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Demonstration gegen YouTuber Drachenlord
© pa/dpa/David Oßwald

Autoren

Günther Rehm
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Demonstration gegen YouTuber Drachenlord

Am Montag hatten sich insgesamt rund 800 Gegner des "Drachenlords" aus ganz Deutschland in seinem Wohnort Altschauerberg bei Emskirchen versammelt, obwohl die Behörden ein Versammlungsverbot verhängt hatten. Die meist jungen Männer warfen Böller und beschmierten Wände. Im Netz wurden Beleidigungen und Morddrohungen ausgesprochen. Die Polizei musste ein Unterstützungskommando anfordern und erteilte rund 300 Platzverweise.

Cyber-Experte: Hassdemo für Teilnehmer wie "Ego-Tankstelle"

Nach den Worten von Peter Sommerhalter vom Bündnis gegen Cybermobbing wird der Hass aus dem Netz immer häufiger ins persönliche Umfeld hineingetragen. Eine Hassdemo wie gegen den "Drachenlord" sei wie eine "Ego-Tankstelle", sagte der Referent für Prävention und Medienberatung im Interview mit der radioWelt am Morgen auf Bayern 2.

"Man macht jemanden fertig, um sich selbst gut zu fühlen, und nur gemeinsam ist man stark. Für dieses Machtgefühl reist man auch gern mal in der Gruppe an und bringt seinen eigenen Echo-Raum, also das Umfeld, das die eigene Meinung bestätigt, quasi mit." Peter Sommerhalter

Die Vorkommnisse um den "Drachenlord" wertet der Cyber-Experte klar als "kriminelles Tun", das zelebriert werde, das System habe. Auch wenn der "Drachenlord" seine Adresse offen genannt und seine Hater aufgefordert hat, den Konflikt vor seinem Haus auszutragen - aus Sommerhalters Sicht hat er den Hass nicht heraufbeschworen. "Ob er selbst dafür verantwortlich ist? Ein klares Nein als Antwort. Diese Frage impliziert ja, dass jemand durch eigenes Verhalten Straftaten wie Beleidigung oder Bedrohung und vieles mehr als 'selbst schuld' hinzunehmen hat - aber das kann und möchte ich in unserer Gesellschaft nicht akzeptieren."

Fachmann für Abschreckung durch empfindliche Strafen

Sommerhalter nimmt die Gesellschaft in die Pflicht, die massiv tätig werden müsse: "Möchten wir in unserer Gesellschaft solche Hater und ihr Verhalten dulden? Sicher nicht. Man muss ein ganz klares Stopp-Signal setzen, und das kann in dem Fall nur eine strafrechtliche Geschichte sein."

Die hauptsächlichen Triebfedern, die Hater haben, sind laut Sommerhalter Aufmerksamkeit, cool sein, sich in ihrem Echo-Raum stark zeigen. Den Medien empfiehlt der Experte deshalb, viel mehr über die Strafen für Hater zu berichten. "Dann wäre das ein eindeutiges Signal für unsere Gesellschaft und auch eine eindeutige Abschreckung für die ganzen Trittbrettfahrer, die sich dort tummeln."

"Hinzuschauen, zu zeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist, Hilfe zu fordern, das ist das, was gegen Mobbing und Cyber-Mobbing hilft." Peter Sommerhalter

"Konsequenzen müssen her"

Ob "Drachenlord" oder Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel, der im Netz Morddrohungen erhält, weil die Stadt begrenzt Wildgänse zum Abschuss freigegeben hat: Soziale Netzwerke sollten nach Meinung des Fachmanns mehr Möglichkeiten bieten, Hassposts zu melden. Doch in erster Linie sieht Sommerhalter den Staat gefordert. Auch wenn der Datenschutz ein wichtiges Instrument sei, dürften User, die Morddrohungen posten, nicht ungestraft bleiben.

"Immer mehr Menschen merken: 'Hey, die dürfen alles machen, die können alles tun, es gibt keine Konsequenz.' Wann immer es Regeln ohne Konsequenzen gibt, werden die Regeln gebrochen. Die Konsequenzen müssen her!" Peter Sommerhalter

"Drachenlord" legt Youtube-Kanal still

Der "Drachenlord" hat mittlerweile Konsequenzen gezogen: Sein Youtube-Kanal ist stillgelegt. Der Kanal pausiere "auf unbestimmte Zeit", heißt es auf der Seite. Videos sind nun nicht mehr abrufbar.