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Vor allem Frauen demonstrieren vor dem Schloss Fürstenried für den Diakonat der Frau.
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Vor allem Frauen demonstrieren vor dem Schloss Fürstenried für den Diakonat der Frau.

Rund 30 Frauen und Männer versammelten sich am Mittwoch vor Schloss Fürstenried in München. Sie hatten Banner und rote Regenschirme dabei mit der Aufschrift: "Für das Diakonat der Frau". Unter den Demonstranten war auch Marion Ringler. Die Gemeindereferentin des Pfarrverbands Pfaffenhofen am Inn wünscht sich die Öffnung aller kirchlichen Ämter für Frauen. Ein erster Schritt dahin: die Weihe zur Diakonin.

"Ich habe eine ähnliche Ausbildung wie ein Diakon, aber ich darf keine Hochzeiten feiern, ich darf nicht taufen und nicht predigen. Ich sehe aber vor Ort, dass die Menschen gerne auch von einer Frau, die verheiratet ist und Kinder groß gezogen hat, etwas zur Botschaft von Jesus hören würden." Marion Ringler

Verheiratete Männer dürfen seit über 50 Jahren Diakone werden

Männer dürfen bereits seit den 1960er Jahren, auch wenn sie verheiratet sind, zu Diakonen geweiht werden und die Priester in ihrer Arbeit unterstützen. Sie dürfen unter anderem taufen, trauen und bestatten. Die Zeit sei längst reif dafür, dass auch Frauen diese Aufgaben als geweihte Diakoninnen ausführen dürfen, sagt Stefan Schori, der selbst ständiger Diakon ist, auf der Demo:

"Das Skandalöse ist, dass Frauen massiv in der römisch-katholischen Kirche benachteiligt werden. Es gibt kleine zögerliche Schritte, aber sie haben als Frau keine Chance, wirklich ein Amt anzutreten. Das ist eine massive Verletzung der Menschenrechte, auch des Grundgesetzes. Wir haben ja auch auf unsere Plakate geschrieben: Keiner darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden und das tut die römisch-katholische Kirche eklatant." Stefan Schori, ständiger Diakon

Alle pflegenden und sorgenden Dienste sind v.a. Frauensache

Auch beim Katholischen Deutschen Frauenbund sieht man das ähnlich. Elfriede Schießleder beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage des Diakonats der Frau. Wenn sie dürfte, würde sie sich sofort weihen lassen.

"Ich denke das Diakonat für die Frauen ist eine Selbstverständlichkeit. Alle pflegenden, sorgenden, heilenden Dienste in der Kirche sind überwiegend Frauensache. Warum sollte dann ausgerechnet dieses Amt, das ja die Urkirche für diese Dienste geschaffen hat, nur den Männern zustehen und den Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts nicht?" Elfriede Schießleder

Bereits seit den 1960er Jahren wird darüber diskutiert, ob Frauen zu Diakoninnen geweiht werden dürfen. Vor zwei Jahren hatte Papst Franziskus angekündigt, die Frage von einer Historiker-Kommission prüfen zu lassen. Erste Ergebnisse dieser Kommission wurden nun im US-Jesuitenmagazin "America" veröffentlicht. Demnach haben Frauen in den ersten Jahrhunderten der Kirche unterschiedliche Aufgaben in der Verwaltung oder Seelsorge übernommen. "Sie haben Frauen gesalbt, kranken Frauen die Kommunion gebracht, an Taufen teilgenommen oder waren Schatzmeisterinnen", so eine Theologin der Kommission.

Papst Franziskus soll endlich Konsequenzen ziehen

Dass die Entscheidung um das Diakonat der Frau dennoch so lange hinausgezögert wird, kann Elfriede Schießleder nicht verstehen.

"Wir haben Forschung, wir haben genug Bücher, wir haben genug Erkenntnisse zu sagen: Es ist möglich, lasst uns darüber diskutieren. Was spricht dafür oder dagegen - es liegt alles auf dem Tisch."

Ungeduldig waren heute auch die Demonstranten vor Schloss Fürstenried. Sie hoffen, dass Papst Franziskus Konsequenzen aus den Forschungsergebnissen der Historiker-Kommission zieht.