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Denkmalschutz oder Neubau? Erhaltung vs. moderne Schule | BR24

© Schulzentrum an der Quiddestraße

Auch Gebäude jüngeren Baudatums könne Denkmäler sein, so etwa das Schulzentrum an der Quiddestraße in München.

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Denkmalschutz oder Neubau? Erhaltung vs. moderne Schule

Wenn alte Schulgebäude saniert oder erweitert werden müssen, macht der Denkmalschutz die Planungen oft deutlich aufwändiger. Wie schwierig es ist, Denkmalschutz und moderne Schulkonzepte zu vereinen zeigt ein Beispiel aus München.

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Das Schulzentrum an der Quiddestraße im Münchner Stadtteil Neuperlach beherbergt ein Gymnasium, eine Realschule und eine Orientierungsstufe. Wegen steigender Schülerzahlen werden dringend zusätzliche Räume benötigt. Bei den Planungen für einen Neubau auf dem Gelände wurde auch geprüft, ob eine Sanierung des Mensagebäudes überhaupt wirtschaftlich ist. Eine der Überlegungen: Die Mensa abreißen und stattdessen einen Neubau errichten. Doch bei den Planungen stellte das Landesamt für Denkmalpflege fest: Bei dem 70er-Jahre Betonbau handelt es sich um ein Denkmal. Er darf nicht abgerissen, sondern muss erhalten werden.

Denkmalschutz hat nichts mit schön oder hässlich zu tun

Die Gebäudefassade aus wuchtigem Sichtbeton mag manch einer nicht unbedingt als schön und erhaltenswert empfinden. Doch ist das für die Bewertung der Denkmalschutzbehörde nicht ausschlaggebend, erklärt Stadtdirektor Cornelius Mager, dem als Leiter der Lokalbaukommission auch die untere Denkmalschutzbehörde in München untersteht: "Denkmalschutz hat nichts mit schön oder hässlich zu tun. Es geht vielmehr darum, dass man die Zeugen der Zeit festhält, insofern sie sich architektonisch manifestieren."

Das äußert sich bei der Mensa an der Quiddestraße unter anderem durch den vieleckigen und asymmetrischen Grundriss. Doch auch die Funktion und Geschichte des Gebäudes spielt laut Mager eine Rolle: Denn das Schulzentrum war eine der ersten Schulen in Bayern, die in der Form einer Campus-Schule errichtet wurde. Mehrere Schularten teilen sich ein Gelände, herumgruppiert um den zentralen Treffpunkt, die Mensa. Im Gebäude ist auch ein gemeinsamer Mehrzwecksaal untergebracht, der auch für Veranstaltungen im Stadtteil genutzt wird. All das zeige den Geist der Zeit, in dem das Gebäude errichtet wurde und macht es somit zum Denkmal.

Neue pädagogische Konzepte haben andere Anforderungen

So fortschrittlich dieses Schulkonzept in den 70er Jahren gewesen sein mag, haben sich die pädagogische Anforderung auch für die Gebäude geändert. Die sogenannte Flurschule – viele Klassenzimmer entlang eines langen Gangs – ist dem "Lernhaus" gewichen. Einem Konzept, das die Schule in kleinere Einheiten mit unterschiedlichen Räumen für die Ganztagsbetreuung unterteilt.

Dazu kommt der enorme Raumbedarf für die Klassen, besonders in München. Wenn dann wegen des Denkmalschutzes Planungen verworfen werden müssen, stellt das Stadtschulrätin Beatrix Zurek, Leiterin des Referats für Bildung und Sport, vor große Herausforderungen: "Wenn solche Schulen unter Denkmalschutz gestellt werden, dann ringen wir darum, wie man die Idee, die dieses Gebäude hat, erhalten kann und trotzdem an der ein oder anderen Stelle Veränderungen vornehmen kann, um zeitgemäße Pädagogik zu realisieren."

Kosten für die Allgemeinheit

Keine leichte Aufgabe. Im Fall der Mensa an der Quiddestraße sind die Planungen, die Mensa abzureißen und an der Stelle einen modernen Neubau zu errichten vom Tisch. Wie es genau weiter geht, ist noch unklar. Doch fest steht: Die weiteren Planungen werden aufwändiger. Laut dem Leiter der Lokalbaukommission, Cornelius Mager, hat man an der Quiddestraße jedoch das Glück, dass auf dem Gelände genug Platz für einen Neubau an anderer Stelle ist. Das sei nicht an allen Schulen der Stadt so.

Für den Erhalt und eine Sanierung der Mensa fallen außerdem Kosten an, die von der Allgemeinheit zu tragen sind. Mager betont jedoch, dass es sich dabei eigentlich nicht um Mehrkosten handle, da der Denkmalschutz nun einmal eine gesetzliche Aufgabe ist und die Denkmalschutzbehörde in Bayern lediglich feststellt, dass es sich bei einem Bau um ein Denkmal handelt. Ist das der Fall, war es auch schon vorher ein Denkmal und wird nicht erst durch die Aufnahme in die Denkmalschutzliste dazu erklärt.

© BR24

Das Olympische Dorf oder das BMW-Hochhaus: Zwei der jüngsten Denkmäler Bayerns. Neben Gebäuden gibt es auch Münzen, Gräber oder Lokomotiven, die unter Denkmalschutz stehen. Drei Kriterien sind dafür entscheidend.