84 Jahre alt und immer noch fleißig in der Backstube: Max Rösele aus Friedberg
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84 Jahre alt und immer noch fleißig in der Backstube: Max Rösele aus Friedberg

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Der 84-jährige "Stollenpapst" steht immer noch in der Backstube

Max Rösele aus Friedberg steht mit seinen 84 Jahren zweimal in der Woche in der Backstube, um Brezn und Stangerl zu backen. Der "Stollenpapst" feiert jetzt sein 70-jähriges Dienstjubiläum - und ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

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Wenn andere um halb 11 Uhr am Abend ins Bett gehen, steht er auf: Max Rösele. Der 84-Jährige steht noch immer – zweimal in der Woche – von Mitternacht bis früh am Morgen in der Backstube der Bäckerei Scharold im schwäbischen Friedberg. "Ich brauch ja nicht so viel Schlaf. Mein ganzes Leben habe ich noch nie viel geschlafen", sagt Rösele.

Nur einmal, erinnert er sich, haben er und der damalige Chef Richard Scharold beide verschlafen. "Wir sind dann um 2.30 Uhr in die Backstube gegangen. Dann gab es das Brot erst eine Stunde später", sagt er lachend. Heute wäre das nicht mehr denkbar, da seien die Abläufe ganz genau getaktet.

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Die Rezepte kennt er auswendig

Der zierliche, kleine Mann mit grauen Haaren wirkt zufrieden. Früher hat er den Brotteig noch selbst mit der Hand geknetet. Heute kontrolliert er mal den Breznteig, mal rollt er die Stangerl in die Käse-Kürbiskern-Panade. Und in der Weihnachtszeit backt er am liebsten die Stollen. Er wird sogar in der Region auch "Stollenpapst" genannt. Die Rezepte? Hat er alle im Kopf: "Ich hab zwar schon mein Rezept, wo ich nachschauen kann – man kann ja mal was vergessen. Aber normalerweise weiß ich sie auswendig."

Apropos Stollen: Seine Frau Franziska hat Rösele über seinen Beruf kennen und lieben gelernt. Er erinnert sich gerne daran: "Ich sollte einen Stollen backen und den Eltern des Arbeitskollegen meines Bruders bringen. Da ich mit in die Wohnung gebeten worden bin, lernte ich dort die Schwestern jenes Arbeitskollegen kennen, darunter meine Franziska. Weil ich sie nochmals sehen wollte, bin ich später wieder vorbeigefahren und habe ihr etwas Süßes gebracht“, erinnert sich Rösele. Und es hat funktioniert. Seit 61 Jahren ist er mit seiner Franzi glücklich verheiratet.

70 Jahre lang im selben Unternehmen

Max Rösele arbeitet nicht mit 84 Jahren, um sich seine Rente aufzubessern, sondern weil er es möchte. Eigentlich wollte er zwar schon mal mit 63 in Rente gehen und nur noch am See liegen und seiner Leidenschaft, dem Gärtnern, nachkommen, aber der Seniorchef Richard Scharold wollte ihn nicht so einfach gehen lassen: "Ich wollte schon mal aufhören, aber der Chef hat gesagt, du bist noch dabei. Naja, dann hab ich noch weiter gemacht", sagt Rösele. So arbeitet er also schon seit 70 Jahren für die Bäckerei Scharold.

Max Rösele gehört zur Scharold-Familie

Für die Geschäftsführer, Richard Scharold und Sohn Rainer Scharold, ist klar: Max Rösele gehört zur Familie dazu. Er begleitet die Scharolds bereits in der fünften Generation. "Er hat die Erfahrungen und gibt die an die Jugend weiter. Er weiß, wovon er spricht", sagt Seniorchef Richard. Und Rainer ergänzt: "Der Max war immer da. Das ist kein Standardmitarbeiter. Er gehört zur Familie."

Backen früher und heute

Mit 13 Jahren, also 1953, hat Rösele damals angefangen. Seine Lehr-Backstube sah da aber noch etwas anders aus: kleiner, überschaubarer, weniger Maschinen, weniger Technik. Rösele findet zwar schon, dass es heute deutlich leichter ist, aber "früher war alles irgendwie ruhiger und gemütlicher".

Damals hat Rösele nicht nur die Brezen und Semmeln gebacken, sondern auch mit seinem Fahrrad in der Friedberger Altstadt ausgeliefert. Manchmal ist er aber ein bisschen zu schnell den Berg runter gesaust und dann "sind die Semmeln aus dem Korb heraus gehüpft und den Berg herunter gekullert". Manche davon seien wohl im Wasser gelandet und haben es nicht bis zum Kunden geschafft.

Ans Aufhören denkt Rösele nicht

Solange er noch fit ist, wird er auch weiter zweimal die Woche in der Backstube mithelfen. "Das macht immer noch Spaß mit den jungen Leuten. Wenn ich merken würde, dass ich überflüssig werde, dann würde ich aufhören", sagt Rösele. Wer weiß, vielleicht schafft er das 80-jährige Bäckerjubiläum ja auch noch. Er sagt: "Das hat der Herrgott in der Hand, nicht ich."

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