Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Depressionen im Fußball: Es gibt noch große Defizite | BR24

© BR

Zehn Jahre nach dem Tod von Robert Enkes beklagt die Spielergewerkschaft VdV, dass es immer noch Defizite beim Umgang mit dem Thema Depression im Fußball gibt.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Depressionen im Fußball: Es gibt noch große Defizite

Am 10. November jährt sich der Tod des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke zum zehnten Mal. Was hat sich im Fußball in dieser Zeit verändert? Im Nachwuchsbereich einiges, bei den Profis sieht die Spielergewerkschaft weiter Defizite.

Per Mail sharen
Teilen

Es hat sich einiges getan in der Zeit nach dem Suizid von Torhüter Robert Enke. Das Thema Depression ist inzwischen in der Öffentlichkeit präsenter, trotzdem fehlt es im Profifußball immer noch an psychologischer Betreuung. Das kritisiert die Spielergewerkschaft VdV. In einer eigenen Befragung unter Fußball-Profis kam heraus, dass der Großteil der Klubs in der 1., 2. und 3. Liga seinen Spielern keine sportpsychologische Betreuung anbietet. Darunter sind laut VdV sogar Spitzenvereine, die in den europäischen Wettbewerben spielen.

Psychologen sind im Profibereich keine Pflicht

Auch die ARD-Radio-Recherche Sport hat alle Erst- bis Drittligisten befragt. Von den insgesamt 56 Profi-Vereinen beantworteten fast die Hälfte die Fragen nicht. 30 erklärten, dass ihnen die psychologische Unterstützung der Spieler wichtig sei. Nur sieben Klubs gaben an, auch für die Profi-Mannschaft einen Psychologen fest angestellt zu haben. Das sind die Erstligavereine Leipzig, Hoffenheim, Leverkusen, Düsseldorf und Mainz, Zweitligist Nürnberg sowie Braunschweig aus der dritten Liga. Für den Profi-Bereich gibt es im deutschen Fußball nach wie vor keine Verpflichtung, Sportpsychologen zu beschäftigen.

© BR

Wissenschaftler Dr. Raphael Nixdorf von der TU München hat Nachwuchsfußballer in Nachwuchsleistungszentren befragt. Das Ergebnis: Bei etwa 15 Prozent haben sich depressive Symptome gezeigt.

Symptome für Depressionen im Nachwuchsbereich

Genauer hingeschaut wird inzwischen im Nachwuchsbereich. Seit vergangener Saison ist eine sportpsychologische Betreuung in den Fußball-Nachwuchsleistungszentren Pflicht. Wissenschaftler der TU München weisen allerdings darauf hin, dass hier ausgebildete Psychologen arbeiten müssen, die für den Umgang mit depressiven Symptomen geschult sind. Die Forscher am Lehrstuhl für Sportpsychologie haben Spieler an Nachwuchsleistungszentren (NLZ) zweier deutscher Profiklubs untersucht. 110 Spielerinnen und Spieler wurden dabei befragt. Das Ergebnis: Bei etwa 15 Prozent haben sich depressive Symptome gezeigt.

Psychologische Betreuung in Nachwuchsleistungszentren Pflicht

Die Spielerinnen und Spieler im Alter zwischen 13 bis 18 Jahren, wurden zum Beispiel gefragt, ob sie sich niedergeschlagen oder erschöpft fühlen, ob sie weinen müssen, ob sie Schlafprobleme oder Essstörungen haben, bis hin zu suizidalen Gedanken. Für die Wissenschaftler hat sich damit bestätigt, dass unter Jugendfußballern depressive Symptome mindestens genauso verbreitet sind wie in der Normalbevölkerung.

Außerdem kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die speziellen Risikofaktoren im Leistungsfußball, wie körperliche Belastung, chronischer Stress und Leistungsdruck, mit entsprechenden Therapien durchaus bewältigt werden können. Wichtig sei es, bei Problemen eine Anlaufstelle zu haben, so die Forscher.

Der Bayerische Rundfunk berichtet - vor allem wegen möglicher Nachahmer-Effekte - in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer die zuständige Redaktion sieht es durch die Umstände der Tat geboten. Sollten Sie selbst Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhalten Sie unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.