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Demo in Passau gegen Waldrodung in Neuburg am Inn | BR24

© BR/Katharina Häringer

Die Fridays-for-Future-Bewegung in Passau demonstriert gegen eine Rodung von 18 Hektar Bannwald in Neuburg am Inn. Die Polizei rechnet mit etwa 100 Teilnehmern.

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Demo in Passau gegen Waldrodung in Neuburg am Inn

Die Fridays-for-Future-Bewegung in Passau hatte zur Demo gegen eine Rodung von 18 Hektar Bannwald in Neuburg am Inn aufgerufen. Rund 200 Menschen waren dabei - darunter überdurchschnittlich viele ältere Leute.

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In Passau gingen am Freitagnachmittag rund 200 Menschen gegen eine mögliche Waldrodung auf die Straße. Sie wollen verhindern, dass die Firma Brummer Logistik im Neuburger Wald zwei Kühllager baut. Dafür müssten 18 Hektar Bannwald zerstört werden. Die Demo wurde zwar von der Passauer Fridays-for-Future-Gruppe organisiert. Unter den Demonstrierenden waren aber überdurchschnittlich viele ältere Leute. "Vom Kleinkind bis zur 80-Jährigen, endlich gehen wir gemeinsam auf die Straße", sagte einer der Organisatoren.

Wie die Polizei mitteilte, war der Protestzug am Klostergarten in Passau gestartet und endete im Neuburger Wald.

Firma möchte im Neuburger Wald zwei Kühllager bauen

Die Firma Brummer Logistik - ein Transportunternehmen mit rund 650 Arbeitsplätzen - plant im Neuburger Wald zwei Kühllager zu bauen. Dafür müsste Bannwald zerstört werden. Die Pläne hatte die Firma Anfang Juli den Gemeinderäten vorgestellt - sie gaben grünes Licht. Falls Bannwald gerodet werden würde, müssten Ausgleichsflächen geschaffen werden. Wie diese aussehen könnten, dazu wollte sich die Brummer Logistik auf BR-Anfrage nicht äußern. Das Verfahren laufe, mehr gebe es nicht zu sagen, hieß es.

Gegner sind empört

Die Gegner wollen eine Waldrodung verhindern. Vor allem der Bannwald sei besonders schützenswert, argumentieren sie.

"Dass vor der Staatskanzlei in München symbolisch Bäume vom Ministerpräsidenten umarmt werden, von einem klimabeständigen Waldumbau und umfangreichem Klimaschutz geredet wird, gleichzeitig aber eine Bannwaldfläche, die ungefähr der Größe von 25 Fußballfeldern entspricht, gerodet werden soll, stellt in unseren Augen einen gewaltigen Widerspruch dar." Passauer Regionalgruppe von Fridays-for-Future
© BR/Katharina Häringer

Im Demonstrantionszug wird ein Plakat mit der Aufschrift "Bannwald muss bleiben" hochgehalten

© BR/Katharina Häringer

Ein Demonstrant trägt das Schild mit der Aufschrift "Massaker mit Vorankündigung" um den Hals

Bürger können Einwände einreichen

Die Erweiterungspläne der Firma Brummer liegen in der Gemeinde Neuburg bis zum 31. Oktober aus. Ein Dutzend Bürger habe schon Einwände eingereicht, teilt die Geschäftsleiterin der Gemeinde mit. Auch alle betroffenen Fachstellen müssen sich nun äußern, darunter unter anderem die Bayerischen Staatsforsten, denen der Wald gehört.

Versprechen wird vom Bund Naturschutz als Erpressung verstanden

Zu der Debatte gehört ein weiterer Aspekt: Neuburg ist eine Gemeinde, die bereits unter hoher Verkehrsbelastung leidet. Durch den Ort fahren alle, die nicht im Stau der Grenzkontrolle landen wollen. Wenn das Transportunternehmen Brummer im Bannwald erweitern darf, sollen nur noch maximal zehn Prozent aller Fahrten durch den Ort gehen, der Rest würde dann über die Autobahn verlaufen. So lautet das Versprechen, das die Firma offenbar den Gemeinderäten gab.

Der Bund Naturschutz nennt diesen Vorschlag Erpressung und wandte sich mit einem offenen Brief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Die Forderung: den Wald auf keinen Fall an das Logistikunternehmen zu verkaufen.

💡 Was ist Bannwald?

Bannwald ist besonders schützenswerter Wald. Er darf eigentlich nur dann gerodet werden, wenn es dem Gemeinwohl dient, das heißt: Wenn beispielsweise ein Krankenhaus oder eine Bahntrasse gebaut werden soll. Wenn er gerodet wird, müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden, die direkt an den Wald angrenzen.