch der CSU.

Weber wirbt für Europa - Söder mit Spitzen gegen die anderen Parteien

Weber betonte die Bedeutung Europas für Frieden und Wohlstand: "Dass wir heute 60 Jahre in Frieden leben dürfen, ist ein großes Geschenk der Europäischen Union, auf das wir stolz sind." Europa müsse aus der Mitte heraus gestaltet werden, nicht von rechten und linken Scharfmachern, mahnte Weber.

Ministerpräsident und CSU-Chef Söder ließ es sich nicht nehmen, in seiner Rede in Richtung der SPD ("links ist immer falsch gewesen") und gegen Grüne ("Zusammenarbeit mit diesen Leuten kann ich mir nicht vorstellen") Spitzen zu verteilen. Und auch gegen den eigenen Koalitionspartner, die Freien Wähler, stichelte Söder. Mit Blick auf die Kritik der Freien Wählern an den geplanten Stromtrassen durch Bayern und den Streit über Flutpolder bei Regensburg rief er: "Ohne Netze kein Strom, ohne Polder kein Hochwasserschutz."

Freie Wähler: Ruhige Töne - ganz Regierungspartei

50 Kilometer trennen CSU und ihren Koalitionspartner, die Freien Wähler, am politischen Aschermittwoch. Die CSU in der Dreiländerhalle in Passau, die Freien Wähler (FW) in Deggendorf. Zünftig bayerisch ist die Stimmung auch bei den FW - Brezen und Bier gehören zum Selbstverständnis der Regierungspartei.

Inhaltlich hält sich Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister, zurück: keine Boshaftigkeiten gegen die CSU, dafür aber gegen Rot-Grün. Denen schmettert Aiwanger entgegen: "Ihr habt in den vergangenen Jahrzehnten nicht so viel bewegt in Bayern, wie wir in wenigen Monaten."

Freie Wähler: Ziel Bundestag und Europa?

Die Freien Wähler geben sich am Aschermittwoch als ruhige Regierungspartei und als "Rückgrat des ländlichen Raums". Mit der Strategie die Regionen in den Fokus zu nehmen blicken die Freien Wähler auch auf den Bund und nach Europa. "Wir müssen wieder stark werden in Brüssel. Deutschland braucht die Freien Wähler auch im Bundestag", so Partei-Chef Hubert Aiwanger.

Hubert Aiwanger unterstreicht in seiner Rede die bundespolitischen Ambitionen der Freien Wähler.

Hubert Aiwanger unterstreicht in seiner Rede die bundespolitischen Ambitionen der Freien Wähler.

Grüne: Pro Europa und weiblich

Ganz ohne Tracht und Dirndl, dafür aber mit Maßkrug: Die Grünen in Landshut setzen auf Aufbruch und Europa: Und: Sie haben nur Frauen als Rednerinnen. Henrike Hahn, Europa-Spitzenkandidatin, Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen und Katharina Schulze, Fraktionschefin im Landtag.

Alle Rednerinnen tragen die Wahlerfolge im Bund und in Bayern stolz vor sich her und eröffnen den Europawahlkampf. Die Grünen stünden für ein offenes Europa ohne Grenzen und mit einer Gesellschaft, in der Frauen gleichberechtigt sind. Zu diesen Thema kommt die wohl stärkste Spitze der bayerischen Fraktionschefin, Katharina Schulze, gegen die CSU: "Die Parteien rechts der Mitte haben ein Frauenproblem, und die Frauen haben ein Problem mit den Parteien rechts der Mitte - und das völlig zu Recht!"

Katharina Schulze: "Söder qualifiziert für Umweltwindbeutel 2019"

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SPD - zurück in alten Gemäuern

Die SPD kehrt nach Jahren in Festzelten wieder in den Wolferstetter Keller in Vilshofen zurück. Es kommt Bundesjustizministerin Katarina Barley. Barley, Spitzenkandidatin im Europawahlkampf für die SPD, war auch die aggressivste Rednerin in Vilshofen. Sie kritisiert die CSU, weil sie "Viktor Orban so lange so hofiert hat". Eine solche Partei könne nicht für funktionierendes Europa stehen, "das auf einem solidarischen Geben und Nehmen beruht". Die Angriffslust in den Reden der SPD-Landeschefin Natasha Kohnen und Justizministerin Katarina Barley ist auch ein Hinweis darauf, dass die SPD sorgenvoll auf die Europawahl guckt. Experten sehen in ihr eine Richtungswahl für die Volkspartei.

Europawahl-Spitzenkandidatin Katharina Barley zieht über Annegret Kramp-Karrenbauer her

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FDP - Angriffslustig nach Europa

Die FDP ist wieder im bayerischen Landtag vertreten und fühlt sich im Aufwind. Das verbindet sie mit den Grünen. Doch gegen die schießt die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer gleich zu Beginn, denn die Grünen wollten alles verbieten was Spaß macht: Autofahren, Fleisch essen, Urlaubsreisen, sogar die Butter.

Der Fokus der Liberalen liege jetzt auf Europa, so Daniel Föst, Landeschef der FDP in Bayern. Auf seiner Aschermittwochs-Premiere sagt er dem BR, dass sich alle Parteien darum bemühen sollten den Wählerinnen und Wählern zu vermitteln, dass die Europa-Wahl ebenfalls "eine herausragend wichtige Wahl" sei.

FDP-Bayern-Chef Daniel Föst sieht die Große Koalition als Trauerspiel.

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AfD - Gesprächsthema und Provokationen

Über die AfD haben die anderen Parteien auf ihren Aschermittwochssitzung viel zu sagen. Die Grünen sehen in ihr eine Partei, die für Hass verantwortlich sei. Markus Söder macht in Passau das Angebot gemäßigte AfD-Unterstützer in der CSU aufzunehmen: "Kehrt zurück und lasst die Nazis alleine in der AfD. Es ist Zeit für einen Richtungswechsel."

Die AfD selbst trifft sich in Osterhofen. Als Redner sind unter anderem der Europa-Spitzenkandidat Jörg Meuthen und der Hardliner Andreas Kalbitz geladen. Aber auch der bayerische AfD-Europakandidat Bernhard Zimniok sparen nicht mit drastischen Aussagen: "Merkelland ist abgebrannt, durch gewissenlose und verblendete Politiker, unterstützt von unterwürfigen Medien. Deutschland ist zu einer einzigen Lachnummer verkommen." Und zur Europawahl sagt Zimniok, man werde am 26. Mai zeigen, "wo der Hammer hängt".

Die AFD kritisiert am politischen Aschermittwoch die "Altparteien", den Verfassungsschutz und protestierende Schülerinnen und Schüler

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Die Themen der Opposition beim Politischen Aschermittwoch.

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