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Demo gegen das Verbrennen von AKW-Abfällen in Schwandorf | BR24

© BR/Andreas Wenleder

In Schwandorf haben Demonstranten ihren Unmut über das Verbrennen von Abfällen aus Atomkraftwerken im örtlichen Müllkraftwerk gezeigt.

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Demo gegen das Verbrennen von AKW-Abfällen in Schwandorf

In Schwandorf haben Demonstranten ihren Unmut über das Verbrennen von Abfällen aus Atomkraftwerken im örtlichen Müllkraftwerk gezeigt. Dort soll weiterhin Abfall der AKWs Isar 1 und Isar 2 aus dem Kreis Landshut angeliefert werden.

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Von
  • Andreas Wenleder
  • Norbert Steiche
  • BR24 Redaktion

Rund 50 Demonstranten haben am Mittwochmittag am Rande der Verbandsversammlung des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf gegen das Verbrennen sogenannter "freigemessener Abfälle" aus Atomkraftwerken (AKW) im örtlichen Müllkraftwerk protestiert. Zur Kundgebung an der Oberpfalzhalle hatte das Bündnis für Atomausstieg Regensburg gemeinsam mit Parteien und Umweltschützern aufgerufen.

Keine "freigemessenen Abfälle" mehr aus Grafenrheinfeld

Die Zweckverbandsführung teilte seinen Mitgliedern bei der Versammlung mit, dass künftig keine "freigemessenen Abfälle" mehr aus dem fränkischen Atomkraftwerk Grafenrheinfeld angenommen werden. Das reicht den Kritikern allerdings nicht, da auch weiterhin Abfälle aus den niederbayerischen AKWs Isar 1 und 2 im Landkreis Landshut angenommen werden.

"Freigemessene Abfälle" stammen aus dem Kontroll- und Überwachungsbereich von Kernkraftwerken. Dabei handelt es sich aber nicht um hochradioaktives Material, sondern um dort generell anfallenden Abfall wie Putzlappen, Schutzanzüge, Verpackungs- oder Dämmmaterial.

Kritiker befürchten Belastungen für Anwohner

Die "freigemessenen Abfälle" sind nur sehr schwach belastet und können nach einer Messung für die Verbrennung freigegeben werden, wenn ein Grenzwert nicht überschritten wird. Die Gegner lehnen diese Praxis des sogenannten "Freimessens" generell ab. Sie befürchten Belastungen für die Anwohner, auch wenn von den Abfällen nur eine sehr geringe Strahlung ausgeht. Ein Gesundheitsrisiko könne auch bei einer sehr geringen Strahlendosis nicht ausgeschlossen werden, so ein Argument der Gegner. "Selbst im Atom-Land Frankreich, gibt es das Freimessen nicht. Da darf das auch nicht verbrannt werden", sagt Petra Fielbeck vom Bündnis für Atomausstieg Regensburg.

Weiterhin Verbrennung von "freigemessenem Abfall" in Schwandorf

Verantwortliche des Zweckverbands und Behörden wie das Bayerische Landesamt für Umwelt betonen dagegen stets, dass das Verbrennen sicher und ungefährlich sei. So sei laut Letzterem die jährliche Belastung durch den "freigemessenen Abfall" geringer als die natürliche Hintergrundstrahlung. Der Zweckverband sei gesetzlich verpflichtet die freigemessenen Abfälle aus den Kernkraftwerken Isar 1 und 2 anzunehmen. Die Verbrennung der Abfälle sei als Entsorgungsweg gesetzlich vorgeschrieben, so die Zweckverbandsführung.

Eine Sprecherin von PreussenElektra sieht den "freigemessenen Abfall" ebenfalls unkritisch. PreussenElektra ist Betreiber des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld. Von den "freigemessenen Abfällen" würden nach ihren Angaben nur noch eine Radioaktivität von maximal 10 Mikrosievert ausgehen. Das sei eine ähnliche Menge, die etwa Fluggäste bei einem Kurz- bis Mittelstreckenflug aufnehmen, so PreussenElektra.

PreussenElektra im Austausch mit Landkreis Schweinfurt

Unterdessen stellt sich in Grafenrheinfeld zusätzlich die Frage, wo der "freigemessene Abfall" zukünftig entsorgt wird. Eine bisher geltende Nothilfevereinbarung mit dem eigentlich für den Abfall zuständigen Müllkraftwerk im Landkreis Schweinfurt läuft zum Jahreswechsel aus, teilt der Zweckverband in Schwandorf mit. Der freigemessene Abfall aus dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld muss deshalb wieder im Müllkraftwerk vor Ort im Landkreis verbrannt werden.

In Schweinfurt gibt es eine Müllverbrennungsanlage, in der der Abfall nun verbrannt werden könnte. Eine Sprecherin von PreussenElektra teilt auf Anfrage mit: "Sollte dies nicht mehr möglich sein, werden wir erneut das Gespräch mit dem Landkreis Schweinfurt als dem zuständigen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger suchen, so wie wir dies auch in der Vergangenheit getan haben."

Kernkraftwerk soll weitgehend abgerissen werden

Die rechtlichen Vorgaben würden verlangen, dass der Betreiber die zur Verbrennung freigegebenen Abfälle an geeignete Entsorgungseinrichtungen abgibt, heißt es von PreussenElektra weiter. Etwa 1.850 Tonnen Schutt des Kernkraftwerks sollen bereits im Abfallwirtschaftszentrum "Rothmühle" des Landkreises Schweinfurt landen. Bis 2033 soll das Kernkraftwerk weitgehend abgerissen werden. Über 90 Prozent der über 300.000 Tonnen Schutt aus dem Kraftwerk werden nach Angaben von PreussenElektra recycelt.

Werden Werte von Radioaktivitätsmessgeräten veröffentlicht?

Mitglieder der Verbandsversammlung in Schwandorf äußerten in der Sitzung am Mittwoch auch Verständnis für die Verbrennung der Abfälle aus den niederbayerischen Atomkraftwerken. Sie begrüßten, dass der Abfall aus Grafenrheinfeld nicht mehr angenommen wird, dennoch waren sich die Redner einig, dass der Abfall aus dem Landkreis Landshut nicht abgelehnt und nach dem Sankt-Florians-Prinzip weitergereicht werden sollte. In Wortmeldungen verlangten Versammlungsteilnehmer aber auch Transparenz vom Zweckverband. Die Werte neuinstallierter Radioaktivitätsmessgeräte sollten veröffentlicht werden, so eine Forderung aus dem Gremium.

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