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Mädchen sitzt traurig auf einer Brücke (Symbolbild)
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Astrid Uhr
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Mädchen sitzt traurig auf einer Brücke (Symbolbild)

Depressionen nehmen in Deutschland und überall auf der Welt zu. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Depression bis 2020 die zweithäufigste psychische Erkrankung weltweit. Unter den Betroffenen sind auch immer mehr junge Menschen.

Emily war in der 9. Klasse, als sie plötzlich in ein dunkles Loch fiel- und sich von niemandem mehr verstanden fühlte.

"Nichts hat mir mehr Spaß gemacht, ich habe mich immer alleine gefühlt." Emily, 18 Jahre

Die Symptome bei Depressionen sind vielfältig

Freudlosigkeit, gedrückte Stimmung, kein Interesse an der Umwelt - das alles können Symptome für Depressionen bei Jugendlichen sein. Vorausgesetzt, dass dieser Zustand über einen längeren Zeitraum anhält, also mindestens 14 Tage.

Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Rückzug, Angststörungen können weitere Anzeichen für eine psychische Erkrankung bei Heranwachsenden sein. Oberärztin Isabelle Lang-Rollin von der Psychosomatischen Klinik Windach beobachtet als Begleiterscheinung auch die Flucht in die digitale Welt.

"Wenn Jugendliche dort vielleicht Ersatz finden für viele Bedürfnisse, die sie in der realen Welt nicht mehr richtig befriedigen können, dann setzt das so einen Teufelskreis in Gang." Isabelle Lang-Rollin, Oberärztin

Depressionsbedingter Suizid: zweithäufigste Todesursache

Depression ist eine schwere, in gewissen Fällen sogar lebensbedrohliche Krankheit. Selbsttötung zählt im Jugendalter zu den häufigsten Todesursachen. Suizidale Gedanken sind ein Symptom der Depression: Bei Jugendlichen besteht bei Depression ein bis zu 20-fach erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten, erklärt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Emily beschreibt es im Rückblick so:

"Du siehst gar nicht mehr die ganzen Möglichkeiten, die dir offen stehen. Du siehst nichts Schönes mehr und dadurch willst du nicht mehr da sein." Emily, 18 Jahre

Bei jungen Menschen - bis zu einem Lebensalter von 40 Jahren - stellt der Tod durch depressionsbedingte Selbsttötung nach dem Unfalltod die zweithäufigste Todesursache dar, so eine Studie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München.

Mehr Leistungsdruck löst mehr Depressionen aus

Die offizielle Diagnose "Depression" hat es vor 30 Jahren noch nicht gegeben - was aber nicht bedeutet, dass junge Menschen nicht schon immer daran gelitten haben. Vielmehr werden die Symptome mittlerweile häufiger erkannt, der medizinische Fortschritt ermöglicht ein besseres Verstehen der Anzeichen. Es gelten die gleichen Diagnose-Kriterien wie bei Erwachsenen.

"Es ist gut, dass Depression heute kein Tabu-Thema mehr ist, dass Betroffene heute offen über ihre psychischen Probleme reden können." Prof. Martin Keck, Max-Planck-Institut für Psychiatrie und Psychotherapie, München

Experten gehen von einem Anstieg von psychischen Erkrankungen bei Heranwachsenden aus - bedingt durch unsere Leistungsgesellschaft. "Die Anforderungen an junge Menschen sind heute sehr hoch: Die Schule übt Druck aus, aber auch das Schlankheitsideal in den Medien", erklärt Isabelle Lang-Rollin, Fachärztin für Psychiatrie und Psychosomatik.

Dazu komme die ständige Kommunikation durch soziale Medien: Es gibt kaum noch Ruhephasen. Auch biete die Familie immer weniger Halt. "Früher hatten die Jugendlichen viel mehr Ansprechpartner, die Oma, die Tante … Viele Probleme wurden in der Großfamilie aufgefangen, wenn die Eltern es nicht konnten. Das gibt es heute kaum noch", sagt Lang-Rollin.

Stimmungsschwankungen: Abgrenzung von Pubertät und Depression

Grübeln, gereizt sein, unzufrieden mit sich und der Welt: Junge Menschen zwischen 13 und 18 Jahren haben sowieso schnelle Stimmungsschwankungen. Deswegen ist die Abgrenzung zwischen Pubertät und Depression oft schwer.

"Sind das jetzt Stimmungsschwankungen im Rahmen der normalen Pubertät oder geht es darüber hinaus? Hält es länger an und ist nicht so rasch wechselnd, wie es eigentlich für die Pubertät typisch wäre?" Prof. Martin Keck

Diese Parameter helfen beim Einschätzen des Verhaltens. Für eine gesicherte Diagnose sollten auch Eltern, Lehrer, Erzieher und weitere Bezugspersonen in die Beurteilung mit einbezogen werden. Denn Früherkennung erhöht die Chancen auf Heilung.

Jugendliche sind immer häufiger von Depression betroffen

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