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Verantwortung für die Zukunft: Denkmalpflege in Bayern | BR24

© Foto Peter Litvai

Innenansicht eines restaurierten Holzblockhauses - mit Unterstützung des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege

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    Verantwortung für die Zukunft: Denkmalpflege in Bayern

    Denkmal - ein Wort, welches eine Aufgabe mit sich trägt und eine Verantwortung an die Gesellschaft überträgt. Viel wird über Denkmalpflege derzeit diskutiert - und auch gestritten. Doch gerade zur Erinnerung spielt sie in Bayern eine wichtige Rolle.

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    Langsam senkt sich der Ultraschallkopf auf die Oberfläche. Kurz darauf spritzen winzige Teilchen links und rechts zur Seite und zum Vorschein kommt eine dezente Farbgebung aus dem 18. Jahrhundert. Der junge Mann, der mit einer Engelsgeduld an dem Gabentisch aus einer Barockkirche sitzt und arbeitet, heißt Julian Schmidt und ist wissenschaftlicher Volontär im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BlfD). Diese Fachbehörde hat eine beratende Funktion und kümmert sich auf Grundlage des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes um die Pflege und den Erhalt von Denkmälern.

    In Bayern gibt es rund 110.000 Baudenkmäler und rund 50.000 Bodendenkmäler. Wie zum Beispiel der Limes, der sich quer durch den Freistaat zieht und ein UNESCO-Kulturerbe ist. Die Definition für Baudenkmäler reicht vom einfachen Bauernhaus, über bürgerliche Bauten in den Städten und Gemeinden bis hin zu Kirchen und Schlössern.

    Um all das kümmert sich das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst zugeordnet ist. Dessen Chef, Minister Bernd Sibler, bezeichnet sich selbst als Fan seines Landesamtes. Sibler hält es für "unsere Pflicht und Schuldigkeit, Denkmäler zu pflegen und zu erhalten", um das historische Bewusstsein auch kommenden Generationen weitergeben zu können.

    "Wer sein historisches Erbe nicht kennt, kann aus meiner Sicht auch keine Perspektiven und Visionen für die Zukunft entwickeln." Staatsminister Bernd Sibler

    König Ludwig I. war der Urheber der Denkmalpflege in Bayern

    Die Denkmalpflege in Bayern verdanken wir König Ludwig I. Der gründete 1835 eine Generalinspektion für die plastischen Denkmale im Reich. Das war quasi der Beginn der Denkmalpflege in Bayern, die seitdem konsequent weiterentwickelt wurde. Ein weiterer Meilenstein folgte 1973. Denn da trat das Bayerische Denkmalschutzgesetz in Kraft, das die Arbeit der staatlichen Denkmalpflege gesetzlich regelt.

    Seit 1986 residiert das Landesamt für Denkmalpflege am Hofgraben mitten im Herzen von München. Die Oper, der Marienplatz und die Frauenkirche sind nur einen Steinwurf entfernt. Hier befinden sich auch die Restaurierungswerkstätten, in denen voruntersucht, katalogisiert, geforscht, restauriert und konserviert wird.

    Die Restaurierungswerkstätten sind das Herzstück der Denkmalpflege

    Katharina von Miller ist stellvertretende Leiterin der Werkstätten. Sie erklärt, wie wichtig dem Landesamt die beratende Funktion ist.

    "Wir entwickeln erst unser Know-How und sorgen dann draußen bei den Denkmälern dafür, dass die anstehenden Restaurierungsmaßnahmen auch richtig auf den Weg gebracht werden." Katharina von Miller

    Dafür arbeiten im BlfD rund 300 angestellte Mitarbeiter. Die decken alle Fachbereiche ab, die es heutzutage in der Restaurierung gibt. Also Textil, Gemälde, Skulptur, Wandmalerei – um nur einige zu nennen. Die Spezialisten dafür kümmern sich um ihre Fachgebiete und arbeiten interdisziplinär zusammen. Die Ausbildung dauert lange, weil Fachwissen und manuelle Fähigkeiten gefragt sind. Die meisten haben Restaurierung und Konservierungswissenschaften studiert.

    Hilfestellung ist das Schlüsselwort der Denkmalpflege

    Oft stehen die Besitzer von Denkmälern vor einem riesigen Problemberg, sobald es an die Restaurierung geht. Dann sind die Mitarbeiter des BlfD zur Stelle und helfen mit, dass das Know-How der Werkstätten in die Welt der freiberuflichen Restaurierung gelangt. Sie helfen außerdem dabei, eine Restaurierung zu organisieren, durchzuführen und zu finanzieren. Es klingt fast wie ein Rundum-Sorglos-Paket. Oberster Chef der Behörde ist der Architekt Professor Mathias Pfeil. Er trägt den außergewöhnlichen Titel "Generalkonservator". Das stammt noch aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, als die systematische Denkmalpflege mit einem Generalkonservatorium begann.

    Ein Generalkonservator ist der Chef der Denkmalpflege

    Denkmalpflege, sagt Pfeil, braucht Überzeugungsarbeit. Man müsse den Menschen erst einmal erklären, was ein Denkmal ist, was seinen Wert darstellt und was schön daran ist, ein Denkmal zu besitzen. Erst dann kommt es im Idealfall zu der Bereitschaft, in Kauf zu nehmen, was mit der Restaurierung einhergeht: Genehmigungen, Auflagen, Organisieren von Geldmitteln. Und das alles mit Respekt vor dem Kunstwerk, davor, was es uns sagt und von welcher Geschichte es uns erzählt.

    "Denkmalpflege ist das Zeichen eines kulturell hochstehenden Staates. Das gibt es nicht überall. Und es ist deshalb unsere Aufgabe das Bedürfnis zum Erhalt von Denkmälern aufrecht zu erhalten." Generalkonservator Professor Mathias Pfeil

    Fazit:

    Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat vor allem eine beratende Funktion. Draußen hilft es dabei, zu erkennen, was ein Denkmal ist und in den Werkstätten wird sichergestellt, dass die Kunstwerke überall in Bayern fachgerecht und auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse restauriert werden. Was Kunstminister Bernd Sibler, Generalkonservator Mathias Pfeil und das ganze Team im Landesamt dabei antreibt, ist einfach: Es ist die feste Überzeugung, dass die Bau-, Boden- und Kunstdenkmäler ein wesentlicher Bestandteil dessen sind, was den Freistaat Bayern so einzigartig und liebenswert macht.

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