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Demonstration in Würzburg nach Kemmerich-Wahl in Thüringen | BR24

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Etwa 100 Menschen haben in Würzburg gegen die Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen demonstriert. Seine Wahl mit Stimmen der AfD beängstige auch die Menschen in Unterfranken.

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Demonstration in Würzburg nach Kemmerich-Wahl in Thüringen

Etwa 100 Menschen haben in Würzburg gegen die Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen demonstriert. Seine Wahl mit Stimmen der AfD beängstige auch die Menschen in Unterfranken, heißt es auf der Seite der Initiatoren.

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"Wer hat uns verraten? Freie Demokraten! Wer war mit dabei? Die christliche Partei!" hallte es durch die Würzburger Innenstadt. "Nie wieder Faschismus" oder "No Nazis? No Problems!" stand auf den Plakaten der Demonstranten in Würzburg. Gegen 18.00 Uhr hatte eine Gruppe von Antifaschisten in den sozialen Netzwerken zu einer spontanen Demo gegen die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten in Thüringen aufgerufen.

100 Menschen demonstrieren in Würzburg

Zwei Stunden später hatten sich etwa 100 Menschen auf dem Barbarossaplatz getroffen und waren dann durch die Innenstadt gezogen. Von der Juliuspromenade über die Schönbornstraße und die Domstraße liefen die Demonstranten zum Marktplatz. Laut Polizei ist die Demo der Antifaschisten friedlich geblieben.

Kritik der Demonstranten an FDP und CDU

Auf ihrer Facebook-Seite kritisiert die Gruppe "Schwarzlicht Würzburg" die FDP und die CDU. Diese seien verantwortlich für einen Tabubruch im Umgang mit Faschisten. Ihre Forderung: "So kann und darf es nicht weitergehen." Gegen 21.00 Uhr war die Demonstration zu Ende.

Zentralrat der Juden: Schuster stellt Kemmerichs Entscheidung in Frage

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster aus Würzburg, stellt in Frage, ob Kemmerich die Wahl unter diesen Voraussetzungen hätte annehmen sollen. "Mich erschreckt, dass er gewählt wurde und die Wahl angenommen hat - in dem Wissen, dass er die Wahl nur mithilfe der AfD gewonnen hat. Bei den demokratischen Parteien gibt es den Konsens, dass sie nicht mit der AfD zusammenarbeiten. Dieser Konsens wurde jetzt durchbrochen", so Schuster.

FDP Würzburg lehnt Zusammenarbeit mit AfD ab

Inzwischen hat sich auch die Würzburger FDP zu Wort gemeldet. Sie würde eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen. "Thomas Kemmerich ist bekannt als felsenfester und wehrhafter Demokrat, der sich in jeder Form von der AfD distanziert und nichts mit ihr gemein hat. Jedoch mit den Stimmen der AfD gewählt zu werden, ist für uns Liberale schwer zu ertragen", heißt es von der FDP Würzburg-Stadt.

Sollte es Kemmerich nicht zeitnah gelingen, eine stabile Regierungsarbeit ohne die AfD aufzunehmen, sei die FDP Würzburg Stadt für sofortige Neuwahlen. Zusammen mit anderen demokratischen Parteien sei es den Liberalen in Würzburg bislang gelungen, die Ergebnisse der AfD niedrig zu halten - und das solle so bleiben.

Hintergrund: Wahl mit Unterstützung der AfD

Im Erfurter Landtag war Kemmerich am Mittwoch überraschend mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Der Kandidat der FDP, die im Herbst nur knapp den Sprung in den Landtag geschafft hatte, setzte sich gegen den bisherigen Regierungschef Bodo Ramelow von den Linken durch. Es war das erste Mal, dass die AfD einem Ministerpräsident ins Amt half.

Das rief bei SPD, Grünen, Linken, aber auch bei CDU und CSU massive Empörung hervor. Kemmerich will nun eine Minderheitsregierung mit CDU, SPD und Grünen bilden. SPD und Grüne haben aber bereits abgesagt. In vielen deutschen Städten hatten tausende von Menschen gegen die Wahl demonstriert.

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