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Demo in München: Künstler fordern Neustart für die Kultur

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    Demo in München: Künstler fordern Neustart für die Kultur

    Kulturveranstaltungen nur bei einer 7-Tage-Inzidenz unter 100? Der Initiative "Aufstehen für Kultur!" geht das zu langsam. Am Nachmittag rief sie auf dem Münchner Königsplatz zu einer Kundgebung auf, bei der konkrete Forderungen gestellt wurden.

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    Von
    • Gino Thanner

    Im Vergleich zur ersten Kundgebung im vergangenen Jahr hatten die Initiatoren von "Aufstehen für Kultur!" diesmal den Wettergott auf ihrer Seite. Nur ein paar einzelne Regentropfen perlten von den bunten Regenschirmen und Plakaten der Demonstrierenden auf dem Münchner Königsplatz herunter. Vorne auf der Bühne ergriffen verschiedene Beschäftigte aus der Kulturszene das Wort: unter ihnen auch der Opernsänger Christian Gerhaher.

    "Die Kunst wurde abgeschafft"

    Der Bariton ist zu so etwas wie einer Symbolfigur der Kulturszene in der Pandemie geworden. Aktuell hat Gerhaher mit einigen Mitstreitern eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht – wegen der Schließung von Kultureinrichtungen. Die Kunst wurde aus seiner Perspektive "abgeschafft", weshalb er vor Gericht für eine „Wiedererstarkung der Kulturszene“ kämpfen will. Gerhaher selbst darf sich bald schon glücklich schätzen und als König Lear an der Bayerischen Staatsoper vor Publikum auftreten, denn in München liegt die 7-Tage-Inzidenz schon mehrere Tage in Folge unter 100. Trotz solcher Lichtblicke versammelten sich bei der Kundgebung "Aufstehen für Kultur!" laut der Polizei 600 Demonstrierende.

    Kunst soll systemrelevant werden

    Ein halbes Jahr nach der ersten Kundgebung gibt es immer noch genügend Redebedarf und Wut im Bauch. So auch bei der Initiatorin Veronika Stross. Bei der Kundgebung im Oktober 2020 sei es viel um Förderungen, um Geld gegangen, so die freischaffende Bratschistin. Diesmal äußern die Kulturschaffenden vehement die Aufhebung ihres "Berufsverbots". Weitere Forderungen der Initiative "Aufstehen für Kultur" sind außerdem die Einstufung der Kunst als systemrelevante Branche sowie eine Planungssicherheit für Veranstaltungen. Und falls Konzerte oder Aufführungen nicht stattfinden dürften, solle der Staat für die ausfallenden Honorare aufkommen.

    "Wollen die überhaupt öffnen?"

    So eine Planbarkeit wünscht sich auch Pinchas Adt, Geiger im Goldmund Quartett, das zu einem der aufstrebendsten Nachwuchsstreichquartette weltweit zählt. Pinchas Adt nimmt an der Demonstration teil, weil Kultur nicht nur das Sahnehäubchen, sondern ein essentieller Bestandteil in unserem Leben sein sollte. Dass innovative Veranstaltungsideen gerade keine Beachtung bei der Politik fänden, versteht er nicht: "Letzten Sommer haben sich die Veranstalter so viel überlegt: vom Bestuhlungskonzept über ein Belüftungskonzept - es gab sogar bei manchen Veranstaltern Roboter, die die Blumensträuße übergeben haben und dennoch können die Konzerte nicht stattfinden. Und da fragt man sich manchmal schon, ob die das vielleicht gar nicht wollen."

    Neustart für die Kultur

    "Die" – also die Politikerinnen und Politiker – wollen schon. Das bekräftigt auch der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, auf der Bühne am Königsplatz. Sinkende Infektionszahlen und die voranschreitende Impfkampagne seien eine positive Perspektive für einen Neustart der Kultur – wie sie jetzt schon in München und Passau möglich sei. Die Mitglieder der großen Münchner Orchester haben sich heute bei der Kundgebung zumindest schon mal warm gespielt.

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