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Denkmalgeschütztes Haus in der Welterbestadt Bamberg verfällt | BR24

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Die Stadt Bamberg will ein einsturzgefährdetes Haus in der Sandstraße kaufen und möglichst bald sanieren. Bisher sei der Kauf an unrealistischen Preisvorstellungen des Eigentümers gescheitert.

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Denkmalgeschütztes Haus in der Welterbestadt Bamberg verfällt

Abreißen oder nicht? Mitten in der Welterbestadt Bamberg ist ein denkmalgeschütztes Haus einsturzgefährdet. Was damit passieren soll, ist mittlerweile Wahlkampfthema geworden. Die Investoren und die Stadt haben unterschiedliche Vorstellungen.

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In Bambergs Feiermeile in der Oberen Sandstraße ist ein denkmalgeschütztes Haus akut einsturzgefährdet. Die Fassade wird mit Holzbalken aufwändig abgestützt. Hohe Holzwände schützen vor unbefugtem Betreten. Der Musik Club Sound'n Arts im Keller musste deshalb schließen. Die Gaststätte Stilbruch nebenan kann den Innenhof für ihre Gäste nicht mehr öffnen. Für den Gaststättenbetreiber Stefan Meyer-Brandis eine schwere finanzielle Einbuße. Die Freifläche mache etwa ein Drittel seines Umsatzes aus, schätzt der Gastwirt.

Investorengruppe plante Teilabriss

Seit 2013 gehört das Gebäude einer Investorengruppe, der German Property Group aus der Nähe von Hannover. Diese wollte das Haus zum großen Teil abreißen. Teile der Fassade und der unteren Geschosse sollten erhalten bleiben, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Im Erdgeschoss sollen Gewerbeeinheiten und im oberen Teil Wohnungen entstehen. Die Stadt Bamberg lehnt den Teilabriss ab, sagt Thomas Beese von der Stadt Bamberg. Der Baureferent sieht noch "Einiges an Substanz" in dem alten Haus.

Ankauf durch Stadt gefordert

Inzwischen ist das Haus in der Oberen Sandstraße auch Wahlkampfthema im Vorfeld der Kommunalwahlen. Die Bamberger Linke Liste fordert die Stadt und die Bayerische Staatsregierung auf, das denkmalgeschützte Gebäude in kommunale Hand zu bringen. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e. V. hat eine Online-Petition gestartet. Sie fordert die German Property Group zu einer Sanierung auf. Gespräche mit der Investorengruppe sind laut der Stadt schwierig. Anfang des Jahres ist ein Ankaufsversuch gescheitert, wie Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) erläutert.

"Man hat dann eine Summe von 1,3 Millionen genannt, das sind für mich Mondpreise, die in keiner Relation stehen und in keiner Weise Rücksicht nehmen auf die Baufälligkeit des Hauses." Andreas Starke (SPD), Oberbürgermeister von Bamberg

Abstimmung über Sanierungsgebot

Die German Property Group gibt sich verhandlungsbereit. Die Stadt möchte nun ein gemeinsames Verkehrswertgutachten erstellen lassen und versuchen, das Gebäude zu einem angemessenen Preis zu kaufen. Sollte das nicht gelingen, geht Bambergs Oberbürgermeister davon aus, dass im Stadtrat in der nächsten Sitzung über ein Sanierungsgebot abgestimmt wird. Allerdings hätte so ein Sanierungsgebot einen Nachteil: Die Allgemeinheit müsste die Kosten tragen, wenn der Eigentümer dazu nicht in der Lage wäre, sagt Andreas Starke.

© BR/Carlo Schindhelm

Vom Einsturz gefährdetes Haus in der Oberen Sandstraße in Bamberg

Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks äußert sich die Investorengruppe schriftlich. Sie will nach eigenen Angaben das Haus nicht verfallen lassen. Eine noch vom Vorbesitzer beantragte Umbaugenehmigung ließ die German Property Group jedoch verfallen, so Baureferent Thomas Beese.

"Wenn jemand ein Haus besitzt und eine Baugenehmigung hat, die vier Jahre nicht nutzt, sondern die Baugenehmigung verfallen lässt. Wenn jemand beim Preis unrealistische Vorstellungen vorträgt, dann muss man schon sagen müssen, dass er offensichtlich nicht besonders bemüht ist, das Haus zu erhalten." Thomas Beese, Baureferent der Stadt Bamberg

Das Haus in der Oberen Sandstraße ist kein Einzelfall. Nach Recherchen des Bayerischen und Hessischen Rundfunks und der BBC kauft die Immobiliengruppe in ganz Deutschland Häuser auf. Doch dann passiert oft nichts. Auch in Bamberg gehört der German Property Group seit 2013 noch ein weiterer Gebäudekomplex in der Unteren Königstraße.

Die Immobilie hat der Investor zwar vor zwei Jahren notariell weiterverkauft. Laut Grundbuch ist die Investorengruppe aber immer noch Eigentümer. Auch diese Immobilie verfällt und nichts passiert.