Protest gegen Atommülltransporte vor dem Tor des ehemaligen Kernkraftwerks in Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt)
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Protest gegen Atommülltransporte vor dem Tor des ehemaligen Kernkraftwerks in Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt)

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Demonstration gegen Atommülltransport nach Grafenrheinfeld

Über 60 Personen haben vor dem ehemaligen Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt protestiert. Sie lehnen Atommülltransporte ins dortige Zwischenlager ab. Mitte Februar ist eine erste Ladung aus Nordrhein-Westfalen angekommen.

Über dieses Thema berichtet: Rundschau Magazin am .

Vier Container mit schwachradioaktiven Abfällen aus dem ehemaligen Kernkraftwerk Würgassen in Nordrhein-Westfalen sind schon vor einigen Tagen im Atommüll-Zwischenlager Grafenrheinfeld angekommen. Die Container wurden von vier Lkws als Gefahrguttransport angeliefert. Dagegen hat sich Protest im Raum Schweinfurt formiert.

Bei den schwachradioaktiven Abfällen handelt es sich um Metallschrott, Bauschutt und mineralisches Isoliermaterial. Die Abfälle fielen beim Rückbau des ehemaligen Kernkraftwerks Würgassen an.

Protest vor dem ehemaligen Kernkraftwerk

Die Kundgebung vor dem Haupttor des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld dauerte etwa 45 Minuten. Zur Demo hatten BA-BI (Bürgeraktion Umwelt- und Lebensschutz-Bürgerinitiative gegen Atomanlagen), das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB), Bürgeraktion "Müll und Umwelt", People 4 Future, der Bund Naturschutz Schweinfurt, die Ortsverbände der Grünen von Grafenrheinfeld und Bergrheinfeld sowie der Grünen-Landtagsabgeordnete Paul Knoblach aufgerufen.

In ihrer Ansprache betonte Sprecherin Babs Günther: "Wir fordern ein Veto gegen jegliche Atommülltransporte wegen der erhöhten Unfallgefahr auf den Straßen oder den Schienen. Zudem bergen sie die Gefahr gezielter Angriffe – beispielsweise mit terroristischem Hintergrund. Das Wichtigste ist: Die Atommülltransporte widersprechen dem Minimierungsgebot, das sich aus der Strahlenschutzverordnung ergibt!"

Anlieferung aus anderen Kraftwerken

Laut Genehmigung dürfen bis zu 20 Prozent Material von anderen ehemaligen Kernkraftwerken von Betreiber PreussenElektra im Atommüll-Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am ehemaligen KKW Grafenrheinfeld eingelagert werden. Diese würden maximal zehn Jahre in Grafenrheinfeld bleiben, sagte der Leiter der Anlage in Würgassen.

Im Rahmen der Kundgebung wurde auch ein Flyer präsentiert. Mit diesem wollen die beteiligten Verbände auf die Gefahren aufmerksam machen. Im Flyer heißt es unter anderem: "Begrenzung auf einen einzigen Transport des schwach- und mittelradioaktiven Materials: Der Transport in das Endlager".

Immer noch kein Endlager in Sicht

Hinzukomme die Tatsache, dass es weltweit bislang keine Lagerstätte für gefährlichen, hochradioaktiv strahlenden Atommüll gibt, so Günther. Überdies sei die Inbetriebnahme eines Endlagers in Deutschland vor 2080 äußerst unwahrscheinlich. Bis dahin werde das Zwischenlager in Grafenrheinfeld, das nur bis 2046 genehmigt ist, wohl weiterhin genutzt werden.

Günther erklärte: "Auf dem KKG-Gelände befinden sich zwei unterschiedliche Atommülllager. Dabei handelt es sich um zwei Hallen. In der einen befindet sich der hochradioaktive Müll mit den abgebrannten Brennelementen in Castoren. In der anderen Halle sind schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus dem Rückbau in Lagerbehältern."

Protest gegen Transporte schon im Vorfeld

Laut Günther habe es gegen den Atommüll-Transport aus dem etwa 260 Kilometer entfernten Würgassen bereits im Vorfeld Protest von Atomkraftgegnern und Lokalpolitikern gegeben. Nach eigenen Angaben hatte PreussenElektra am Standort Würgassen im Herbst 2020 begonnen, die noch in einem Teil des Kraftwerks vorhandenen schwach- und mittelradioaktive Abfälle fachgerecht zu verpacken.

Sie stellte diese der bundeseigenen "Gesellschaft für Zwischenlagerung BGZ" zum Transport und zur Zwischenlagerung bereit. Da am Standort keine Zwischenlagerkapazitäten verfügbar seien, würden die Abfälle in die Zwischenlager der BGZ nach Ahaus und Grafenrheinfeld gebracht, so PreussenElektra.

Bund trägt Verantwortung für Lagerung

Laut BGZ ergibt sich ihr Auftrag aus dem Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung. Damit wurden Ende 2016 die Verantwortlichkeiten für die Stilllegung und den Rückbau der Kernkraftwerke sowie für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle neu geregelt: Die Betreiber der Kernkraftwerke sind nach diesem Gesetz für deren Stilllegung und Rückbau sowie die fachgerechte Verpackung der radioaktiven Abfälle zuständig. Die Durchführung und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung liege in der Verantwortung des Bundes, so die BGZ.

Kein Platz für Atommüll in Würgassen

Nach Recherchen von BR24 soll für schwach- und mittelradioaktiven Müll im KKW Würgassen langfristig kein Platz mehr sein. Auf dem Gelände in Würgassen soll ein Logistikzentrum errichtet werden, um den für die Endlagerung im "Schacht Konrad" bei Salzgitter vorgesehenen schwach- und mittelradioaktiven Abfall aus ganz Deutschland in passgenaue Chargen zu verpacken.

Würgassen ist ein Stadtteil von Beverungen im westfälischen Landkreis Höxter. Das Kernkraftwerk wurde dort bereits 1995 stillgelegt. Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld ist seit 2015 nicht mehr in Betrieb. Derzeit befindet es sich im Rückbau.

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